Professionelles Make-up
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Alles neu! Behauptet die Modeindustrie

Make-up

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In Neonbuchstaben prangen Aufkleber an den Schaufenstern. Die neue Kollektion ist da. „Hurra, genau darauf hast du gewartet“, jubeln meine Gedanken und der Sarkasmus trieft nur so. Die Gier nach Neuem, nach ständig Neuem treibt nicht nur die Modeindustrie an.

Das Leben besteht aus dem Wechselspiel von Veränderung und Beständigem. Immer wieder ändern sich die Umstände, das Lebensumfeld, der Arbeitsplatz, die Menschen, die wir um uns haben. Jeder Tag, der beginnt bringt auch Veränderung mit sich. Trotzdem nennen wir den Alltag grau und unsere Tage laufen in gewohnten Mustern die altbewährten Bahnen unseres Lebens.
Auf dem Weg durch die Stadt bleibe ich an einem Schaufenster stehen. In eleganter Schrift wird am Fenster für die neue Make-Up Kollektion geworben. Als ich den Blick über die Farbtöne der Lippenstifte, Lidschatten und Nagellacke streifen lasse, stelle ich mir die Frage, was daran wirklich neu ist. Mode ist ein Metier, das sich ständig mit dem Wort „neu“ schmückt. Mode gibt vor, sich immer wieder zu erfinden, fresh, sexy, trendy zu sein und dabei spielt sie in fast berechenbarer Gleichmäßigkeit mit alten Mustern, Designs, Farben. Oftmals sogar in den alten Kombinationen. Ja, natürlich sehe ich mal einen schwarzen, mal einen weißen Balken, der breit über die Augen geschminkt ist, natürlich sind da die bunten Lidschatten auf perfekten Werbefotografien. Nur selten bringt die Mode wirklich Neues hervor.

Der große Wunsch nach Neuem

Anders sieht es da schon in den Medien aus. In den letzten Jahren tauchten so viele neue Formate auf, dass ich den Überblick verloren habe. Aber ein Muster ist geblieben: was Erfolg hat, wird wiederholt oder fortgesetzt. Ob die Jackass Filme, Germany Next Topmodel, Deutschland sucht den Superstar oder Big Brother, alles wird wiederholt und wenn die Quoten nachlassen wird etwas „Neues“ eingebaut. Da stehen auf einmal nicht mehr zwei Kandidatinnen im Finale, da tauscht man ein Jurymitglied aus, auf jeden Fall wird einem Praktikanten im Sender die Chance gegeben, das Format zu verändern. Umso schwieriger ist es, wenn das Leben selbst in die Formate eingreift und durch den Tod eines Moderators ein neuer benötigt wird.
Der Wunsch nach Neuem ist beim Publikum gerade im Bereich der Medien sehr groß. Umso erstaunlicher ist es, dann die Reaktionen auf Neuerungen zu verfolgen. Bei der Europameisterschaft durfte erstmals eine Frau ein Turnierspiel kommentieren. Claudia Neumannn wurde vielfach für ihre Sachlichkeit gelobt und beinahe schien es, als wäre endlich jemand da, um Bela Rethy abzulösen. Über Herrn Rethy liest man ja viel und selten Gutes. Aber gegen die Kommentatorin regte sich breiter Protest. Ja, 2016 ist es noch ein Thema, ob eine Frau ein Männerfußballspiel kommentieren darf. In den sozialen Medien überschlugen sich erst die Gegner, dann die Befürworter. Und alles blieb beim alten.

Das Wichtige kommt ohne Glitzer

Was ist also richtig neu? Was ist in letzter Zeit passiert, das wirklich dieses Label verdient? Nichts. Die Dinge, die wirklich zu tiefgreifenden Veränderungen führen, kommen selten mit Neonfarbe, Glitzer und in Großbuchstaben. Vor einigen Jahren sah man im Schwimmbad fast nur schlanke Menschen. Es war fast so, als wäre gäbe es eine Obergrenze für Körperumfang in den Schwimmbädern. Menschen, die nicht einer gewissen körperlichen Norm entsprachen, waren in gewissen Bereichen des Lebens einfach unsichtbar. Diese Scham vor der eigenen Erscheinung, das Bodyshaming, weicht in manchen Bereichen langsam dem Bewusstsein, dass es keinen Grund gibt, den vermeintlich schönen Menschen die Welt zu überlassen. Ja, die Entwicklung passiert im Schneckentempo und vielen fehlt einfach noch der Mut, sich die Freiheit zu nehmen, einfach so zu sein, wie sie sind.
Schlankheits- und Fitnesstrends kommen und gehen so schnell, wie neue Diättipps und Lippenstiftfarben in den Frauenmagazinen. Das Neue ist verlockend, faszinierend und verspricht den Alltag zu verändern, aber hält es dieses Versprechen wirklich? Das zeigt sich oft erst, wenn etwas Neues langsam seinen Glanz verliert, zur Gewohnheit wird und trotzdem weiter besteht.

Dieser Beitrag erschien in der Ausgabe „#1 Neu“ des No Robots Magazines. Lies hier kostenlos das komplette Magazin!

Titelbild: Pexels.com

Nina M.

Nina, *1972, neugierige Bloggerin auf fraupapa.wordpress.com schreibt nicht nur über ihre Regenbogenfamilie.

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