Gilmore Girls neu auf Netflix
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Auferstanden von den Toten

Gilmore Girls neu auf Netflix

Foto: Unsplash/Tina Rataj-Berard

Die Gilmore Girls sind nach neun Jahren Pause zurück

Die ganzen Sommerferien 2001 träumte ich von der Schule, vom ersten Schultag in der Oberstufe. Welche Kurse würde ich haben? Mit wem? Was die Seiteneinsteiger wohl für Leute sein würden? Ich war so aufgeregt! Ich habe von so vielen verschiedenen Szenarien geträumt, aber an den tatsächlichen Tag kann ich mich kaum erinnern. Im Großen und Ganzen verlief er wohl relativ unaufregend.
Rory Gilmore war im Sommer 2001 sechzehn, genau wie ich. Ungefähr zu dieser Zeit haben wir uns damals kennengelernt. Ich stieß auf die ersten Folgen der Gilmore Girls, als sich gerade eine Romanze zwischen Rory und Jess anbahnte. Ich war so verliebt in dieses Paar. Zwischen Staffel 2 und 3 träumte ich regelmäßig von ihnen. Würden sie zusammen kommen? Ich war so aufgeregt.
Rory und Jess kamen zusammen – und trennten sich viel zu schnell wieder. Rory und ich feierten unsere achtzehnten Geburtstage, beendeten die Schule, gingen zur Uni und machten auch da unsere Abschlüsse. Rory schlug Logans Heiratsantrag aus und startete ins Berufsleben. Und dann war Ende. Das war’s mit den Gilmore Girls.

Oft habe ich sie vermisst. Ich wollte wissen, wie es weitergeht. Hoffte immer noch auf ein Happy End für Rory und Jess. Aber aus ist aus: Serien enden eben, so ist das nun mal.
Manchmal erhielt meine Hoffnung neuen Aufschwung. Andere Fans hofften mit, bettelten um einen Film, um ein besseres Ende. Doch die Jahre zogen ins Land, ein Revival wurde immer unwahrscheinlicher.

Und dann kam Netflix

Als wir schon erwachsen waren, Rory und ich. Doppelt so alt wie damals, als wir uns kennenlernten. Plötzlich kam Netflix daher und rief: „Lass uns die Toten wecken!” Und kündigte eine Mini-Serie mit vier neuen Folgen an.
Das Internet wurde zur Tretmine, Unterhaltungsseiten wie Hello Giggles wurden zur Spoiler-Hölle, die jedes Set-Foto, jede Andeutung und jeden Hinweis zur Interpretation heranzog. Ich fing an, vom Revival zu träumen. Wo ist Rory? Haben Luke und Lorelai ein Kind? Ich war so aufgeregt.
Aber gleichzeitig nagten Zweifel an mir. Macht es Sinn, eine Serie nach so vielen Jahren wieder aufleben zu lassen? Passt die Serie noch in unsere Zeit? Stimmt das Gefühl zwischen uns noch?

Berühmte letzte Worte

Gilmore-Girls-„Mutter” Amy Sherman-Palladino hatte schon die letzten vier Worte im Kopf, bevor sie damals nach Uneinigkeiten mit Warner Bros ihrer letzten Staffel beraubt wurde.
Nun hatte sie eine neue Chance. Doch anstatt eine Serie mit einer finalen Staffel zu beenden, stand sie nun vor der Aufgabe, Fan-Herzen mit einem Revival zu beglücken, ein Jahrzehnt später.
Und nun, da die berühmten vier letzten Worte ausgesprochen sind, sind die Fans ratlos gestimmt. Hat uns das Revival gefallen? Wollen wir, dass es weitergeht? Wird es weitergehen? Oh bitte, lass es weitergehen!
Die erste Folge ließ ein „Hm.” zurück, es folgte ein „Ich weiß nicht, was ich davon halten soll.”. „Es hat mir einfach was gefehlt”, schreibt mir meine Freundin und ich gebe ihr recht. Die Gilmore Girls waren einzigartig in ihren skurrilen Figuren, mit ihren vielen Nebenrollen voller liebenswürdiger Freaks. Es war immer eine Serie über Frauen, die ihren Weg gehen. Niemals über Frauen, die die große Liebe oder den besten Sex suchen (auch, wenn das durchaus thematisiert wird). Vor allem war es eine Serie, die bei aller Merkwürdigkeit immer bodenständig und respektvoll blieb. Es gab keine „Protagonistin bringt kurz den Müll raus und in endet in einer dreitägigen Sex-Affäre mit dem Nachbarn”-Momente, keine wirklichen Antagonisten, kein Shaming.
Das Revival bricht zum Teil mit dieser Tradition. Es lässt Zuschauer-Liebling Rory zuweilen fies und unsympathisch erscheinen, es gibt Fat Shaming, und Nebencharaktere werden stellenweise fast fließbandartig abgehandelt. Fast ist man schon gewillt zu sagen: Man sollte die Toten einfach ruhen lassen.
Doch dann kommt die vierte Folge und das warme Gefühl, das man kannte und so liebte schleicht sich zurück. Und es kommen die berühmten vier letzten Worte.
Und man denkt sich: „Bitte, bleibt!”

Ich weiß, wovon ich in nächster Zeit träumen werde.
Um es mit Frank Turner zu sagen: „God damnit, Amy!”

Larissa//No Robots Magazine

Larissa ist die Chefin des No Robots Magazines. Sie ist 32 Jahre alt und lebt mit Mann und Kind in München.

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