Bücher und ich: das Ende einer großen Liebe

Es heißt immer, man solle seine Leidenschaft zur Profession machen. Manchmal geht aber mit dem Beruf die Berufung.

Richtig lesen gelernt habe ich im Sommer 1992. Während ich Skandinavien heute über alles liebe, war ich damals wenig begeistert, als meine Eltern einen Road Trip durch Norwegen machen wollten. Was gibt es Langweiligeres für eine Siebenjährige als die Ferien allein mit den Eltern in einem Wohnmobil zu verbringen? Also habe ich (gefühlte sechs) Wochen lang nur gelesen, gelesen, gelesen (oder meinen Eltern Geschichten erzählt, wenn ich nicht lesen konnte). Von da an waren Bücher meine große Liebe. Anfangs liebte ich die Bücher von „Bille und Zottel“ oder die Abenteuer der „Fünf Freunde“. Dann wurden die Neschan-Romane von Ralf Isau zu dem „Harry Potter“ meiner frühen Teenager-Jahre (und schließlich auch Harry himself). Einem engagierten Lehrer hatte ich es in der Oberstufe schließlich zu verdanken, dass ich anfing, tiefer in die Materie zu tauchen. Plötzlich wurde die ewige Unterrichtsfrage nach der Intention des Autors unglaublich spannend.
Meine Liebe zu Büchern starb im Oktober 2004. Auf einmal musste ich innerhalb von vier Monaten sämtliche Werke von Heinrich von Kleist lesen. Und das war ein Seminar von vielen. Lesen wurde zu Arbeit. Ich hörte auf, privat zu lesen. Ich schrieb keine Geschichten mehr. Meine Kreativität litt gewaltig.

Heute muss ich beruflich durchschnittlich vier Bücher pro Monat lesen. Es ist nicht so, dass ich aufgehört hätte, dass geschriebene Wort zu schätzen. Ich lese immer noch viel – Nachrichten, wissenschaftliche Artikel, Fachbücher oder Gala.de, wenn der Verstand eine Pause braucht. Romane sind langweilig geworden. Ich kann mich kaum erinnern, wann ich das letzte Mal einen regelrecht verschlungen hätte. Mich langweilen die immer gleichen Geschichten. Vor allem, wenn sie keinen Mehrwert bieten in Form von neuem Wissen oder Inspiration. Manch ein Buch habe ich sogar zehn Seiten vor Ende abgebrochen, weil ich es nicht mehr ertragen konnte (ja, ich meine dich, „Eleganz des Igels“!).

„Mach dein Hobby zum Beruf“ – seid vorsichtig, wenn ihr euch das zum Lebensziel setzt. Es gibt sicher viele Menschen, die damit glücklich werden. Oder aber euer Hobby wird zur Pflicht und macht keinen Spaß mehr. Und so war es bei mir und den Büchern: das Ende einer großen Liebe.

Was ist oder war eure große Liebe? Wollt ihr davon erzählen? Dann schreibt einfach einen Kommentar und hinterlasst eure E-Mail-Adresse!

Larissa//No Robots Magazine

Larissa ist die Chefin des No Robots Magazines. Sie ist 32 Jahre alt und lebt mit Mann und Kind in München.

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