Buch vs. Film: Alles ist erleuchtet von Jonathan Safran Foer
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Das Buch ist immer besser. Fast immer. Buch vs. Film

Zack, zack, bevor es zu spät ist: noch schnell ein kleiner Beitrag zu einer Blogparade. Miss Booleana fragt, was besser ist: Buch oder Film-Adaption. So pauschal kann man das nicht sagen, finde ich. Also reihe ich mich an und vergleiche zehnmal Buch vs. Film.

1. Alles ist erleuchtet

Das Debüt von Jonathan Safran Foer und ein kleiner Indie-Film (im Gegensatz zur „Extrem laut und unglaublich nah“-Verfilmung mit Sandra Bullock und Tom Hanks) unter der Regie von Schauspieler Liev Schreiber. Ich hatte anfangs meine Probleme mit dem Buch und habe erst richtig die Kurve bekommen, nachdem ich den Film gesehen habe. Denn der bricht den komplizierten Text auf eine Ebene runter: Jonathan (Elijah Wood), ein Sammler, reist in die Ukraine, um die Frau zu finden, die seinen Großvater einst vor den Nazis rettete. Das Buch ist derweil deutlich komplexer. Es besteht nicht nur aus Jonathans Reisegeschichte, erzählt aus der Perspektive seines „Touristenführers“ Alex, sondern auch aus Alex‘ Briefen und einem recht skurrilen Roman, den Jonathan nach der Reise schrieb. Ein fantastisches Buch, wenn man sich erstmal darauf einlässt (ja, die Sprache erscheint erstmal schlecht, das ist Absicht).
Der Film speckt also ab und streicht zwei Ebenen raus. Zum Glück! Liev Schreiber schafft es, sich auf das zu konzentrieren, was der Film vertragen kann. Daraus entsteht beinahe eine neue Geschichte, mit tollen Darstellern (Gogol-Bordello-Sänger Eugene Hütz in der zweiten Hauptrolle) und einem großartigen Soundtrack.

Wer gewinnt? Unentschieden! Film und Buch sind auf ihre Weise beide groß.

2. Stolz und Vorurteil

Ich wusste noch nichts weiter über Jane Austen, als Stolz und Vorurteil, der Film, damals erschien. Ich war Fan von Keira Knightley und erwartete einen netten Liebesfilm. Er überzeugte. Keira hat klasse gespielt, und Mr. Darcys Hundeblick bei der berühmten Proposal-Szene im Regen treibt mir immer noch Tränen in die Augen.
Dann habe ich doch mal das Buch gelesen. Und mich mit Jane Austen intensiver beschäftigt. Schließlich hatte ich sogar meine mündliche Magister-Prüfung in Anglistik über Austens Frauenbild. Und schleudere jedem, der die alte Dame als Kitschautorin bezeichnet nur ein „Pah!“ entgegen. Um die Liebe geht’s nämlich gar nicht so sehr bei Miss Austen. Viel mehr war die Gute eine Feministin im Rahmen ihrer Zeit und besaß noch dazu einen wunderbar bissigen Sarkasmus. Großartig sind zum Beispiel Mr. Darcys und Caroline Bingleys Diskussionen, die im Film nur Andeutung finden.

Wer gewinnt? Das Buch. Der Film ist auch prima, aber das Buch ist zurecht ein Klassiker.

3. Der Mann, der Yngve liebte

Norwegischer Jugendroman, für den es leider leider noch keine Übersetzung gibt (warum eigentlich nicht??). Der siebzehnjährige Jarle verliebt sich in seinen neuen Mitschüler Yngve. Dabei ist Jarle gar nicht schwul. Er hat sogar eine Freundin, die er liebt. Verständlicherweise eine schwierige Situation für den Teenager, die nicht nur seine Gefühlswelt, sondern auch seine Freundschaften und seine Familie ins Wanken bringt – gekrönt von einem überraschenden und originellem Ende.
Das Drehbuch zum Film schrieb Autor Tore Renberg gleich selbst – und strich einfach mal die ganze Würze raus. Übrig geblieben ist ein Coming-Out-Film, dem nicht nur die Tiefe des Romans fehlt, sondern der auch noch in die Belanglosigkeit umgeschrieben wurde. Wieso denn bloß?

Wer gewinnt? Ganz klar das Buch.

4. Der Hundertjährge, der aus dem Fenster stieg und verschwand

Der Bestseller aus Schweden. Der hunderjährige Allan büxt aus dem Altenheim aus und macht sich auf eine Reise, die ganz harmlos anfängt und von Seite zu Seite bizarrer wird. Und noch dazu gibt es Allans außergewöhnliche Lebensgeschichte gespickt mit den Meilensteinen der Weltgeschichte des letzten Jahrhunderts. Seltsamer skandinavischer Humor vom Feinsten.
Und der Film? Gibt sich alle Mühe, um dem Roman gerecht zu werden. Aber die Masse an What-the-fuck-Momenten, die der Roman aneinanderreiht, braucht einfach Zeit, die der Film nicht bieten kann. So bleibt ein kurzweiliger Spaß übrig, aber für das ganze Ausmaß der Abstrusität muss man einfach beim Buch bleiben.

Wer gewinnt? Das Buch. Geht gar nicht anders.

5. Warm Bodies

Die Welt nach der Zombie-Invasion, beschrieben aus der Sicht – des Zombies. R weiß nicht, warum er ist und kann sich nicht mal an seinen Namen erinnern. Aber dafür, dass er untot ist, hat er noch erstaunlich gut alle seine Sinne zusammen. Bis er eines Tages bei der Nahrungsjagd das Hirn des jungen Perry futtert und sich dabei glatt in dessen Freundin Julie verliebt. Die er dann auch noch in die Zombiehochburg entführt. Der Roman von Isaac Marion ist originell und philosophisch und auch ein wenig kitschig, ganz nach dem Motto: All you need is love.
Der Film hat grundsätzlich die richtigen Zutaten für ein gelungenes Ergebnis: Die Vorlage ist nicht zu komplex und mit Nicholas Hoult wurde ein toller Hauptdarsteller gecastet. Leider fokussiert Regisseur Jonathan Levine sich ein bisschen zu sehr auf die All-you-need-is-love-Sache und macht damit alles kaputt.

Wer gewinnt? Das Buch. Der Film hat ein unnötig kitschiges Ende.

Buch vs. Film: Alles ist erleuchtet von Jonathan Safran Foer

6. Hectors Reise und die Suche nach dem Glück

Der Bestseller aus Frankreich: Psychiater Hector kommt in eine Sinnkrise und begibt sich daraufhin auf Weltreise um dem Glück auf die Spur zu kommen. Das ist nett, aber auch nicht besonders interessant.
Die Verfilmung hält sich recht genau an die Vorlage und ist damit im Grunde auch: Nett, aber nicht besonders interessant. Warum er trotzdem sehenswert ist? Weil Simon Pegg die Hauptrolle spielt. Und Simon Pegg ist ein toller Hector. Simon Pegg ist generell einfach toll.

Wer gewinnt? Der Film. Ich meine: Hallo?? Simon Pegg!!

7. Zusammen ist man weniger allein

Und noch ein Bestseller aus Frankreich: Die magersüchtige Camille wird von dem unbeholfenen, stotterndem Adeligen Philibert in der Wohnung seiner Oma aufgenommen, die er zusammen mit dem schlecht gelaunten Koch Franck bewohnt. Komplett wird die WG, als das Trio noch Francks altersschwache Oma aufnimmt. Ach ja, die Liebe spielt natürlich auch eine Rolle. Ja, das ist emotionaler Frauenkitsch. Aber die Figuren haben alle genug Tiefe, dass man sie gerne eine Weile begleitet. Autorin Anna Gavalda schafft es wunderbar, auf alle Herzchen und Blümchen zu verzichten, die sonst Brechreiz bei mir verursachen.
Der Film musste die Geschichte leider kürzen, daher erfährt man dort weniger von den leidvollen Lebensgeschichten von Camille, Philibert und Franck. Dafür bekommt man eine bezaubernde Audrey Tatou und einen charmanten Guillaume Canet.

Wer gewinnt? Unentschieden. Beide sind toll.

8. To kill a mockingbird

Ein Klassiker! Der allein erziehende Anwalt Atticus Finch vertritt einen der Vergewaltigung angeklagten Schwarzen – und das in den Südstaaten der Sechziger Jahre! Der Film erhielt anno 1962 drei Oscars: Gregory Peck als bester Hauptdarsteller, noch dazu Auszeichnungen für das beste Drehbuch und für die Austattung. Und ich? Fand den Film ziemlich lahm.
Denn eigentlich steht der Fall Tom Robinson gegen die Familie Ewell gar nicht so sehr im Vordergrund der Geschichte. Kern des Romans sind die Kinder Scout und Jem und vor allem die Bemühungen ihrer Tante Alexandra, die wilde Sechsjährige zu einer Lady zu erziehen (ihr habt es vielleicht geahnt, ich habe mal eine Hausarbeit dazu geschrieben). Und genau diese Tante taucht im Film nicht mal auf! Pffff!

Wer gewinnt? Das Buch. Hands down.

9. One Day

Der Bestseller aus England: Emma und Dexter verbringen nach ihrer Uni-Abschlussfeier eine Nacht miteinander – am 15. Juli 1988. Fortan wirft der Roman an jedem weiteren 15. Juli einen Blick auf die beiden – für die nächsten zwanzig Jahre. Was nach einer Liebesgeschichte klingt, ist eigentlich eine Lebensgeschichte – mit allen Höhen und Tiefen und unvorhergesehenen Wendungen. Selten hat mich ein Roman so aufgewühlt.
Und der Film? Ist einfach nur ein Liebesfilm. Fairerweise muss man wohl sagen, dass man aus dem Buch eher eine Serie hätte machen sollen.

Wer gewinnt? Das Buch.

10. Jane Eyre

Das Vorbild junger Mädchen im letzten Jahrzehnt? Blasse, unscheinbare Mädchen, die für kontrollsüchtige Liebhaber ihr Leben hingeben.
Das Vorbild junger Mädchen bei  Charlotte Brontë im Jahr 1847? Ein blasses, unscheinbares Mädchen, das sich für nichts und niemanden verbiegen lässt. Nicht mal für ihre große Liebe. Jane Eyre hat nichts und ist nichts, nicht mal schön. Dafür ist sie clever. Zu clever um ihre Ideale zu verkaufen. Und am Ende zeigt sich, dass Stärke relativ ist. Wunderbare Jane Eyre!
Der Klassiker wurde unzählige Male verfilmt, unter anderem mit Orson Welles als Rochester im Jahre 1943. Die jüngste Adaption stammt von Cary Fukunaga mit Mia Wasikowsaka und Michael Fassbender in den Hauptrollen. Die Adaption setzt die Story originalgetreu um und es fehlt ihm weder an Spannung noch an Atmosphäre. Noch dazu bereichern die süße Wasikowska und Mr. Sexy jeden Film. Dennoch: Fukunagas Jane kann mit dem Original nicht mithalten.

Wer gewinnt? Das Buch. Trotz Michael Fassbender.

Resultat:

Buch: 7
Film: 1
unentschieden: 2

Auch wenn ich ein eher visueller Mensch und oft zu faul zum Lesen bin: An die Macht des Wortes kommt keiner ran. Außer Simon Pegg.

Larissa//No Robots Magazine

Larissa ist die Chefin des No Robots Magazines. Sie ist 32 Jahre alt und lebt mit Mann und Kind in München.

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6 Kommentare

  1. Schöne Auswahl.

    Am Vergleich von Stolz & Vorurteil und Jane Eyre habe ich mich gar nicht erst versucht, weil die Filme zwar zum Teil supertoll sind, aber die Romane über jeden Zweifel erhaben und nicht für mich erreichbar sind. Allerding finde ich die Adaption mit und trotz Mr. Fassbender nicht sehr gelungen und würde hier immer die mit Ruth Wilson und Toby Stephens vorziehen. Aber ansonsten gebe ich Dir Recht.

    • Ich finde den Film nicht schlecht, aber ein wenig blutleer. Er wird der tollen Figur nicht so recht gerecht. Und ich bin mit Fassbender als Rochester auch nicht so ganz warm geworden, obwohl ich Fassbender eigentlich großartig finde.
      Was ich nicht schlecht finde, sind die BBC-Miniserien von „Emma“ und „Sense and Sensibility“. Demnächst schaue ich auch irgendwann mal die von „Wuthering Heights“ (oder war’s ein Film, ich weiß es gar nicht mehr). Das Buch fand ich furchtbar, vielleicht bringt der Film mir die Figuren näher. 😉

  2. Auch ein schöner Beitrag 🙂
    Da sind viele Bücher dabei, die ich gerne noch lesen möchte, allen voran Klassiker wie Jane Eyre, To kill a mockingbird und Stolz und Vorurteil (ich glaube, das habe ich schon mal gelesen, aber irgendwie erinner ich mich nicht mehr…)

  3. Danke fürs teilnehmen 🙂
    Alles ist erleuchtet wollte ich auch schon längst gelesen oder gesehen habe … jetzt ist die Frage: was zuerst? 🙂
    Was Simon Pegg betrifft, kann ich dir nur Recht geben. Mit ihm ist alles ein bisschen besser. Nur nicht Burke & Hare…

    • Hmm, also mir hat es geholfen, zuerst den Film zu gucken, weil ich das Buch doch recht schwierig fand. Ich hab’s auch erst auf englisch versucht und wenig kapiert. Die Roman-Ebene ist schon ganz schön strange.
      Ach, ich fand „Burke & Hare“ auch ganz okay. 😉

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