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Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Kinder

Alles, was wir am Ende wollen, ist glücklich sein.
Früher, da war das mit dem Glück vor allem eins: Glückssache. Man lebte, wo man eben geboren wurde, machte das, was die Eltern machten, heiratete den, der sich gerade anbot und bekam Kinder oder eben nicht. Wenn alles gut lief, dann war man dabei vielleicht auch glücklich.
Heute ist das freilich etwas anders. Wie heißt es so schön: Jeder ist seines Glückes Schmied. Zum Glück!
Wir können wohnen, wo wir wollen. Zusammen sein, mit wem wir wollen. Und wir können werden, was wir wollen. Also, theoretisch zumindest. Und wenn wir nicht glücklich sind, dann ziehen wir eben weiter.
Das System hat natürlich auch seine Nachteile. Nämlich dann, wenn man immer weiter zieht. Immer weiter denkt, dass es irgendwo doch noch ein größeres Glück geben muss. So heißt es doch auch immer wieder: Unsere Generation kann sich einfach nicht festlegen.
Eine Sache gibt es da allerdings doch, die ein klares Statement erfordert: wenn es um die Fortpflanzung geht. Entscheidet man sich für ein Kind, dann gibt es kein Weiterziehen. Diese Entscheidung ist unumstößlich, in guten und in schlechten Tagen. Einmal Eltern, immer Eltern.
Da in Zeiten der großflächigen hormonellen Verhütung meistens die Ratio und nicht die Hormone die Entscheidung für oder gegen ein Kind übernimmt, wird sie in der Regel gründlich durchdacht.
Die Nachteile liegen auf der Hand: Kinder kosten uns Zeit, Nerven, Schlaf, Geld, oft die Karriere und manchmal sogar die Partnerschaft. Wenn man also all dies auf sich nimmt, dann sollen Kinder doch bitte im Gegenzug glücklich machen. Nur wissen wir leider oft gar nicht so richtig, worauf wir uns da einlassen. Elternsein ist nicht einfach, das hört man ja, das weiß man schon. Aber wie die Realität dann tatsächlich aussieht, das merkt man meist erst nach der Geburt. Wenn es zu spät ist, quasi. Freunde kann man wechseln, einen Partner verlassen, eine Ehe kann man scheiden lassen. Bei einem Kind ist das anders. Da kommt so ein kleiner Mensch in unser Leben, den wir noch nicht kennen, den wir aber bedingungslos lieben sollen – bis ans Ende aller Zeit.

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Machen Kinder also glücklich?
Ja, sagen viele Eltern. Rein subjektiv.
Nein, sagen die Befragten der #regrettingmotherhood-Studien.
Nicht unbedingt, sagt die Wissenschaft.
Nun, wie alles im Leben kann es natürlich vorkommen, dass man den eingeschlagenen Weg bereut. Davor ist man niemals gewappnet. Aber wer hat denn nun Recht, das subjektive Empfindung gefühlsduseliger Eltern oder kalte, theoretische Wissenschaft?
Oder vielleicht sollten wir auch einfach aufhören, uns diese Frage zu stellen.
Natürlich würde keiner (na ja, fast keiner) fordern, dass wir die Verhütungsmittel von heute auf morgen in die Tonne hauen. Es gibt sicher Menschen, die keine Kinder bekommen wollen oder sollten und es besser lassen. Oder es gibt Momente im Leben, in denen man doch besser doppelt und dreifach verhütet, weil ein Kind gerade eine schwerwiegende Herausforderung wäre. Klar.
Dennoch: Deutschland hat die niedrigste Geburtenrate der Welt. Das hat natürlich vielfältige Gründe. Einer davon ist, dass wir uns fragen: Was macht ein Kind mit mir, mit meiner Zeit, mit meinen Nerven, mit meinem Geld, mit meiner Karriere, mit meiner Partnerschaft? Macht es mich glücklich?
Wir suchen die Antwort und suchen und suchen, aber es gibt nur einen Weg es herauszufinden und der ist eben unumstößlich.
Und ist es nun geschehen, hat dieses Kind einen großen Anspruch an sich auf den Schultern zu tragen: „Kind, ich habe mich entschieden, dir das Leben zu geben. Habe dir meinen Körper geopfert, mein Geld, meine Zeit und vielleicht noch viel mehr. Also mach mich glücklich. Sei mein Freund, leb meinen Traum, etc. etc.“ Ist ja nur fair, oder?
Aber eigentlich war das doch so: Kinder bekommt man oder eben nicht.
Und dabei haben Kinder erstmal nur eine  Aufgabe: leben. Und eine Aufgabe haben sie grundsätzlich nie: ihre Eltern glücklich zu machen.
Im Gegenteil: Es ist doch Aufgabe der Eltern, ihrem Kind das richtige Gepäck mit auf den Weg zu geben, um selbst ihr Glück zu finden. Und es nicht später in der nächsten Generation suchen zu müssen.

P.S. Mein liebes Kind, wenn du dies eines Tages lesen solltest: Ich bin sehr glücklich, dass es dich gibt!

Foto: Pixabay

Larissa//No Robots Magazine

Larissa ist die Chefin des No Robots Magazines. Sie ist 31 Jahre alt und lebt mit Mann und Kind in München.

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1 Kommentar

  1. Komme erst jetzt dazu, meinen Feedreader durchzulesen. Einen richtig schönen Text hast du da geschrieben, der mir sehr aus der Seele spricht. Ich trage mich auch ständig mit dem Gedanken, etwas dazu schreiben zu müssen aber bin irgendwie der Diskussion müde. Gerade weil ich jetzt mit dem 2. Kind (welches ein Schlafwunder ist und super entspannt merke, wie anders Erfahrungen sein können & wir unmöglich zu pauschalisieren). Der beste Satz des Tages ist daher: „Kinder bekommt man oder eben nicht.“
    Liebe Grüße, Corinne

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