Starke Frau - Feminismus
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Das mit der feministischen Idee

Mit dem Wort fängt es ja schon an. Bist du eine Feministin? Gefühlt die Hälfte der Frauen sagt: Ja, aber natürlich! Die andere Hälfte sagt: Igitt, nein! Obwohl, eigentlich ja doch. Welche Frau ist denn nicht für die Gleichberechtigung der Geschlechter? Außer ein paar religiösen Fanatikern vermutlich keine – und religiöse Fanatiker nehme ich grundsätzlich nicht ganz ernst. Gut, Gleichberechtigung also, und weiter? Und da haben wir’s ja schon: Was ist denn eigentlich diese feministische Idee?

Pinkstinks kämpft gegen sexualisierte Werbung. Andere Frauen sehen nackte Brüste auf Plakaten als Teil des Rechts auf Freizügigkeit. Quelle

Simone de Beauvoir reagierte eisig auf Alice Schwarzer, weil die einen Minirock trug. „Sie hat wohl gedacht: Der alte Trottel (Anm. d. Red.: Satre) lässt sich wieder von irgendeiner Blondine im Minirock beschwatzen.“ Quelle Dabei erfand Mary Quant den Minirock für mehr Freiheit – für die Beine und für den Kopf. Quelle

Minirock

Foto: Pexels.com

„Du bist also das Symbol der Unterdrückung“, sagte sie, als ich mich auf einer Motto-Party als Model-Ikone Twiggy verkleidete. Zwischen den Zeilen stand: Twiggy, mit der hat das Body-Shaming angefangen, dank der muss man dünn sein. Dabei kannte Twiggy das Body-Shaming selbst sehr gut: „‚I always got blamed for inventing anorexia, but I ate like a horse. I just couldn’t put on weight,‘ she has said.“ Quelle

„Es ist nicht cool, sich einem Mann so zu Füßen zu werfen, wie Miley Cyrus es getan hat“, schrieb ich in einem Artikel einer Teenie-Zeitschrift nach den VMAs 2013 und stilisierte Cyrus als Symbol der sexuellen Unterwerfung. „The sexual aspect of our show isn’t targeted at men. It’s not driven by what men think is sexy. It’s what women think is sexy and cool and strong.“, reagierte Miley auf die ablehnenden Reaktionen auf ihre Bühnenshows. Quelle

„Männer sind von Natur aus sexistisch und beuten Frauen auf Grund ihres Körpers aus“, sagten Hardcore-Feministinnen. „Kann ich Ihnen helfen?“, sagte der Verkäufer eine Sekunde nachdem ich im Minirock das Einkaufszentrum betrat. „Eigentlich nicht. Aber wenn du dich mir schon so zu Füßen wirfst, dann mach halt, du Trottel“, dachte ich.

„Ein Kopftuch ist grundsätzlich ein Zeichen der Unterdrückung der Frau!“, sagen die Frauen der westlichen Welt. „Das Kopftuch gehört zu meinem Glauben, ich sehe darin aber auch etwas Feministisches: In den Medien wird die Frau oft zu einem Objekt der sexuellen Lust reduziert – das möchte ich vermeiden. Ich möchte, dass die Menschen meine inneren Werte wahrnehmen und in erster Linie darauf achten“, sagt Yasmin. Quelle

Frau mit Hijab

Verschleierung – Zeichen der Unterdrückung oder der Selbstbestimmung?
Foto: Foto: flickr – Taufiq Aizuddin – CC by 2.0

„Die Pille ist bedeutend für die sexuelle Befreiung der Frau“, sagen ihre Verfechterin. „Warum soll ich mir Hormone einwerfen und womöglich noch lebensgefährliche Nebenwirkungen riskieren, nur damit er keine Kondome benutzen muss?“, fragen ihre Gegnerinnen.

Die einen halten Taylor Swifts Video zu „Bad Blood“ und ihre Girl Gang als „a pack of girl power perfection“. Quelle Miley Cyrus sah das ein bisschen anders: “I don’t get the violence revenge thing. That’s supposed to be a good example? And I’m a bad role model because I’m running around with my titties out? I’m not sure how titties are worse than guns.” Quelle (Und ich fange an, Miley Cyrus echt zu mögen.)

„Eine Frau muss auch mit Baby Karriere machen!“, sagt der „moderne“ Teil unserer Gesellschaft. „Weibliche Selbstbestimmung kann eben auch bedeuten, sich für Kinder und Familie und gegebenenfalls gegen eine Karriere entscheiden zu dürfen, ohne deswegen verurteilt und abgestempelt zu werden“, sagen Helena und Noémi bei Edition F. Quelle

elegantes Ehepaar

Foto: Unsplash/Nathan Walker

„Sie habe in den Jahren auf der Park Avenue gelernt, dass solche Geld-Gattinnen letztlich nur den Status einer finanziell ausgehaltenen Geliebten hätten, sie seien abhängig und machtlos“, kritisiert Wednesday Martin, die Autorin von „Primates of Park Avenue“, den „Wife-Bonus“. Quelle  „The wife is doing a significant amount of work to keep the family running, and she deserves her equal share of the family income“, verteidigt Shane Ferro den „Wife-Bonus“, „Running a household is a job. It’s time women were compensated for it.“ Quelle

Manche Frauen sagen, dass Männer keine Feministen sein können. So beobachtete Janice Erlbaum: „Es stellte sich heraus, dass die meisten der Männer, die ich persönlich kenne und ein großes Ding daraus machten, sich als Feminist zu identifizieren, entweder Date Rapists waren, Mütterfetishisten (sic!), süchtig nach Pornographie, oder als „Papa Bär“ ihre frustrierten, pseudoväterlichen Neigungen Frauen aufdrängten.“ Quelle Emma Watson forderte in ihrer #HeForShe-Kampagne explizit, dass Feminismus die Emanzipation der Männer braucht. Quelle

weiße und schwarze Frau

Wie alles auf der Welt hat auch der Feminismus mehr als nur ein Gesicht.
Foto: Unsplash/Shamin Nakhai

Was ist also Feminismus? Wo fängt er an? Wo hört er auf? Was sind seine Ziele? Konsens gibt es, wie so oft, keinen – nicht mal innerhalb der Gruppe.
Und doch, will der Feminismus nicht am Ende nur eines? Ich lehne mich weit aus dem Fenster und sage: Feminismus ist, wenn jeder Mensch der Welt das gleiche Recht auf Glück hat.
Oder ist das kein Feminismus, sondern einfach nur der Kategorische Imperativ?
Ach, vielleicht habe ich mich vor lauter Utopismus auch zu weit hinaus gelehnt und stürze weit, weit in die fantastischen Tiefen des Idealismus.

Dieser Beitrag erschien in der Ausgabe „#1 Neu“ des No Robots Magazines. Lies hier kostenlos das komplette Magazin!

Titelbild: Pexels.com

Larissa//No Robots Magazine

Larissa ist die Chefin des No Robots Magazines. Sie ist 32 Jahre alt und lebt mit Mann und Kind in München.

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