Familie

Die Sache mit den Geschenken für Kinder

Veröffentlicht am 16.12.2019 von

Kind vorm Weihnachtsbaum

Neulich echauffierte ich mich darüber, wie unsinnig Weihnachtsgeschenke an Erwachsene sind. Nun denkst du dir sicher: Diese minimalistische Ökomutti schenkt ihren Kindern sicher nur warme Wollunterhosen und Lieder über den Weltfrieden.
Nun, Lieder über den Weltfrieden gibt es hier immer (genau wie jede Menge Radau). Auf die Wollunterhosen verzichten wir allerdings. Ja, was soll ich sagen? In der Tat finde ich Geschenke für Kinder sogar enorm wichtig! Deswegen gebe ich dir hier: Zwei gute Gründe, warum Kinder Geschenke bekommen sollten – und ein guter Grund dagegen.

Pro: Der mysthische Aspekt – Zauber der Kindheit

Ein ehemaliger Kollege erzählte einmal von seinen Kindheitsweihnachtserinnerungen. Er berichtete, wie er in einem alten Haus wohnte und sein Vater jedes Jahr ein großes Spektakel veranstaltete, in dem er Treffen mit den Weihnachtselfen im Keller inszenierte. Vielleicht lag’s am Glühwein, aber wahrscheinlich doch eher an der Schönheit der Erinnerung: Mein Kollege strahlte bei der Erzählung. Denn eins vergessen wir Erwachsenen in diesen kalten, düsteren Tagen, in Sorgen um Mietpreise und Klimawandel viel zu oft: Der Kindheit wohnt ein Zauber inne. So sollte es zumindest sein. Und es ist unsere verdammte Aufgabe als Eltern, dafür zu sorgen.

Erinnerst du dich noch an deine Kindheitsweihnachten? An die Wünsche, die Hoffnungen auf das Ersehnte? Die Träume, was unterm Baum liegen könnte? An die Aufregung am Weihnachtstag? Das dolle Kribbeln im Bauch, die Füße, die nicht stillstehen wollten? Das Erstaunen darüber, dass das Christkind gerade eben aus dem Fenster davon geflogen ist? Dieser ganz besondere Zauber, den es nur an einem Tag im Jahr gab? Ich fühle es noch heute: Das Aufreißen des Geschenkpapiers. Das Aufbauen des Ponyhofs. Das erste Spielen. Die Vorfreude auf alles, was man damit noch erleben wird. Der nächste Morgen, wenn man erst richtig die Ruhe hat, um alles auszuprobieren.
Das Bangen und das Hoffen, ja, vor allem das Hoffen, gehört zu jeder Kindheit. Abgeklärt und entzaubert werden sie noch früh genug. Schenken wir ihnen ein bisschen Zauber. Und, nein, keine Zeit mit den Eltern. Denn Zeit mit den Eltern sollten Kinder immer bekommen, nicht nur an Weihnachten.
Und komm mir bloß nicht damit, dass man Kinder nicht anlügen sollte, weil es doch weder Weihnachtsmann noch Christkind gibt. Ersparen wir unseren Kindern wenigstens für einen kurzen Moment den harten Boden der Tatsachen. Sie prallen noch oft genug darauf.

Kind mit Wunderkerze

Und schenken wir ihnen nichts „Praktisches“. Ja, ich verstehe das. Gerade Familien, die wenig geben können, versuchen es quantitativ mit Sinnvollem auszugleichen, wenn das Geld schon nicht für große Überraschungen reicht. Aber ich glaube, ein Kind freut sich trotzdem mehr darüber, wenn nur ein Herzensgeschenk unterm Baum liegt, als wenn sich unter den anderen Papierhüllen Dinge verbergen, die es für selbstverständlich nimmt.

Pro: Der pädagogische Aspekt – Weihnachtsgeschenke als Währung

„Na, dann geh in die Arbeit und kauf dir Geld!“, sagt mein Sohn gerne, wenn er etwas möchte und ich sage, dass wir dafür kein Geld haben. Er ist vier Jahre alt. Wie soll er auch verstehen, wie Geldwirtschaft funktioniert? Bis vor etwa einem Jahr war es für ihn selbstverständlich, dass Dinge einfach ins Haus flattern. Und irgendwann kam dann auch die Zeit, in der Dinge lautstark mit „Ich will das jetzt haben!“ eingefordert wurden. Nun ist es ja aber nun mal so, dass Dinge nur ins Haus geflattert kommen, wenn das Christkind oder Geburtstagsgäste vorbeischauen. Und das ist leider nur zweimal im Jahr.
Nein, mein Kind versteht noch nicht, dass man arbeiten muss, damit man sich etwas kaufen kann. Aber es versteht, dass man warten muss. Seine Währung ist Zeit. Und ich finde, auch kleine Kinder sollten lernen, dass Dinge einen Wert haben, dass man sich nicht alles kaufen kann und dass man auch nicht alles sofort ersetzen kann, wenn es kaputt gegangen ist. Und deswegen finde ich es pädagogisch wichtig, auf das Konzept „Weihnachtsgeschenke“ zu beharren, statt die Dinge einfach übers Jahr verteilt zu kaufen.

Weihnachtsgeschenke für Kinder

Contra: Wenn alles aus dem Ruder läuft

Ja, ich finde Weihnachtsgeschenke für Kinder wichtig. Und obwohl ich selbst eher minimalistisch und konsumkritisch eingestellt bin, widerspreche ich hier denjenigen, die das auf ihre Kinder übertragen. Aber ganz ohne Konsumkritik geht es dann doch nicht. Denn leider boomt der Weihnachtswahnsinn jedes Jahr ein wenig mehr. Das fängt schon im Oktober an, wenn die Adventskalender im Supermarkt wie Pilze aus dem Boden schießen. (Jetzt mal ehrlich: Wer braucht Adventskalender im Oktober?) Als liebende Mutter bastelt man diesen natürlich selbst. Doch mit dem nächtlichen Bastelstress (wann soll man sonst Zeit dafür haben?) kommt die Frage: Was kommt in das Ding nun rein? Zur Auswahl stehen: a) Süßigkeiten (will die sorgsame Mutter nicht) b) billiger Schrott (sollte die achtsame Mutter nicht) c) wertvolle „Kleinigkeiten“. Aber wer schon mal eine schöne Kleinigkeit für Kinder gesucht hat, der merkt schnell: Außer den obligatorischen Mini-Büchlein landet man schnell bei einem Preisrahmen von 3-6 Euro. Mal vierundzwanzig. So kommt es, dass die Kinder schon vor Heiligabend übersättigt sind (vierundzwanzig neue Bücher!). Und die Eltern arm.

Wahnsinn Weihnachtsgeschenke
Wenn die Weihnachtsgeschenke für Kinder überhand nehmen

Ach, aber natürlich wollen die Eltern ihren Liebsten etwas Schönes schenken. Wer will das nicht? Und dann ist da ja noch die liebe Verwandschaft; die möchte auch was geben. Wer könnte es ihr verbieten? Und so kommt es, dass schon Einjährige eine komplette Lego-Ausstattung, eine Musikbox mit Hörspiel-Sammlung, ein ferngesteuertes Auto und drei Rutscheautos besitzen. Gewinn für das Kind? Null. Es kann mit dem Kram nichts anfangen. Und was soll es sich dann noch wünschen, wenn es schon alles hat? Gewinn für die Eltern? Ebenfalls null. Sie sind jetzt arm und versinken im Kram.
Ja, Zauber gehört zu einer glücklichen Kindheit. Aber in unnützem Zeug zu versinken ist ein fieser Voodoo-Trick. Deswegen gibt es von uns dieses Jahr nur zwei Geschenke pro Kind und jeweils ein Geschenk von den nächsten Verwandten. Sofern diese sich dran halten.

Wie handhabt ihr das mit den Kindergeschenken bei dir zu Hause?

Fotos: Unsplash

Larissa//No Robots Magazine

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