Leben

Die Sache mit den Geschenken (unter Erwachsenen)

Veröffentlicht am 06.12.2019 von

Weihnachtsgeschenk

Weihnachten steht an. Eine gute Gelegenheit, um über den gold verzierten Weihnachtstellerrand nach Argentinien zu gucken. Dort feierte Fußball-Star Lionel Messi 2017 seine Hochzeit. Und weil er der Meinung war, dass er schon alles besitzt, was man so besitzen kann, wünschte er sich von seinen Gästen Spenden für seine Stiftung statt Geschenke.

Und nun wird auch hier wieder reihum gefragt: Was wünschst du dir eigentlich? Wie jedes Jahr stehen wir vor der Frage: Was legen wir nur unter den Weihnachtsbaum? Worüber würde sich der andere freuen? Was braucht er? Was wünscht er sich? Weil uns oft die Antworten fehlen, fragen wir nach. Oder andersrum: Wir fragen nach, weil uns auch für uns selbst die Antworten fehlen. Was wünsche ich mir eigentlich? Denn diese Frage ist nicht zu unterschätzen. Denn die Antwort ist oft genug eine direkte Bestellung an den Weihnachtsmann.

Also, was wünsche ich mir dieses Jahr? Ganz einfach: nichts. Genauso wie letztes Jahr und das Jahr davor und das Jahr davor. Bis vor einigen Jahren machte ich mir noch lange Gedanken, was ich dem mir Angegrauten schenken könnte. Und er sich vielleicht auch im Gegenzug. Was kam dabei raus? Ich schenkte ihm eine CD/ein Buch/eine DVD. Er schenkte mir eine CD/ein Buch/eine DVD. Und oft genug lagen wir damit daneben. Bis wir uns irgendwann fragten: Was soll das überhaupt? Wir fanden darauf keine Antwort. Also ließen wir es sein.

Gucken wir uns die Sachen mit den Geschenke unter Erwachsenen doch mal genauer an. Im Grunde kann man sie in sechs Kategorien einordnen:

  1. Gut durchdachte, liebevoll ausgewählte und originelle Geschenke, die begeistern
  2. Liebevoll ausgewählte und originelle Geschenke, die sehr schnell in der Ecke stehen und verstauben
  3. Mittelpreisige All-Time-Classics wie z. B. Bücher
  4. Praktische Geschenke
  5. Luxus-Geschenke
  6. Geld
Statt Geschenke: sei nett zu deinen Mitmenschen

Sicherlich freut sich jeder über ein tolles, individuelles Geschenk

… dummerweise liegen die Chancen ziemlich hoch, dass man doch nicht ganz das Richtige erwischt und in Kategorie 2 landet. Dumm gelaufen.
Wem also die zündende Idee oder einfach der absolute Geschenke-Instinkt fehlt (und beides fehlt doch ziemlich oft), der greift gerne zu Geschenken der Kategorie 3 oder 4. Mit ein bisschen Glück liegt man mit dem klassischen Buch-Geschenk richtig und erwischt ein Exemplar, mit dem man dem Beschenkten noch überraschen und begeistern kann. Ja, sicher gibt es da draußen viele Geschenke-Partner, die so ihre besten Geheimtipps der Literaturwelt austauschen. Dagegen ist definitiv nichts einzuwenden. Oft landet man dann aber doch bei einem Buch, das der andere bereits auf seiner Lese-Wunschliste hat. Und da muss ich dann wohl sagen: Bevor ich ein ganzes Jahr warte, um das Buch zu lesen, das mich gerade interessiert, kaufe ich es mir doch lieber gleich selbst. Genauso sieht es mit anderen Dingen aus, die ich gerne hätte und die mich kein Vermögen kosten würden. Sofern jemand gerade nicht wirklich unter Armut leidet (und dem man daher wirklich und aufrichtig eine Freude machen kann), sehe ich keinen Grund, jemandem etwas zu schenken, damit er Geld spart. Womit wir bei Kategorie 4 wären: Wer freut sich schon über Socken und Nasenhaarentferner zu Weihnachten?! Und überhaupt: Versinken wir nicht sowieso schon in Kram und Dingen, von denen wir kurzfristig dachten, dass wir sie brauchen und die jetzt einfach nur unsere Schränke und unser Leben verstopfen?

Jetzt sollte man also meinen, dass Luxus-Geschenke der absolute Burner sind

Werden ja auch gerne verschenkt. Jedes Jahr liegen Tausende Smartphones unterm Baum. Und ja, in Zeiten, in denen ein popeliger Adventskalender bereits 50 Euro und mehr kosten kann, muss man zum Show-Down natürlich auch liefern – im wahrsten Sinne des Wortes. Mir persönlich ist es allerdings eher peinlich, dass jemand viel Geld für etwas ausgibt, für das ich selbst zu geizig bin. Und wenn ich so scharf darauf bin, dass ich es unbedingt haben will, koste es, was es wolle, wären wir wieder bei dem Thema: Warum soll ich bis Weihnachten darauf warten?
Nun und irgendwann kommen gerade Liebespaare meist zu dem Punkt, an dem sie sich nur noch Sachen schenken, die der andere sich ausdrücklich gewünscht hat. Also anstatt, dass ich mir das ersehnte Teil für 100 Euro kaufe, gebe ich 100 Euro aus, um das ersehnte Teil für den anderen zu kaufen – und liege damit am Ende schlimmstenfalls noch falsch!
Über Geld-Geschenke müssen wir an dieser Stelle wohl gar nicht mehr sprechen: Geld-Geschenke sind grundsätzlich nur okay, wenn der Beschenkte selbst kein Geld hat. (Oder zu Hochzeiten, um zu verhindern, dass das Brautpaar einen Berg Geschenke der Kategorie 2 erhält.)

Statt Weihnachtsgeschenk: Spenden

Geben wir es doch denen, die es brauchen

Dachte sich also Lionel Messi bei seiner Hochzeit und bat um Spenden. So kamen am Ende 9.562 Euro zusammen. Eine stolze Summe? Von wegen! Umgerechnet gaben seine 260 stinkreichen Gäste gerade mal knapp 37 Euro pro Person! (Quelle) Also, ich weiß ja nicht, was ihr so für Hochzeiten ausgebt, aber wir legen üblicherweise mehr hin. Daraus ziehe ich zwei Schlüsse: a) Superreiche sind supergeizige Idioten. Was ich nur bedingt für richtig halte. Denn ich bin mir sicher, dass die ausgegebene Summe ganz anderes ausgesehen hätte, hätte sich Messi stattdessen mit Gold und Juwelen beschenken lassen. Ich tippe also eher auf: b) Beim Schenken geht es ziemlich oft kein bisschen darum, dem anderen eine Freude zu machen. Es geht in vielen, vielleicht sogar den meisten Fällen ums Prinzip. Es geht ums Prestige und ums Gesehen-werden. Nein, Schatzi muss das neue iPhone für 1000 Euro bekommen, selbst wenn es letztes Jahr bereits ein iPhone gab und die kleine Vase für 10 Euro vom Trödel Schatzi vielleicht viel mehr erfreut hätte. Oder eine Ich-brauch-nichts-Spende für wohltätige Zwecke (ein paar Vorschläge hätte ich dazu hier).
Okay, vielleicht bin ich zu hart. Ich bin mir sicher, ihr wollt euren Liebsten wirklich eine Freude machen. Aber jetzt reden wir mal ganz offen: Wie oft bekommt ihr Geschenke, über die ihr euch von Herzen freut? Und wie oft bekommt ihr etwas, dass ihr euch sonst selbst gekauft hättet … oder etwas, das rumsteht, aber nicht entsorgt werden kann, weil ihr es geschenkt bekommen habt? Und wie oft verschenkt ihr selbst Geschenke, die absolut ins Schwarze treffen? Na?
Und jetzt frage ich noch mal: Was wünschst du dir zu Weihnachten?

Fotos: Unsplash

Larissa//No Robots Magazine

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