Braut im Wasser

Ein Ring, ihn zu binden

Brautpaar bei der Hochzeit
Foto: Pexels.com

Eine Hochzeit, das ist heutzutage keine einfache Entscheidung mehr. Es ist ein Event.
So eine Hochzeit, die muss von der ersten Sekunde an perfekt sein. Ja, das beginnt ja schon bei dem Antrag. Wo früher noch ein „Sollen wir vielleicht heiraten?“ gereicht hätte, ach, vielleicht sogar ganz ohne Antrag, einfach eine einvernehmliche Entscheidung, nein, da muss heute schon was Aufwendigeres her.

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Und dann erst der große Tag. Nein, Moment, meistens sind es ja zwei große Tage: Erst auf’s Standesamt und später (teilweise viel später, Jahre später) dann noch die echte Hochzeit, die mit der Kirche und dem weißen Kleid und alles. Dafür blättern Deutsche gut und gerne um die 6.500 Euro hin (durchschnittlich – in München kann man allein für Essen und Lokalität ohne großen Luxus schon 10.000 Euro hinlegen). Es soll ja schließlich der schönste Tag des Lebens werden. Selbstverständlich heiratet man nur ein Mal.
Aber die Deutschen sind da ja durchaus noch bescheiden. In den USA gibt’s dazu noch Verlobungsfeiern, Rehearsals, gefühlte 10.000 Brautjungfern, alle im gleichen Kleid und Flitterwochen auf dem Mond obendrauf.
Ist das nur ein vages Gefühl oder sind Hochzeiten trendiger denn je?
Ständig gibt es Gerüchte und Überlegungen. Heiraten Liam und Miley jetzt doch noch? OMG, wann fragt er mich endlich?
Es gibt unzählige Brautmodengeschäfte, Hochzeitsmagazine, Hochzeitsbücher und natürlich Hochzeitsblogs. Hochszeits-DJs, Hochzeitssäle, Hochzeitsfotografen, Hochzeitstorten, Hochzeitsfriseure und bestimmt auch gemietete Blumenkinder.
Es scheint, desto gewöhnlicher es wird, nicht zu heiraten, desto aufwendiger muss es dann auch sein, wenn man es tut.
Aber, hey, all in the name of love.

„Also, aus Liebe heiraten die mal nicht!“

Die Ehe ist längt kein Muss mehr. Kann man machen, man kann es aber auch lassen. Das bleibt jedem Paar heute selbst überlassen und es erwachsen sich kaum Vor- oder Nachteile daraus. „Wilde Ehen“ sind gesellschaftlich akzeptiert und vollkommen normal.
Grundsätzlich. Dennoch müssen Paare sich nach einer gewissen Zeit doch die üblichen „Wann heiratet ihr denn endlich?“-Fragen, bis hin zu „Macht doch endlich mal einen Deckel auf den Topf“-Vorwürfen gefallen lassen. Wer sich liebt, der muss auch unter die Haube. Einen „Knoten knüpfen“, wie man im Englischen schön sagt. Es verbindlich machen. Was spricht denn dagegen?
Dagegen sind ja oft die Männer, die das ganze Tamtam nicht brauchen – während die Frauen sehnsüchtig auf Ring und Rosenblätter und Kniefall warten und von der Prinzessinnenhochzeit träumen.
Dabei gibt es ja auch einige gute Gründe dafür: Kinder, Aufenthaltsgenehmigung, Steuern, der Glaube an das Sakrament der Ehe, Vorteile bei der Arbeitssuche (zum Beispiel bei Lehrern, die damit mehr Chancen auf ihren Wunscharbeitsort haben).
Der einzige anerkannte Grund scheint aber weiterhin die Liebe zu sein.

Ringtausch bei der Hochzeit
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Ein Ring ihn zu binden

Etwas über ein Jahr bin ich nun schon verheiratet. Geändert hat sich seitdem … nichts. Und ich schäme mich nicht, es zu sagen: Wir haben nicht aus Liebe geheiratet.
Was natürlich nicht bedeutet, dass wir uns nicht lieben. Aber wofür das ganze Tamtam?, sagten wir uns. Macht endlich einen Deckel auf den Topf, sagten sie. Und übersahen, dass wir das schon längst getan haben. In unseren Herzen schon vor vielen Jahren. Verbindlicher wurde es, als ich für ihn nach München gegangen bin. Als wir unsere Möbel in eine gemeinsame Wohnung stellten – und gemeinsame Besitztümer kauften. Und spätestens als wir sagten: Lass uns ein Kind bekommen.
Macht einen Deckel auf den Topf. Heißt übersetzt: Steck ihm einen Ring an, damit er gebunden ist. Die Scheidungsrate ist hoch, klar, aber Scheiden ist nervig. Da hält man es lieber doch noch eine Weile aus. Romantisch ist das nicht.
Es gibt viele Gründe noch zu bleiben, obwohl die Liebe schon lange nicht mehr reicht – gemeinsame Kinder, gemeinsamer Besitz, Ehepapiere oder einfach nur der Stress, sich eine andere Wohnung suchen zu müssen. Nein, geben wir es doch zu: Verbindlichkeit ist kein Freund der Romantik. Findet man wahre Romantik am Ende nicht viel eher dort, wo es keinerlei Verbindung gibt? Dort, wo die Herzen frei in der Luft hängen, jederzeit aufbruchsbereit? Dort, wo es keinen Halt gibt als die Liebe?

Dieser Beitrag erschien in der Ausgabe „#1 Neu“ des No Robots Magazines. Lies hier kostenlos das komplette Magazin!

Titelbild: Pexels.com

Larissa//No Robots Magazine

Larissa ist die Chefin des No Robots Magazines. Sie ist 32 Jahre alt und lebt mit Mann und Kind in München.

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