Braut im Wasser
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Ein Ring, ihn zu binden

Brautpaar bei der Hochzeit

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Eine Hochzeit, das ist heutzutage keine einfache Entscheidung mehr. Es ist ein Event.
So eine Hochzeit, die muss von der ersten Sekunde an perfekt sein. Ja, das beginnt ja schon bei dem Antrag. Wo früher noch ein „Sollen wir vielleicht heiraten?“ gereicht hätte, ach, vielleicht sogar ganz ohne Antrag, einfach eine einvernehmliche Entscheidung, nein, da muss heute schon was Aufwendigeres her.

Kurze Umfrage: Wer wird bei diesem Video sentimental und wer bekommt Würgereiz?

Und dann erst der große Tag. Nein, Moment, meistens sind es ja zwei große Tage: Erst auf’s Standesamt und später (teilweise viel später, Jahre später) dann noch die echte Hochzeit, die mit der Kirche und dem weißen Kleid und alles. Dafür blättern Deutsche gut und gerne um die 6.500 Euro hin (durchschnittlich – in München kann man allein für Essen und Lokalität ohne großen Luxus schon 10.000 Euro hinlegen). Es soll ja schließlich der schönste Tag des Lebens werden. Selbstverständlich heiratet man nur ein Mal.
Aber die Deutschen sind da ja durchaus noch bescheiden. In den USA gibt’s dazu noch Verlobungsfeiern, Rehearsals, gefühlte 10.000 Brautjungfern, alle im gleichen Kleid und Flitterwochen auf dem Mond obendrauf.
Ist das nur ein vages Gefühl oder sind Hochzeiten trendiger denn je?
Ständig gibt es Gerüchte und Überlegungen. Heiraten Liam und Miley jetzt doch noch? OMG, wann fragt er mich endlich?
Es gibt unzählige Brautmodengeschäfte, Hochzeitsmagazine, Hochzeitsbücher und natürlich Hochzeitsblogs. Hochszeits-DJs, Hochzeitssäle, Hochzeitsfotografen, Hochzeitstorten, Hochzeitsfriseure und bestimmt auch gemietete Blumenkinder.
Es scheint, desto gewöhnlicher es wird, nicht zu heiraten, desto aufwendiger muss es dann auch sein, wenn man es tut.
Aber, hey, all in the name of love.

„Also, aus Liebe heiraten die mal nicht!“

Die Ehe ist längt kein Muss mehr. Kann man machen, man kann es aber auch lassen. Das bleibt jedem Paar heute selbst überlassen und es erwachsen sich kaum Vor- oder Nachteile daraus. „Wilde Ehen“ sind gesellschaftlich akzeptiert und vollkommen normal.
Grundsätzlich. Dennoch müssen Paare sich nach einer gewissen Zeit doch die üblichen „Wann heiratet ihr denn endlich?“-Fragen, bis hin zu „Macht doch endlich mal einen Deckel auf den Topf“-Vorwürfen gefallen lassen. Wer sich liebt, der muss auch unter die Haube. Einen „Knoten knüpfen“, wie man im Englischen schön sagt. Es verbindlich machen. Was spricht denn dagegen?
Dagegen sind ja oft die Männer, die das ganze Tamtam nicht brauchen – während die Frauen sehnsüchtig auf Ring und Rosenblätter und Kniefall warten und von der Prinzessinnenhochzeit träumen.
Dabei gibt es ja auch einige gute Gründe dafür: Kinder, Aufenthaltsgenehmigung, Steuern, der Glaube an das Sakrament der Ehe, Vorteile bei der Arbeitssuche (zum Beispiel bei Lehrern, die damit mehr Chancen auf ihren Wunscharbeitsort haben).
Der einzige anerkannte Grund scheint aber weiterhin die Liebe zu sein.

Ringtausch bei der Hochzeit

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Ein Ring ihn zu binden

Etwas über ein Jahr bin ich nun schon verheiratet. Geändert hat sich seitdem … nichts. Und ich schäme mich nicht, es zu sagen: Wir haben nicht aus Liebe geheiratet.
Was natürlich nicht bedeutet, dass wir uns nicht lieben. Aber wofür das ganze Tamtam?, sagten wir uns. Macht endlich einen Deckel auf den Topf, sagten sie. Und übersahen, dass wir das schon längst getan haben. In unseren Herzen schon vor vielen Jahren. Verbindlicher wurde es, als ich für ihn nach München gegangen bin. Als wir unsere Möbel in eine gemeinsame Wohnung stellten – und gemeinsame Besitztümer kauften. Und spätestens als wir sagten: Lass uns ein Kind bekommen.
Macht einen Deckel auf den Topf. Heißt übersetzt: Steck ihm einen Ring an, damit er gebunden ist. Die Scheidungsrate ist hoch, klar, aber Scheiden ist nervig. Da hält man es lieber doch noch eine Weile aus. Romantisch ist das nicht.
Es gibt viele Gründe noch zu bleiben, obwohl die Liebe schon lange nicht mehr reicht – gemeinsame Kinder, gemeinsamer Besitz, Ehepapiere oder einfach nur der Stress, sich eine andere Wohnung suchen zu müssen. Nein, geben wir es doch zu: Verbindlichkeit ist kein Freund der Romantik. Findet man wahre Romantik am Ende nicht viel eher dort, wo es keinerlei Verbindung gibt? Dort, wo die Herzen frei in der Luft hängen, jederzeit aufbruchsbereit? Dort, wo es keinen Halt gibt als die Liebe?

Dieser Beitrag erschien in der Ausgabe „#1 Neu“ des No Robots Magazines. Lies hier kostenlos das komplette Magazin!

Titelbild: Pexels.com

Larissa//No Robots Magazine

Larissa ist die Chefin des No Robots Magazines. Sie ist 31 Jahre alt und lebt mit Mann und Kind in München.

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9 Kommentare

  1. Einerseits finde ich deinen letzten Satz sehr schön formuliert und sehe das auch so – man braucht für die Liebe kein rechtliches Dokument und die Herzen haben sich schon vorher gefunden. Andererseits finde ich es auch romantsich, wenn sich zwei Menschen, die öfter ja auch schon mehr oder weniger lange zusammen sind- und somit ja auch einen Alltagstrott haben – nochmal ganz bewusst ihre Liebe versprechen. Und dann ist die Ehe halt auch ganz nüchtern betrachtet eine Wirtschaftsgemeinschaft – die vieles einfacher regeln lässt, vor allem – wenn es schief läuft, wie zB bei einer Trennung mit Kindern, gemeinsamer Immobilie etc. Womit die „wilde Ehe“ schon wieder romantischer wirkt. Gerade wird die erste Ehe in meinem Freundeskreis geschieden, bei der ich auch auf der Hochzeit war…muss öfter an den Tag zurück denken…irgendwie traurig…aber auch tröstlich für mich, dass man gute Freunde im Leben durch tolle Tage und dann auch durch schlimme Phasen begleiten kann…Liebeskummer ist auch immer scheiße – egal ob vorher verheiratet oder nicht 😉

  2. Ich bin seit 2007 verheiratet….vor meiner eigenen Hochzeit bin ich noch nicht so auf Hochzeiten gewesen. irgendwie haben wir zu früh geheiratet, um da irgendwie einen Trend mitzukriegen. Wir haben aus Liebe geheiratet. Wir haben uns da aber auch nicht so viele Gedanken gemacht. Er hat mich gefragt, ich habe ja gesagt und zack – fertig waren wir. Standesamt zu viert, Kirchlich 9 Tage später im Herzen unseres Viertels – ja, die evangelische Backsteinkirche im Westend. Wir haben gefeiert und uns wohl gefühlt. Ich glaube, heiraten ist nix für das Paar – es ist ein gesellschaftlicher Akt, bei dem sich die anderen sicher sind, dass der Typ bleibt. Die Leute gucken immer so auf sich – ein ziemlich egozentrisches Weltbild. Klar, für einen persönlich sollte sich durch so eine Hochzeit auch nix ändern. Typ war vorher gut, Typ sollte auch nachher gut sein. Aber für den Vater, die Mutter, die Schwester, die beste Freundin – da ist Heiraten die Ansage, dass man sich den Namen des Typen merken sollte. Dass ist der, der bleibt. Von dem man sich wünscht, dass er bleibt. Wie auch immer du es ausdrückst – es ist ein öffentliches Bekenntnis und das ändert die Öffentlichkeit.

  3. Also ich weiß ja nicht recht… Uns hat von außen niemand unter Druck gesetzt. Und ich glaube wenn, dann sind es maximal Leute aus der Elterngeneration. Ich war diejenige die so lange rumgenervt hat, bis Herr Eule mich endlich geheiratet hat. Und dabei ging es weder um Liebe (das geht ja auch ohne Hochzeit) nich darum ihn an mich zu binden (wenn das nötig wäre wär in der Beziehung eh was daneben), sondern um so langweiliges Zeug wie rechtliche Sachen. Was ist wenn einem von uns was passiert? Dann hat der andere keinerlei Absicherung oder Bestimmungsrecht.
    Hat was mit gegenseitiger Verantwortung zu tun. Klar, kann man auch alles super kompliziert mit Notar etc. regeln. Aber man kann auch einfach heiraten. Herr Eule und ich sind übrigens noch eine Stufe weiter in die Unromantik gegangen und haben einen Ehevertrag abgeschlossen.

    • Damit habt ihr ja einen Grund. Unserer war ja recht ähnlich. Bei uns ging es allerdings um bürokratischer Absicherung dem Kind gegenüber. Ich muss zugeben, dass ich das mit der Absicherung füreinander immer noch nicht verstanden habe. Wir sind da wohl einfach zu anders. Bei uns ist jeder für sich selbst verantwortlich.
      (Wir haben aber schon viele dumme Sprüche in den letzten Jahren gehört, wann wir endlich heiraten. Aus allen Generationen.)

  4. Ich kann deinen Text gut verstehen und habe da eine sehr ähnliche Einstellung zu. Ich dachte immer, ich werde nie heiraten, weil ich auch nicht das Bedürfnis dazu hatte. Jetzt habe ich dieses Jahr allerdings doch geheiratet. Und es war gut und richtig.
    Ich würde sogar behaupten, es geschah aus Liebe, denn ein anderer Grund fällt mir gerade nicht ein 😀 Weder bin ich schwanger, noch setzte uns irgendwer unter Druck. Wir saßen nur irgendwann zusammen aufm Sofa und fragten uns: „Warum eigentlich nicht?“ Da uns keine Gründe dagegen einfielen, aber mehrere dafür (vorallem: Party!) taten wir es dann. Geändert hat sich dadurch nichts, außer dem Ring am Finger und eine schöne gemeinsame Erinnerung mehr.
    Ich kann nur sagen: Wenn man sich das Tamtam spart und einfach eine tolle Party schmeißt bei der alle Spaß haben, dann spricht nichts dagegen zu heiraten, wenn man eh plant zusammen älter zu werden. 😉

    LG Lexa

    P.S.: Das Video löst eindeutig Würgereiz aus und keine Sentimentalität.

    • Wir haben sowohl auf die Ringe als auch auf die Party verzichtet. 😀 Aber ich habe auch irgendwann ein wenig das Gefühl bekommen, dass es sich besser anfühlen würde, verheiratet zu sein. Ich kam mir immer wie ein Teenager vor, wenn ich in offiziellen Situationen (z.B. bei der Wohnungssuche) von meinem „Freund“ reden musste. Mein Mann nennt mich allerdings immer noch seine „Freundin“ und hat mir glaubhaft erläutert, dass das eine ehrenhaftere Bezeichnung ist als „Frau“.
      In Sachen Party: In der Hochzeiten-Hochzeit (haha!) in unserem Freundeskreis habe ich allerdings schon eine regelrechte Hochzeitsallergie entwickelt. Party schön und gut, aber auch für mich als Gast bedeutete das immer super viel Stress (die lange Anfahrt!) und ich habe bei jeder Hochzeit gut und gerne 200 Euro gelassen (Anfahrt, Hotelübernachtungen, Geschenk). Das sind über 1000 Euro in den letzten Jahren – nur dafür, dass unsere Freunde ein amtliches Dokument mit ihren Partnern unterzeichnet haben. Als ich das gestern durchgerechnet habe hat mich das so schockiert, dass mir jede Lust darauf vergangen ist, unsere Hochzeit noch zu feiern.

        • Na ja, das ist ja relativ. Wenn jemand 500 Leute einlädt, dann kannst du vielleicht sagen, dass du keine Lust hast. Aber wenn ein dir nahe stehender Mensch dich auswählt, dass du an seiner Hochzeit teilnimmst, dann gehst du doch auch hin, auch wenn es stressig ist und kostspielig. Oder im Umkehrschluss: Würdest du es jemandem verzeihen, wenn er nicht zu deiner Hochzeit kommt, weil er keine Lust hat?

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