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Eine fremde Welt: Fußball und ich

Was weiß ich über Fußball? Nicht viel. Zwanzig Mann streiten sich um einen Ball, zwei passen auf, dass er nicht ins Netz geht. Es gibt jede Menge Teams – welches man anfeuert, ist aber weder von Lokalsympathie, noch Personal (wechselt ständig) oder Gewinnpotential (nur falsche Fans suchen sich ihren Verein danach aus) abhängig. Ein Mädchenkommentar zur Fußball-Weltmeisterschaft.

Meine erste „Begegnung“ mit Fußball hatte ich ungefähr im fünften Schuljahr, als ich aufgefordert wurde, im Streit „Bayern gegen Dortmund“ einen Standpunkt zu beziehen. Ich entschied mich für Bayern München, weil ich die Trikots schöner fand. Ich hatte keine Ahnung und es war mir egal.
1990 ist Deutschland in Italien Weltmeister geworden. Das weiß ich nicht, weil ich das aktiv miterlebt hätte (ich war damals fünf Jahre alt), das weiß ich nur dank dem Sportfreunde-Stiller-Hit, der mir die Zahlen 54, 74 und 90 auf Dauer eingeprägt hat. USA 1994? Frankreich 1998? Japan und Südkorea 2002? Keiner Erinnerung. Auch die WM im eigenen Land hat bei mir im Vorfeld wenig Interesse geweckt. Ich stand kurz vor meinem Auslandssemester in Schweden (die im Achtelfinale übrigens von uns rausgekickt wurden) und hatte ganz andere „Probleme“.

Fußball

Foto: Pexels.com

Sommer 2006, ein Sommermärchen, wie die Medien es erhofft hatten. Ich war im Frühling frisch in meine erste WG gezogen, fieberte meinem ersten langen Aufenthalt weit weg von zu Hause entgegen, traf meinen Freund – und plötzlich erging es mir wie fast allen in diesem Land: Ich kannte Namen wie Torsten Frings oder der „jungen Wilden“ Bastian Schweinsteiger oder Lukas Podolski, wurde ganz sentimental beim Klang der Nationalhymne (mehr dazu ein andermal) beobachtete im Hof des Unteren Schlosses in Siegen gebannt die Leinwand, sagte manchmal sogar „Ah!“ und „Oh!“. Fußball an sich war immer noch kein Deut interessanter. Aber man hatte das Gefühl, Teil von etwas Großem zu sein.
Acht Jahre später: Die WM findet am anderen Ende der Welt statt. In den Geschäften gibt es Nagellack in Schwarz-Rot-Gold, aber das kann man ausblenden. Keiner hat mich gefragt, ob ich bei seinem Tippspiel mitmachen will (gemein!). Ich glaube nicht, dass Deutschland den Pokal gewinnen wird (wir haben nur einen Stürmer!). Trotzdem freue ich mich auf das erste Spiel heute Abend. Freue mich auf die erwartungsvollen Gesichter im Abendlicht. Die Hoffnung in ihren Augen. Die Freude, falls wir ein Tor schießen werden. Das Gemeinschaftsgefühl. Die kurze Zeit, in der unser Land nicht einfach nur der Ort ist, an dem wir zufällig geboren wurden.

Und wer (wie ich) ständig mit Fußball-Fans zusammen ist, muss sich auch irgendwann entscheiden, um mitreden zu können. Dortmund. Weil ich im Herzen immer noch Westfale bin. Und weil sie mit Mats Hummels wenigstens einen gut aussehenden Mann in der Mannschaft haben.

Schönstes WM-Erlebnis: Deutschland gegen die Türkei 2006. Weil Deutsche und Türken so fröhlich miteinander gefeiert haben.

Bizarrster WM-Moment: Deutschlands grandioser Sieg im Viertelfinale gegen Argentinien 2010. Ich allein unter völlig Fremden in einem völlig fremden Café in einer völlig fremden Stadt, während ich auf meinen Freund und das Umzugsteam gewartet habe (das promt im Auto-Korso steckenblieb).

Fußball-Weltmeisterschaft 2014 Eine fremde Welt: Fußball und ich

Larissa//No Robots Magazine

Larissa ist die Chefin des No Robots Magazines. Sie ist 32 Jahre alt und lebt mit Mann und Kind in München.

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