Eine große Liebe: Skandinavien und ich

Die meisten Menschen, die ich kenne, lieben ein Land heiß und innig. Vielleicht das schöne Leben in Italien? Oder den französischen Charme? Mich zieht es in den hohen Norden. Und das ist eine längere Geschichte. Daher berichte ich euch heute über eine große Liebe: Skandinavien und ich.

Sommer 1992. Ich war entgeistert. „Mama, das kann nicht sein! Hier liegt ja Schnee! Und das in den Sommerferien!!!“ So hatte ich mir meine ersten großen Ferien nicht vorgestellt. Wer ist auf die Idee mit dem Roadtrip-Tour durch Norwegen gekommen? Das einzig Schöne war das Schaf, dass sie in das Wohnmobil verirrt hatte.
Frühling 2006. Ich war begeistert. „Mama, ich habe mich entschieden, ein Semester lang in Schweden zu studieren!“ – „Was, du?? Aber du hast doch immer gesagt, du hasst Skandinavien! Und das auch noch im Wintersemester? Wie konnte das passieren?“
Ja, wie konnte das passieren? In erster Linie lag es nur daran, dass ich keine Fremdsprache außer Englisch wirklich gut beherrschte. Und dass alle Plätze für England für die Lehramtsstudenten reserviert waren. Da blieb nur ein kleiner Ort in Schweden übrig: Skövde. Dass ich mit 20 auch ein bisschen in einen gewissen schwedischen Sänger verknallt war, spielte möglicherweise auch eine Rolle …

Also setzte ich mich in meinen kleinen Nissan Micra und fuhr los. Sechs Stunden Fahrt bis Kiel. Von da zur Fähre. Einige Stunden Fahrt durch Dänemark. Noch mal Fähre. Und dann schließlich: Schweden!
Und was soll ich sagen? Kaum hatten meine Reifen den schwedischen Asphalt berührt, war ich verliebt …

Skövde Schweden Eine große Liebe: Skandinavien und ich

Es war ein regennnasser Tag, ich hatte schon viele viele Stunden allein hinterm Steuer verbracht, überall nur dunkle Bäume, Bäume, Bäume, kein Haus in Sicht und dazwischen immer mal wieder ein „Vorsicht, Elch“-Schild. Ich hätte verrückt werden müssen. Wäre ich auch fast. Aber dann war da diese Faszination. Ich, mutterseelenallein auf der Straße. Um mich herum … keine Zivilisation. Wow! So etwas war mir völlig fremd.

Jag älskar Sverige!

Ich gebe zu, in den nächsten Monaten, die vor mir lagen, habe ich nicht alles geliebt. Skövde ist bei näherer Betrachtung schon ein ziemlich lahmes Kaff. Und der Alkoholkonsum der Schweden ist … gewöhnungsbedürftig, vor allem für jemanden, der kaum jemals trinkt wie mich. Und es ist kalt. Und windig. Und kalt. Und dunkel. Und ich eine echte Frostbeule.

Lysekil Eine große Liebe: Skandinavien und ich
Aber man kann sich nun mal nicht aussuchen, in wen man sich verliebt.
Ich liebte den unglaublich blauen Himmel. Ich lietbe die frische Luft. Dass ich aus meinem kleinen Wohnheim nur ein paar Minuten laufen musste und ich war mitten in der Natur. Ich liebte den Stil der Schweden. Ihre Freundlichkeit. Die Sprache, die immer ein bisschen lustig klingt. Das Kulturangebot – selbst in einem Kaff wie Skövde.
Und vor allem immer wieder: Diese Natur, die es so einfach in Deutschland nicht gibt. Die endlosen Wälder. Die Schotterwege, die auf den Karten als Straßen ausgezeichnet waren. Eine Handvoll Briefkästen am Wegesrand, die andeuten, dass irgendwo versteckt ein kleines Dörfchen sein muss.

Natur in Schweden Eine große Liebe: Skandinavien und ich

Stockholm vs. Göteborg

Und dann natürlich diese wundervollen Städte! Gibt es jemanden, der Stockholm nicht liebt? Obwohl ich persönlich noch verknallter in Göteborg bin – das Problem ist nur, dass man dort von Deutschland ohne Auto nicht wirklich hinkommt. Seufz!

Stockholm Eine große Liebe: Skandinavien und ich

Liebe auf Zeit

Der Dezember kam, das Semester war zuende. Ich musste nach Hause. Ein Teil von mir freute sich. Auf den Freund, natürlich. Auf deutsches Brot. Aber ein Teil von mir wollte bleiben.
Danach vergingen traurige vier Jahre, bis ich wieder in den Norden reisen durfte. Geschäftsreise! Woohoo! Dieses Mal besuchte ich Malmö und stellte fest, dass meine Schwedischkenntnisse nach all den ungenutzten Jahren zwar eingerostet, aber noch nicht abhanden gekommen waren.
Außerdem machte ich einen kleinen Abstecher nach Kopenhagen, lief herum, besuchte die Kleine Meerjungfrau, spazierte durch Christiana (was überhaupt nicht so gefährlich ist, wie manche Leute behaupten – man sollte nur die „Fotografieren verboten“-Schilder in bestimmten Straßen beachten). Und zerstörte mir das linke Sprunggelenk durch einen Ermüdungsbruch. Autsch. Wer sagt, dass Sightseeing kein Sport ist, der weiß nicht, was ich jetzt weiß!
Und wieder musste ich nach einigen Tagen nach Hause. Herzschmerz! Und … es kam noch schlimmer.

Kopenhagen Eine große Liebe: Skandinavien und ich

Norge, du er min hjerteknuser!

Nur drei Monate später stieg ich wieder in ein Flugzeug. Destination: Stavanger in Norwegen. Wieder eine Geschäftsreise. Ich Glückskind!
Die schlechten Erinnerungen vom Urlaub 1992? Vergessen! Spätestens beim Blick aus dem Fenster auf die norwegischen Berge, das Meer, die Fjorde. Kein Wunder, dass Slartibartfaß einen Preis dafür gewann … Schließlich musste ich mich korriegieren und einsehen, dass Schweden nicht das schönste Land der Welt ist, aber zumindest das zweitschönste nach Norwegen (sorry, Schweden!). Nach meiner kleinen, stereotypen Erfahrung ist Norwegen ein kleeeiin wenig weniger stylish als Schweden (aber immer noch High Fashion im Vergleich zu Deutschland), aber dafür ziemlich freakig. Schweden hat ihre perfekten Schweden-Pop, Norwegen hat die wirklich spannenden, außergewöhnlichen Bands (zum Beispiel Kaizers Orchestra, Grand Island, Major Parkinson und natürlich die berühmte Metal-Szene, mit der ich wenig anfangen kann, aber Kvelertak sind cool). Wer in einem kalten, zerklüfteten Land in den Bergen wohnt, muss vermutlich ein bisschen freaky werden. Gut so!
Da die Band, die ich gerne mag liebe verehre verdammtichfindekeinewortedafür zum Teil aus Stavanger kommt, war ich natürlich besonders von den Socken. Stavanger ist mal wieder nicht besonders groß, aber überaus charmant. Es hat eine hübsche kleine Altstadt neben dem Hafen und – typisch skandinavisch – an jeder Ecke super cooles Street Art. Ich konnte gar nicht mehr aufhören, mir jede Hauswand ganz genau anzusehen, weil man überall etwas Spannendes findet (mein Favorit: eine große Fabrikaußenwand voller Tiere – aber leider kein vernünftiges Foto davon).

Stavanger Eine große Liebe: Skandinavien und ich

Und dann sind da natürlich die Fjorde. Große Ausflüge in die norwegische Natur blieben mir bisher versagt, aber einen Trip mit der Fähre rüber zum Lysefjord habe ich mir dann doch gegönnt. Ich war mal wieder allein, habe auf der Fähre aber eine nette Französin getroffen. Zusammen sind wir dann durch dicksten Nebel hoch zum Preikestolen marschiert. Oben auf dem beliebtesten norwegischen Touristenziel trafen wir erstmal auch nur auf … Nebel. Und irgendwo dahinter ging es 600m steil in die Tiefe … Und schließlich wurde es aber sogar etwas klarer – woooaahhh!

Preikestolen Eine große Liebe: Skandinavien und ich

Leider ist Norwegen ja unfassbar teuer, weswegen für mich leider noch kein richtiger Urlaub dort drin war. Wer aber mal eben für ein paar Nächte nach Stavanger fliegen will und nicht zu viel Kohle hat, der sollte sich das Hostel St. Svithun angucken. Das ist vergleichsweise günstig (haha) und liegt halbwegs zentral – und ist Teil des Krankenhauses. Ihr wolltet im Urlaub doch bestimmt mal neben Frauen frühstücken, die die letzte Nacht im Kreißsaal verbracht haben, oder? 😉

Wer liebt Skandinavien genauso wie ich? Was sind eure Lieblingsorte?

Larissa//No Robots Magazine

Larissa ist die Chefin des No Robots Magazines. Sie ist 32 Jahre alt und lebt mit Mann und Kind in München.

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