Berge und Wald
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Ekelhafte Gutmenschen vs. Idioten

„Du bist ein ekelhafter Gutmensch.“ Wumms. Das hat mein Ex-Freund mir vor langer Zeit an den Kopf geworfen.
Das mit den Gutmenschen, das ist ja gerne die Standardantwort an alle, die sich irgendwie einsetzen. Aber was soll das eigentlich heißen? Ich persönlich störe mich an dem Begriff, aber wenn es schon eine Beleidigung sein soll, dann definieren wir sie doch so: Gutmenschen sind Typen, die gerne die Moralapostel raushängen lassen, selbst aber nichts ändern wollen.
Und da teilt sich die Welt scheinbar schon in zwei Lager auf. Die einen meckern gerne: „Das ist ja furchtbar, was die (!) mit den Küken machen!“ Und gehen danach zum Discounter und holen sich Billig-Geflügel im Sparpack. Den anderen ist gleich alles Wurscht. Die fahren gleich mit dem SUV zum Supermarkt um die Ecke, um teuren Kapsel-Kaffee zu kaufen.
Ich bin also nun ein „ekelhafter Gutmensch“. Stimmt schon, ich bin schon gerne ein ziemlicher Moralapostel. Und, verdammt, ich bin auch echt nicht perfekt. Da rede ich immer davon, dass wir die Welt besser machen müssen und dann das. Ich mache ganz schön viel falsch!

Natur unterm Sternenhimmel

Unsere Welt ist so wunderschön – sie soll es bitte auch noch eine Weile bleiben.
Foto: Pexels.com

Was ich alles mache, was ich nicht machen sollte:

  • Ich bin unfähig, Lebensmittel zu planen und schmeiße deswegen ganz schön viel weg
  • Ich wasche mir ständig die Hände
  • Ich kaufe wenig Second-Hand-Kleidung – und fast alles, was ich besitze, kommt von H&M
  • Unsere Möbel sind auch alle Neueinkäufe – von IKEA
  • Ich kaufe nicht immer Bio
  • Und manchmal kaufe ich sogar Einwegflaschen
  • Ich besitze die üblichen elektronischen Geräte: Laptop, Smartphone, Fernseher
  • Und benutze sie auch regelmäßig
  • Im Winter drehe ich die Heizung gerne mal ein Stückchen höher, weil ich sonst friere
  • Ich war noch in keinem Flüchtlingscamp, um vor Ort zu helfen
  • Und ich gehe ganz schön oft an den Bettlern vorbei, ohne ihnen was zu geben
  • Ich kaufe die billigste Milch (ja, eine Ausrede: aber die laktosefreie Milch ist leider sowieso schon so teuer!)

So. Da habt ihr’s. Ich bin nicht perfekt. War ich nicht, werde ich nie sein.
Aber wisst ihr was? Ich gebe mir trotzdem Mühe. Denn ich stehe dazu: Es liegt an uns, die Welt zu verbessern und nicht an „denen“. Der Verbraucher entscheidet und wenn man die Menschen schon nicht verändern kann, dann kann man wenigstens bei sich anfangen.

Blumen im Gegenlicht

Foto: Pexels.com

Was ich mache, um die Welt ein Stückchen besser zu machen

  • Wir besitzen kein Auto mehr. Wir hatten mal eins, aber das stand nur rum. Ey, wir wohnen in der Stadt – wir kommen fast überall mit den Öffentlichen hin
  • Ich achte auf Mülltrennung – und da können mir noch so viele erzählen, dass es Schwachsinn ist
  • Ich nehme praktisch nie eine Plastiktüte beim Einkaufen, auch nicht, wenn ich Kleidung kaufe – außer, ich kann es wirklich nicht anders tragen
  • Ich achte darauf, Geräte, die gerade nicht gebraucht werden, abzuschalten
  • Ich benutze Geräte, bis sie nicht mehr funktionieren (was ja leider viel zu schnell passiert) – ich brauche wirklich nicht jedes Jahr ein neues Smartphone
  • Natürlich gönne ich mir auch mal was Hübsches zum Anziehen, aber ich achte darauf, nichts zu kaufen, das ich nicht brauche
  • Ich miste regelmäßig aus und verschenke alte Sachen oder spende sie
  • In kalten Tagen bekommen auch die Bettler ein bisschen Geld von mir
  • Ich gebe mir große Mühe, immer freundlich zu Servicepersonal zu sein
  • Mein Kind trägt hauptsächlich Second Hand – er ist ein Baby, ist ihm doch egal, wie er aussieht
  • Im Zweifel nehme ich beim Einkauf die Ware, die weniger Verpackung hat
  • Ich esse kein Fleisch, außer ganz selten mal Fisch und dann nur aus nachhaltigem Fang
  • Ich kaufe nur Leder, wenn es notwendig ist
  • Ich kaufe nur Putzmittel von Frosch oder Denk Mit in der Hoffnung, dass sie wirklich etwas ökologischer sind als herkömmliche Mittel
  • Ich kaufe nur Make-up von Firmen, die keine Tierversuche betreiben
  • Ich neige dazu, Berge von Schmierpapier zu sammeln, weil man das ja immer noch mal benutzen kann
  • Ich töte nicht – auch keine Spinnen oder lästigen Fliegen – jedenfalls nicht, so lange ich mich nicht bedroht fühle
  • Im Winter friere ich zwar schnell, aber ich ziehe mich erstmal warm an, bevor ich die Heizung aufdrehe
  • Ich verzichte auf Geschenkpapier, wo ich nur kann

Das sind alles nur Kleinigkeiten? Stimmt. Manche bringt mich an meine Komfortzone, anderes ist ein Kinkerlitzchen. Und ich bin mir sicher, so kann jeder ein bisschen mithelfen, ohne gleich zum Superöko zu werden. Ja, vielleicht brauchst du ein Auto, da wo du lebst. Aber vielleicht kannst du dafür aus meinen Fehlern lernen und ein bisschen weniger Geld für Elektronik ausgeben und dafür öfter mal in Fair Trade oder anständige Milch-Preise investieren. Das ist vielleicht nur ein kleiner Schritt. Aber mit kleinen Schritten fängt es an.

Und wo gebt ihr euch Mühe und was bekommt ihr einfach nicht hin?

Larissa//No Robots Magazine

Larissa ist die Chefin des No Robots Magazines. Sie ist 32 Jahre alt und lebt mit Mann und Kind in München.

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2 Kommentare

  1. Christina

    Ein schöner Artikel zur Selbstberuhigung. Besonders, wenn man die Quantität der „Was ich schlecht mache“ mit der der „Was ich gut mache“-Liste vergleicht.
    Da fühlt man sich doch gleich besser. So als Autorin.

  2. Schöner Text. ich investiere in den Milchpreis, aber dort, wo ich lebe, gehört das schon zum guten Ton. Ich kaufe Eier vom Bauernhof nebenan. Das Hühnchen gleich mit. Ich kaufe sowieso sehr viel lokal. Und ich plane Essen. Trotzdem schmeiße ich auch weg. Essen, mein ich. In die Biotonne. Immer alles in die richtige Tonne, obwohl mein Mann findet, ich könnte noch besser werden – in der Mülltrennung, mein ich. Aber ich fahre mit dem Auto herum, mit einem Diesel. Der Bus kommt hier zweimal am Tag – du kennst das Problem. Ich kaufe bei H&M und ärgere mich über die Qualität. Und sehe fast schon an den Nähten, dass der, der dies genäht hat, das nicht zum Spaß macht. Ich nähe selbst. Kaufe aber Stoff, wenn er billig ist. So geht das immer weiter. Aber ich glaube auch, dass man bei sich anfangen muss.

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