Erzähl mir von deinem Auszug von Zuhause
Kommentare 0

Erzähl mir von deinem Auszug von Zuhause

Alle wollen vorwärts kommen. Zukunft, Kind, Karriereplan. Immer geht es um das Morgen. Aber wie war dein Leben denn, als du ein Kind warst? Wie war es denn als Teenager? Erzähl mal.

Larissa vom No Robots Magazine, Roxana vom early birdy und Sabine vom fadenvogel tauschen jeden ersten Sonntag im Monat Erinnerungsstücke aus. Ein Thema – drei unterschiedliche Texte, drei unterschiedliche Frauen, drei unterschiedliche Leben.

„Du hast ja gar keine Tür!”

Stimmt. Ich hatte gar keine Tür in meinem WG-Zimmer.

Aber beginnen wir am Anfang:

Eine WG zu suchen, wenn man von zu Hause auszieht, ist scheiße. Niemand will so grüne Dinger frisch aus Hotel Mama ohne „WG-Erfahrung”. Niemand will grüne Dinger, die noch dazu ein bisschen schüchtern sind. Niemand will grüne Dinger, die ein bisschen schüchtern sind, die doch problemlos mit dem Bus von zu Hause zur Uni fahren können. WG-Suche zum Studienanfang sucks. Ich habe anderthalb Jahre gesucht. Anderthalb Jahre bin ich morgens um kurz vor sieben aus dem Haus gegangen, damit ich um halb neun in der Uni war.

Gefunden habe ich. Jahre später. Aber das ist eine andere Geschichte.

In dieser Geschichte hatte das Leben irgendwann Mitleid mit mir. Oder viel mehr ein Umstand von Vetternwirtschaft bot mir ein Dach über dem Kopf. Ein schmales Haus in der Stadt mit vier Stockwerken plus ausgebautem Dachboden. Fünf leer stehende Zimmer, zwei Bäder, große Wohnküche mit Süd-Balkon. WG-geeignet.

Und so suchte ich erneut nach Mitbewohnern. Aber dieses Mal war ich die Jury.

Das Casting fiel kurz aus. Eine der ersten Antworten lautete etwa: „Wir sind drei Jungs aus Berlin, wir wohnen schon zusammen in einer Dreier-WG und suchen zusammen was Neues.”

Wir trafen uns auf ein Bier. J. war nervös, weil er aufhören wollte zu rauchen. D. und ich stellten fest, dass wir das gleiche Fach studierten. D. sagte wenig.

Ich sagte ihnen auf der Stelle zu.

Auch wenn mir schon wenig später ein wildfremder Typ entsetzt dazu riet, „die bloß nicht bei mir einziehen zu lassen!”, bezogen wir wenige Wochen später unser Domizil. C. (die wir ähnlich spontan bei uns aufnahmen), D. und D. und J. und ich.

Erzähl mir von deinem Auszug von Zuhause

Foto: Unsplash

Mein Auszug von zu Hause? Erledigte ich mit meinem Nissan Micra. Ich besaß kein Bett, keinen Schrank, ja nicht mal eine Tür in meinem Zimmer. Mein Zimmer bestand zu Beginn vor allem aus ein paar Brettern über einer Treppe. Aber es war meins – für die nächsten dreieinhalb Jahre (mit ERASMUS-Unterbrechung).

Nein, es war nicht alles rosig. Es war dreckig, es war laut (so unfassbar laut!). Wir zankten uns um Putzpläne und WG-Kassen. Es gab Liebesdramen und Biestigkeiten.

Aber wir feierten Partys, wir spielten Karten, wir brutzelten auf dem Balkon und stellten uns zukünftige Lebenspartner vor.

Auf C. folgte A., auf A. folgte S. Auf D. folgte L. (ein anderer Kumpel aus der Berlin-Clique). Und auf D. folgte T. (noch ein Kumpel aus der Berlin-Clique, wenn auch nicht aus Berlin).

Am Ende gaben fünf nicht mehr ganz so grüne Dinger ihre Schlüssel gemeinsam ab. In meiner Vorstellung wie bei der letzten Folge „Friends“. Die Berlin-Clique ging nach Berlin. S. ging nach Köln. Mich verschlug es nach Dresden.

Ich suchte sollte noch in zwei weiteren WGs wohnen. Aber keine war wie diese erste.

Schließlich gründete ich noch eine letzte WG. Mit dem Mann, der mir geraten hat, „bloß nicht mit denen zusammen zu ziehen”. Vor zwei Jahren haben wir noch einen dritten Mitbewohner bei uns aufgenommen. Und so kann es noch eine Weile bleiben.

Larissa//No Robots Magazine

Larissa ist die Chefin des No Robots Magazines. Sie ist 32 Jahre alt und lebt mit Mann und Kind in München.

Letzte Artikel von Larissa//No Robots Magazine (Alle anzeigen)

Schreibe eine Antwort