Bürojob
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Erzähl mir von … deinem Berufswunsch als Teenager

Alle wollen vorwärts kommen. Zukunft, Kind, Karriereplan. Immer geht es um das Morgen. Aber wie war dein Leben denn, als du ein Kind warst? Wie war es denn als Teenager? Erzähl mal.

Larissa vom No Robots Magazine, Roxana vom early birdy und Sabine vom fadenvogel tauschen jeden ersten Sonntag im Monat Erinnerungsstücke aus. Ein Thema – drei unterschiedliche Texte, drei unterschiedliche Frauen, drei unterschiedliche Leben.

Ich weiß keine Details mehr, aber ich weiß, es war ein geiles Gefühl: der Moment, als zum ersten Mal etwas, das ich geschrieben habe, schwarz auf weiß gedruckt für alle Welt zu sehen war. Es war mit Sicherheit etwas, das kein Mensch gelesen hat. Irgendeine Klasse hat Spenden für irgendwas gesammelt oder so. Aber es war meins und es war geil.

In der Grundschulzeit rangelten zwei Berufswünsche in mir miteinander. Da war auf der einen Seite – typisch Mädchen – „was mit Pferden“, Tierärztin oder Züchterin oder Landwirtin oder so. Von dem Beruf Tierärztin riet mir ironischerweise unsere Tierärztin ab. Und Landwirtin wollte ich dann doch nicht werden, weil „dann müsste ich ja immer früh aufstehen und die Wirtschaft putzen“. Und spätestens als ich den frühen Teenagerjahren die Zügel an den Nagel hing, verschwand auch der Berufswunsch „was mit Pferden“.
Blieb Berufswunsch Nummer 2. Es war vielleicht im dritten Schuljahr, als eine Kinderbuchautorin unsere Grundschule besuchte und von ihrer neuesten Geschichte erzählte. Sie fragte die Klasse nach ihren Berufswünschen. Ich war mutig, meldete mich und sagte, dass ich auch auch Autorin werden möchte und erzählte ihr eine meiner Geschichten (irgendetwas mit einem Frisör, Glücksrad und einer zerstörten Frisur). Die Autorin mochte meine Geschichte (oder zumindest hat sie es meinem achtjährigen Ich glaubhaft vermittelt) und meinen Berufswunsch bestärkt: Autorin wollte ich werden.

Berufswunsch: Was mit Büchern

Foto: Unsplash

Ich schrieb und schrieb. Ich schrieb Gedichte über Tiere und Geschichten über unseren Keller. Ich skizzierte Ställe und begann unzählige Pferdebücher. Ich beendete sogar ein Kooperationsmeisterwerk zusammen mit meiner besten Schulfreundin, also wir etwa zwölf, dreizehn Jahre alt waren (wobei wir innerhalb eines Jahres das Interesse an Pferden verloren und das Buch vermutlich sehr akkurat unseren pubertären Reifungsprozess protokollierte).

Im elften Schuljahr stand das „große“ Berufspraktikum an. Ich musste nicht lange überlegen. Ich wusste, dass ich schreiben will, ich wusste, ich will die zwei Wochen bei einer Zeitung unterkommen. In einem seltsamen Anflug von Ehrgeiz kümmerte ich mich für meine Verhältnisse unfassbar früh um den Platz und ergatterte tatsächlich das Redaktionspraktikum in der Lokalzeitung unserer (kleinen und nicht weiter bemerkenswerten) Stadt.
Und ich liebte es. Ich liebte den muffigen Geruch der alten Teppiche, die liebte das Flair, die Redaktionssitzungen, das Tippen, die Stille des Büros am Abend. Scheiß auf „bloß keinen Bürojob“, entschied ich. Ich liebte das Büro! Und so entschied ich, dass ich Redakteurin werden möchte.

Berufswunsch: Redakteurin

Foto: Unsplash

Es folgten: Studium der Literatur, ein zweites Praktikum in der Lokalredaktion und der Entschluss, niemals Lokalredakteurin zu werden. Es folgten: Monate schlechte bezahlte Praktika in verschiedenen Redaktionen und schließlich das heiß ersehnte Volontariat. Es folgte (sehr schnell sogar) eine Festanstellung als Redakteurin Schrägstrich Lektorin Schrägstrich Übersetzerin Schrägstrich Mädchen für alles, Fokus auf Übersetzerin und Lektorin, und es wurde eine unerträgliche Langeweile. Es folgte: Elternzeit und der Wunsch, meinen Beruf aufzugeben. Es folgte: eine Agentur, die eine junge Mutter in Teilzeit einstellte, auf einen Job, „der doch was total anderes ist, als du bisher gemacht hast“. Und da bin ich nun. Nach langem Weg nicht mehr da, wo ich als Teenager hin wollte. Und das ist gut so.
Aber wer weiß? Vielleicht werde ich ja doch noch Autorin.

Titelbild: Unsplash

Larissa//No Robots Magazine

Larissa ist die Chefin des No Robots Magazines. Sie ist 32 Jahre alt und lebt mit Mann und Kind in München.

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