Frohes neues Jahr 2017 - Silvester
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Erzähl mir von Silvester

Alle wollen vorwärts kommen. Zukunft, Kind, Karriereplan. Immer geht es um das Morgen. Aber wie war dein Leben denn, als du ein Kind warst? Wie war es denn als Teenager? Erzähl mal.

Larissa vom No Robots Magazine, Roxana vom early birdy und Sabine vom fadenvogel tauschen jeden ersten Sonntag im Monat Erinnerungsstücke aus. Ein Thema – drei unterschiedliche Texte, drei unterschiedliche Frauen, drei unterschiedliche Leben.

Kaum ein Tag im Jahr ist so erwartungsbeladen wie Silvester.
Na klar, da ist Weihnachten, da will man es schön und gemütlich haben. Aber, wenn man es genau nimmt, dann verläuft Weihnachten doch meist in recht festgefahrenen Strukturen: man verbringt es mit der Familie, isst zusammen, packt Geschenke aus, jedes Jahr das gleiche Schema, die gleichen Unterhaltungen, die gleichen Ups und Downs.
Silvester, das ist oft noch etwas anders. Das ist oft schon lange im Voraus begleitet von „Was machen wir nur?“, mit Planungen und Überlegungen oder vielleicht nur der Hoffnung, dass jemand kommt und fragt: „Was macht ihr eigentlich an Silvester?“

Frohes neues Jahr 2017 - Silvester

Foto: Unsplash/Brigitte Tohm

Silvester, da gibt es in meinem Leben keinen roten Faden, kein Schema.

Das erste Silvester, an das ich mich erinnern kann, das war 1999/2000, und das wahrscheinlich auch nur weil es das große Ding war, das Millenium. Wobei, eigentlich kann ich mich auch gar nicht wirklich daran erinnern. Ich war noch nicht ganz fünfzehn, habe noch mit meinen Eltern gefeiert, damals in einer kleinen Grillhütte in der Nähe vom Skihang bei mir im Dorf. Am nächsten Tag war ich krank. (Wirklich krank, nicht verkatert. Wir erinnern uns: Ich war vierzehn und habe mit meinen Eltern gefeiert. Das muss allgemein nichts heißen, bei mir allerdings schon.) Da hören meine Erinnerungen auch schon auf. Ich glaube, das war mein letztes Silvester als „Kind“.

Danach kamen also die Silvesterpartys für „Große“, die ohne Aufsicht, nur unter Freunden. Haben wir hart gefeiert? Wo haben wir gefeiert? In meinen Gedanken hat sich nur die vage Erinnerung festgesetzt, dass ein Silvester um halb eins endete, weil meine fünfzehnjährigen (!) Freundinnen „müde“ waren.
Nächster Erinnerungsfetzen: Silvester 2002/2003. Ich war noch nicht ganz achtzehn, aber ich wollte mit meiner Freundin im Indie-Club in der Stadt feiern. Am Eingang wurden wir nach unseren Ausweisen gefragt. Shit. Das Personal war kulant: „Okay, ihr dürft rein, aber ihr gebt eure Ausweise ab und holt sie euch vor Mitternacht wieder!“ Wir waren weniger kulant: Brav haben wir unsere Ausweise um kurz vor Mitternacht abgeholt und sind nach draußen gegangen. Allerdings, wir erinnern uns, es war Silvester: JEDER ist um Mitternacht nach draußen gegangen. Und JEDER, einschließlich uns, ist nach Mitternacht wieder zurück in den Club, um weiter zu feiern. Ich kann mich erinnern, dass wir mit zwei älteren Mädels getanzt haben, die wir nicht kannten und auch danach nie wieder getroffen haben. Ich kann mich vage erinnern, dass wir deswegen mit den Mädels getanzt haben, weil es Club an diesem Abend nicht übermäßig gut besucht war und kaum Männer vorhanden waren. Aber vielleicht war das auch ein anderer Abend.
Silvester 2003/2004: kurz vor dem Abitur. In der Disco mit zwei Schulfreundinnen, praktisch das Gegenbild zum Jahr zuvor. Ich habe jede einzelne Person auf dieser Party (abgesehen von meinen Freundinnen) von der ersten Sekunde an gehasst. Einzige Erinnerung: Freundin 1 hat einen Typen abgeschleppt, den wir spontan ganz okay fanden – bis wir ihn kurz darauf als ihren neuen Freund wieder trafen uns unsere Meinung änderten. Und wie Freundin 2 einen Typen abschleppte und ihre Meinung von Drink zu Drink von „Er ist hässlich, aber immerhin hat er eine Fahrschule“ zu „Er ist hässlich, aber immerhin hat sein Vater eine Fahrschule“ zu „Er ist hässlich, aber immerhin hat er den Hauptschulabschluss“ und final „Er ist dumm, aber immerhin gibt es mir Drinks aus“ relativierte. Meine Meinung über die restlichen Partygäste blieb bis zum Schluss bestehen.
Silvester 2005/2006: das erste und einzige Silvester mit meinem Ex-Freund. Eine Katastrophe inklusive einer gebrochenen Nase (nicht meiner, wohl bemerkt), das mit einem Schlussstrich hätte enden sollen, es aber leider nicht tat.
Silvester 2006/2007: das erste Silvester mit meinem Mann, das absolut wunderbar war und als perfekt in Erinnerung bleiben soll.
Alles danach waren Wiederholungen, mal gut, mal okay, mal furchtbar, aber es war ein Abend und er ging vorbei. Ein Abend, so erwartungsbeladen, für den wir oft hunderte Kilometer fuhren, nur für einmal Raclette essen und in einer schlechten Disco tanzen. Einem Ritual, dem wir uns schließlich verweigerten, das wieder zu „Was macht ihr eigentlich Silvester?“ wurde.

Dieses Jahr kam von uns nur ein vages „Was machen wir eigentlich Silvester?“. Schließlich waren zwei Drittel der Familie krank und so blieben wir zu Hause und haben eine Party zu zweit (plus einer halben Person) gefeiert – mit Knack-und-Back-Pizza und Netflix, ganz ohne Erwartungen. Und ich glaube, es war das angenehmste Silvester seit langem.

In diesem Sinne:

Happy New Year - Erzähl mir von Silvester

Foto: Unsplash/Annie Spratt

 

 

Larissa//No Robots Magazine

Larissa ist die Chefin des No Robots Magazines. Sie ist 31 Jahre alt und lebt mit Mann und Kind in München.

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3 Kommentare

  1. Uli

    Bei uns ist es mittlerweile so, dass wir hoffen, dass keiner fragt, was wir an Silvester machen. Bei uns auch drei Viertel krank, aber Raclette gabs trotzdem 🙂 gutes neues Jahr dir und deiner Familie, lg

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