Kommentare 8

Frauen, vergleicht euch (nicht … oder doch?)

Frauen haben heute ganz andere Probleme als noch vor einigen Jahrzehnten. Im Grunde können wir fast alles tun, was Männer auch können. Dennoch scheint uns immer noch ein bedrohlicher Schatten zu verfolgen: andere Frauen. Ein Kommentar über die Sucht des Vergleichens.

„Das hast du mir nachgekauft!“ Das schwache Geschlecht? Oder vielleicht doch besser Sokrates‘ übellaunige Ehefrau Xanthippe? Frauen können richtig fies sein. Wie das Mädchen, das sich und mich im ersten Schuljahr miteinander verglich und feststellte, dass wir das gleiche T-Shirt besaßen. Und so lange keine Ruhe gab, bis alle wussten, dass ich ein fieser mieser Übeltäter sei. Frauen können richtig gemein sein. Vor allem, wenn es darum geht, sich zu vergleichen. Wer wüsste das besser als Frauen?
Eigentlich könnte es uns egal sein, was andere Frauen über uns denken. Irgendwann sind wir auch nicht mehr sechs Jahre alt, und irgendwann werfen Frauen sich die fiesen Kommentare auch nicht mehr unmittelbar an den Kopf. Es könnte uns egal sein, ob wir das gleiche T-Shirt haben, wie die Mitschülerin. Ist es uns aber nicht. Denn wir werden es nie vergessen, wie andere uns herabgesetzt haben. Und wenn die anderen damit aufhören, dann machen wir mit uns selbst weiter.
Schauspielerin Shailene Woodley sieht sich nicht als Feministin. Sie ist 22 Jahre alt. 1968 ist ihr fremd. Stattdessen kämpft sie für eine andere Herzensangelegenheit: dass Frauen sich nicht ständig miteinander vergleichen, bzw. von anderen verglichen werden.
Denn es sind ja nicht unbedingt die Hochglanzbilder, die uns dazu bringen, an uns zu zweifeln. Hat Gisele Bündchen irgendetwas mit meinem Leben zu tun? Muss ich mich mit ihr vergleichen? Nein. Sind die Bilder überhaupt echt? Womöglich nicht.
Warum Konkurrenz uns stark machen kannWer braucht auch schon eine Gisele um sich zu vergleichen? Jetzt mal ehrlich: Wie oft habt ihr in der letzten Woche auf der Straße eine andere Frau gesehen und Sätze wie diese oder ähnlich gedacht: Boah, hat die einen tollen Stil, den hätte ich auch gerne! Wow, die hat wunderschöne Haare, wie fies – und ich mit meinen All-Life-Bad-Hair-Days! Uhh, die hat so schöne reine Haut … oh nein, sieh mich bloß nicht an!
Und dafür brauchen wir ja nicht mal auf die Straße gehen. Es reicht schon, wenn man sich all diese wunderschönen Blogs ansieht. Warum bin ich noch nicht so erfolgreich? Warum habe ich nicht so eine perfekte aufgeräumte Wohnung? Warum sehen meine Fotos nicht so gut aus? Warum kann ich nicht so backen? WARUM LÄUFT MEIN LEBEN NICHT SO???
Das ist Gift. Das wissen wir alle. Wir können es nur nicht abstellen.
Auf der anderen Seite … warum sollten wir auch? Survival by the fittest, stellte Darwin fest. Ohne Bedrohung keine Evolution. Ohne Vergleiche kein Ehrgeiz. Ohne Ehrgeiz keine Entwicklung.
Warum ersetzen wir das Wörtchen „Bedrohung“ nicht einfach mit „Inspiration“?
Konkurrenz kann uns stark machen. Und Wachstum hat nichts damit zu tun, andere klein zu machen.
Ich war kein besonders ehrgeiziges Kind (alles, was ich wollte, waren meine Tiere > klick). Ich habe gelernt, weil mich etwas interessierte. Nicht, um irgendetwas zu erreichen. Warum bin ich nach der Grundschule aufs Gymnasium gewechselt? Weil meine Freundin dorthin gegangen ist. Warum habe ich selbst in der stinkfaulsten Pubertätsphase doch noch Französischvokabeln gelernt? Weil meine Freundin bessere Noten im Vokabeltest hatte. Warum habe ich irgendwann angefangen, mich am Unterricht zu beteiligen? Weil meine Freundin und ich eine Wette abgeschlossen hatten. Wie habe ich es geschafft, ein ordentliches Abitur und einen ansehnlichen Hochschulabschluss hinzukriegen? Weil ich mich mit anderen verglichen habe. Weil ich nicht schlechter sein wollte als mein Umfeld (das nennt man wohl „guter Einfluss“).
Vergleiche sind nichts Schlechtes. Vergleiche können einen inspirieren und beflügeln. Aber mit den Vergleichen ist es wie mit dem Sport: man muss das passende Training finden. Gisele Bündchen? Ich steig doch nicht vom Sofa, um an einem Marathon teilzunehmen! Mich selbst gut fühlen, in dem ich andere mit Herablassung betrachte? Ich gewinne doch den Marathon nicht, in dem ich anderen die Beine breche!
Konkurrenz unter Frauen ist gut. Wenn man sich das richtige Vorbild sucht.
Und ich habe tolle Vorbilder. Denn ich habe tolle Freundinnen.

Larissa//No Robots Magazine

Larissa ist die Chefin des No Robots Magazines. Sie ist 32 Jahre alt und lebt mit Mann und Kind in München.

Letzte Artikel von Larissa//No Robots Magazine (Alle anzeigen)

8 Kommentare

  1. Finde ich ein sehr guter Artikel. Nur die Unsetzung, die ist schwer. Ab wann wird aus Inspiration Konkurrenzkampf? Am Ende läuft wohl alles darauf zurück, das man sich selbst mag, aber trotzdem offen für Weiterentwiklung ist. Auch das ist wohl ein Drahtseilakt. Denn das eine macht träge und das andere unglücklich. Wie immer geht es, wie du ja auch schreibst, ums gesunde Maß.

  2. Liebe Larissa,

    wunderbar geschrieben und voll mit tollen Ideen und Gedanken. Vergleich mit anderen kann ein wichtiger Ansporn sein, solang man ihn mit Maß und Ziel betreibt. Gerade bei Blogs finde ich es oft schade, dass ganz unreflektiert eine Hochglanz-Welt präsentiert wird, die alles, das nicht „picture-perfect“ ist, auslässt.

    Liebe Grüße
    Caoro

  3. Schön geschrieben! Ich bin ebenfalls der Meinung, dass gesunde „Konkurrenz“ eher förderlich ist, aber man muss sich der Sache bewusst sein und es mehr als „Inspiration“ betrachten.

  4. Eva

    Das ist ein schöner Artikel und eine wunderbare Einstellung. Aber es ist manchmal schwer oder? So geht es mir. Aber ich versuche auch im Vergleichen wirklich eine Inspiration zu sehen.
    Liebste Grüße an dich, Eva

  5. Spannende Gedanken, haben auch mich mal wieder dazu gebracht, in mich zu gehen. Find den Ansatz , „Vergleichen“ ins Positive zu wenden, schön: Ehrgeiz, Vorbilder, Inspirationen… Liebe Abendgrüße, Ulli

Schreibe eine Antwort