Früher war alles spontaner

Hurra! Es ist Freitag! Zeit, sich mal mit der Wochenendplanung zu befassen. Obwohl … eigentlich kann das auch noch bis morgen warten …

„Samstag ist Selbstmord“, singen Tocotronic. Und irgendwie haben sie damit recht. Denn den Samstag (und auch den Sonntag) will man mit irgendetwas ganz Tollem verbringen. Das legt einem ziemlich hohe Erwartungen auf.
Wir befassen uns in der Regel frühstens am Freitagabend mit dem Thema „Wochenendplanung“, ach, meistens wird’s sogar Samstagmittag. Und dann stellen wir irritiert fest: Alle anderen sind schon ausgebucht – auf Wochen! Das lässt erstmal nur einen logischen Schluss zu: Irgendetwas stimmt mit uns nicht. Oder mit allen anderen.
Früher war alles spontanerEin Grund mag wohl sein, dass wir ziemlich wurzellos sind in dieser Stadt. Zugezogene. Die Freundeskreise aus Schule oder Studium sind entweder nicht mehr vorhanden oder weit weit web, über Deutschland verstreut. Familie und alte Freunde sieht man nur noch auf Hochzeiten und lang geplante Besuche inklusive lange lange Zugfahrten – sprich: nicht besonders häufig.
Ein anderer Punkt mag sein, dass die Menschen unspontan geworden sind. Früher war es einmal vollkommen normal, dass man einfach unangekündigt bei Freunden vor der Tür stand. Heute ist einem das irgendwie unangenehm. Dabei sind wir doch dank Smartphone so vernetzt und fix wie nie. Ein „Ich bin gerade in deiner Nähe, bist du zu Hause, ich bin in zehn Minuten da“ und man hat sogar noch die Zeit, ein wenig aufzuräumen und sich die Haare zu kämmen. Nein, heute scheint es kein „Mir ist langweilig, lass uns was unternehmen!“ mehr zu geben. Dabei wäre ein „Schmeiß den Grill an, wir kommen vorbei!“ doch mal wieder schön.
Heute werden die meisten Unternehmungen von langer Hand in den Kalender eingetragen. Vielleicht ist die Angst zu groß, man könnte sich aufdrängen, es könnte so aussehen, als würde man sich selbst einladen? Ist es nicht traurig, wenn Freundschaften dabei zu Terminen werden?

Larissa//No Robots Magazine

Larissa ist die Chefin des No Robots Magazines. Sie ist 33 Jahre alt und lebt mit Mann und zwei Kindern in München.

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