Liebesschlösser
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Gedanken über Frauenfreundschaften

Frauen gelten als das soziale Geschlecht. Dabei müssen wir doch zugeben: Frauen sind oft ganz schön schwierig. Und Freundschaften werden nicht einfacher, wenn man älter wird.

Für eine Männerfreundschaft bedarf es oft nicht viel: Bier, eine Playstation, alle paar Monate mal eine Mail mit dem groben Befinden. Das reicht oft schon für eine langanhaltende Freundschaft. Männer konkurrieren zwar, prügeln sich vielleicht auch mal, wenn es sein muss, aber wenn man zusammen ein Bier köpft, dann ist das oft auch schon wieder vergessen. Frauen sind da oft anders. Sie konkurrieren nicht. Sie urteilen. Ganz subtil, unterschwellig gehen sie hart mit sich und anderen ins Gericht und zerfleischen sich mit einem Lächeln. Der Begriff „Stutenbissigkeit“ kommt nicht von ungefähr.
Nein, eins ist klar: Mädchenfreundschaften sind nicht einfach. Sie sind oft ein Kriegsschauplatz mit verbaler Gewalt und Tränen. Trotzdem waren Freundschaften in der Schulzeit verhältnismäßig einfach. Man saß jahrelang zusammen in einer Klasse – irgendeinen hat man immer gefunden, der einem halbwegs sympathisch war (wenn man nicht gerade großes Pech hatte). Früher hieß es, in der Schulzeit findet man Freunde für’s Leben. Manchmal ist das auch noch so. Es gibt Menschen, die in einem Ort fest verwurzelt sind, dort zur Schule gehen, eine Ausbildung machen, eine Familie gründen. Und ihr Leben lang mehr oder weniger den gleichen Freundeskreis behalten. In meiner Welt ist das anders. Wie viele Freunde habt ihr noch aus der Schulzeit? Klar, zu dem ein oder anderen hält man Kontakt. Man kennt sich schon so lange, hat die Kinderheit und die Jugend miteinander erlebt – Lebensabschnitte, die man mit niemand anderem mehr teilen wird. Aber die meisten Freundschaften sind auch genau das: Lebensabschnittsfreundschaften. Irgendwann trennen sich die Wege. Und das ist okay.

Freundschaft
Die Schulzeit und auch das Studium liegen nun schon eine Weile hinter mir. In ein paar Wochen werde ich dreißig. Erwachsen. Irgendwie. Ich bin keine Weltenbummlerin, aber ich habe schon ein paar Postleitzahlen in meiner Adresse gehabt: Studium, Ausland, Praktikum in einer anderen Stadt, bis ich schließlich mit „Mal gucken für wie lange“ zufällig in München gelandet bin.
Mal gucken für wie lange. Oder doch besser: für immer.
Freundschaften sind heute in vielen Dingen leichter. Wenn die Chemie nicht stimmt, muss man sich nie wieder sehen. Man hat gelernt, seine Launen besser zu beherrschen und Machtkämpfe wie im Klassenzimmer gibt es auch nur noch selten. Manchmal stellt man fest, dass man sich eben doch nicht versteht. Und dann schläft der Kontakt eben ein, for good, was soll’s. Oder man merkt einige Zeit später, dass man doch wieder auf einer Wellenlänge ist. Nice to see you again.
Aber andere Umstände machen Freundschaften mit dreißig viel schwieriger als mit fünfzehn. Dreißig. Erwachsen. Sesshaft? Von wegen. Dreißig. Die Zeit des Umbruchs. Die Zeit, in der viele genug von ihrem ersten Job haben oder gerade endlich die Promotion abschließen. In der sie langsam an eine Familie denken. Aber erst, wenn sich das Leben halbwegs geregelt hat, zumindest wenn es sich regeln lässt. Vielleicht auch noch mal einen anderen Weg einzuschlagen, weil man bisher noch nicht zufrieden war. Das zieht einen vielleicht an einen anderen Ort, mal mehr,  mal weniger freiwillig. Weil man nicht da lebt, wo man immer leben wollte. Weil das beste oder auch einzige Jobangebot ganz woanders ist. Weil man seine Kinder woanders großziehen will.
Aus Lebensabschnittsfreundschaften werden Fernfreundschaften. Manchmal ist es uns das wert. Der Person wegen. Oft trifft man neue Menschen aber auch schon mit der Frage im Kopf: „Und wann ziehst du wieder weg?“
Ja, Frauen sind soziale Wesen und wollen nicht alleine sein. Und Frauen sind schwierig. Sie werden im Alter nicht einfacher.
Irgendwann wollen die meisten sesshaft werden: Partner, feste Stelle, vielleicht ein Kind, fester Wohnsitz zumindest für ein paar Jahre. Und ein fester Freundeskreis. Ohne Kompromisse. Da bekommt das Bekanntschaftenschließen schon fast Online-Dating-Charakter. Man trifft sich zwanglos zum Kaffee und checkt subtil die wichtigsten Fakten ab: ähnlicher Bildungsstand? Hobbys? Familienpläne? Ansichten? Zukunftspläne? Was umtreibt dich, Frau?
Und danach ein prüfendes „Möchte ich diese Person wiedersehen? Lohnt es sich, sie in mein Leben zu lassen? Für möglichst lange Zeit?“.
Man möchte nicht mehr irgendwen finden. Keine Lebensabschnittsgefährten. Sondern feste Partner. Und der muss schon passen.
Ist das arrogant? Vielleicht. Vielleicht aber auch der Wunsch nach ein bisschen Ordnung in einer Welt, in der alles flexibel sein muss und in der sich alles im rasend schnell verändert.
Geht es euch da genauso?

Larissa//No Robots Magazine

Larissa ist die Chefin des No Robots Magazines. Sie ist 31 Jahre alt und lebt mit Mann und Kind in München.

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8 Kommentare

  1. Ich finde diese Aufteilung in *wie sind Männerfreundschaften* und *wie sind Frauenfreundschaften* schwierig. Ich sehe im Freundeskreis meines Mannes, der durchwegs männlich sein kann, oft ein großes Rumgezicke. Die nennen das nur nicht so. Da wird dann aus ner Mücke n Elefant gemacht und dann tanzen sie da rum wie auf Droge. Und dann habe ich sehr pragmatische Frauen. Kaffee, n gutes Gespräch – fertig. Mehr braucht es nicht, um befreundet zu sein. Frauen haben andere soziale Kontakte, aber auch nur, weil sie sich halt in ihrem Alltag treffen. Weil sie halt oft die Kinder aufziehen. Die Schulklasse hört dann nie auf. Sie wechselt nur das Lager zu Elternbeiräten und Schulfestorga. Sind das schon Freundschaften? Was zeichnet eine Freundschaft aus? Wenn man sich jahrelang kennt? Wenn man sich betrunken irgendwelche Geheimnisse erzählt? Oder wenn man merkt, dass man vor dem anderen so ist, wie man nun mal ist. Soziale Schicht oder Bildungsgrad interessiert mich dabei gar nicht mehr. Ich bin oft die einzige mit Uniabschluss. Ich achte auf andere Sachen: fähig zur Selbstreflexion? Unbeeindruckt von Äußerlichkeiten? Humor? Interessiert an MIR? Bin ich interessiert? Die alten Freundschaften schlafen manchmal lange. Aber auch da verändern sich die Menschen ja ständig. Und ganz oft sind Freundschaften wie die Liebe selbst. Irre aufgeregt, wenn man sich wiedertrifft. Irre emotional. Und da haben wir es schon: Freundschaften sind wie Liebesgeschichten. Manchmal entscheidet mein Bauch sofort und ich bin ein bisschen verliebt in die Person. Und dann gibt es welche, da scheint alles zu passen – aber das Gefühl fehlt halt. Ich mag diese Freundschaft dann auch. Aber es bricht mir nicht mein Herz, wenn sie vorbei geht. Freundschaft ist also vor allem ein Gefühl. Bei manchen bin ich unheimlich tolerant und nehme weite Wege in Kauf oder interessiere mich für komische Sachen – weil ich sie halt liebe. Genauso wie mein Mann bei den seinen.

  2. Finde ich auch. Ein toller Artikel zu einem für mich sehr aktuellen Thema. 🙂 Aber: So ist diese Lebensphase halt. Ich muss festhalten, dass es mich vorher fast nie nach Mäschenfreundschaften dürstete – eher nach unkomplizierten Kneipenabenden… aber jetzt, auf dem heute anzusetzenden Niveau aus Soistdasleben, Sesshaftwerden, Sinnsuche, Angsthaben, Kindhaben, Kindbleiben, Fraumitmannsein… Jetzt ist so eine Freundschaft schon verlockend. 🙂 Mit Kneipe.

  3. Ich bin absolut deiner Meinung. Manchmal merke ich aber, wie ich schlicht zu faul bin, wirklich umzusetzen, was ich fühle. Da treffe ich mich der Einfachheit halber mit jemanden, den ich eigentlich völlig langweilig finde. …und hab dann das Gefühl, meine Zeit völlig vergeudet zu haben.
    Klingt komisch, oder?
    Liebe Grüße, Sonja

  4. „Freunde sind die Familie, die man sich aussuchen kann“ fällt mir da bei deinem Artikel ein. Freundschaften hatten schon immer einen hohen Stellenwert für mich, in die ich auch viel Zeit und Energie stecke. Ich finde, am schwierigsten ist es, Freundschaften zu erhalten, wenn man in verschiedene Lebenssituationen kommt. Da muss auch mal aufgeschlossen für Themen sein, die einen selbst gerade gar nicht beschäftigen und man merkt, ob die Freundschaft nur der gemeinsamen Situation geschuldet war oder die Wellenlänge einfach passt. Wie du sagst: Auch bei Freundschaften gibts Lebenspartner – für die man auch was investieren muss. Aber ich finde, die kurzweiligen Flirts sollten wir auch mitnehmen, weil neue Geschichten und Witze zu hören ist ja auch mal nett und Spaß in der gemeinsam verbrachten Zeit steht im Vordergrund – vor allem wenn die alten Freundinnen gerade woanders wohnen oder nicht verfügbar sind 😉 Liebe grüße *thea

  5. Ich bin mit meiner besten Schulfreundin noch immer sehr gut befreundet. Seit 20 Jahren nun. Was mich momentan sehr viel mehr umtreibt, ist die Tatsache, dass ich in den letzten Jahren zwar gute Freundinnen gefunden habe – aber die wohnen alle nicht hier. Besagte Schulfreundin wohnt mittlerweile in Kanada. Und durchs Internet habe ich in ganz Deutschland verteilt Bekanntschaften und teilweise Freundschaften, aber das war es auch.
    Aber auch mir kommen beim Schließen von Freundschaften Gedanken wie „Ziehst du wieder weg?“ Der blödeste davon: Ich verstehe mich supergut mit meiner Schwägerin, aber wenn ich sie als meine Freundin sehe, denke ich: Na auf welcher Seite wird sie wohl stehen, wenn der Held und ich uns mal trennen. Dabei steht keineswegs auch nur der Gedanke an Trennung im Raum, sondern wir sind sehr glücklich. Meine Mutter hat mir aber beigebracht, einen eigenen Freundeskreis aufzubauen, damit ich von meinem Freund nicht so abhängig bin, wenn man viele gemeinsame Freunde hat. Da war ich 16. Ist wohl hängen geblieben…

    Liebe Grüße
    Nele

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