Alkohol
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Gegen den Rausch

Alkohol

Foto: Unsplash/Patrick Schöpflin

Es gab eine Zeit, da wurde ich von bestimmten Menschen „Die, die keine Drogen nimmt” genannt. Das sagt viel über mein damaliges Umfeld, aber noch mehr sagt es über mich in diesem Umfeld aus.
Es ist nicht so, dass ich niemals berauscht gewesen wäre. Ich habe es ausprobiert, gelegentlich. Ich bin nach zu viel Erdbeerbowle am Lagerfeuer eingeschlafen. Ich habe mir die Zähne geputzt, während sich das Zimmer gedreht hat, weil ich es für eine gute Idee hielt, meinen Voda-Irgendwas-Mix auf dem Heimweg nach der Party zu leeren. Ich musste eine Runde um den Block gehen, als ich nach einer harmlosen Zwei-Personen-Karaoke-Party und einer halben Flasche Wein nicht mehr aufhören wollte zu lachen. Es gab Abende, auf denen mir gesagt wurde, ich solle doch lieber nicht mehr weiterreden und statt einem „Gute Nacht” habe ich vom Mitbewohner einen Eimer bekommen (zum Glück unnötigerweise). Ja, auch das ist vorgekommen.
Es ist ja auch nicht so, dass ich keine Gelegenheit gehabt hätte. Ich war in üblen Rock-Schuppen, auf Grillhüttenfeiern, auf Festivals, auf dreckigen Punk-Konzerten, Hochzeiten und WG-Partys. Aber meistens, ja meistens war ich dort vollkommen nüchtern.

Und eigentlich hatte ich damit nie ein Problem.

Dance like nobody’s watching

Ohne Alkohol keine Party? Ach, kommt schon, Leute, eine Party steht und fällt doch nicht am Alkohol! Eine Party ist gut oder sie nicht gut. Vielleicht wird sie mit einem Drink besser. In meinem Fall eher nicht. Wie heißt es so schön? Dance like nobody’s watching. Oder auch: Party like you’re drunk. Wen interessiert es schon, wie viel Promille du wirklich hast? Die Party ist gut? Du bist gut drauf? Du hast Lust, zu tanzen? Dann tu es! Und falls du noch einen Hauch an Zweifeln hast, mei, dann tu einfach so, als wärst du total betrunken. Wer merkt schon den Unterschied, wenn die meisten ums dich herum sowieso zu tief ins Glas geguckt haben? Es geht darum, einen schönen Abend zu erleben (oder eine schöne Nacht, oder vielleicht auch ein ganzes Wochenende), es geht doch nicht darum, Promillepunkte zu sammeln.

Und überhaupt, macht das überhaupt so viel Spaß, betrunken zu sein? Mir jedenfalls macht es keinen Spaß. Ich werde von Alkohol nämlich ganz und gar nicht lustig, ich werde einfach nur müde. Alles zieht in gedrosselter Geschwindigkeit an mir vorüber, ich kann nicht mehr an Gesprächen teilnehmen. Sinnlos. Ganz zu schweigen davon, dass es eher so mäßig witzig war, in meinem Bett Karussel zu fahren. Ganz zu schweigen von etwaigen Folgeerscheinunen am nächsten Tag.

Thanks, but no thanks.

Von mir aus bin ich eine Spaßverderberin

Ich gönne dir dein Feierabendbier und wenn du zum Dinner ein Glas Wein magst, bittesehr. Geh ruhig mit den Mädels einen Cocktail trinken und zieh mal mit den Jungs über die Stränge. Your business.

Aber jetzt mal Butter bei die Fische: Muss das denn wirklich ständig sein? Geht es denn wirklich nicht auch ohne?

Wie viel „Trink mal was!” oder „Rauch doch mal eine!” musste ich schon hören? Wie oft zog es jemand vor, alleine zu Hause sein Bier zu trinken, weil er dran war mit fahren? Wie viele Frauen ertragen es nicht, für ein paar Monate Schwangerschaft und Stillzeit zu verzichten und reden sich ihre Niederlage schön mit „Ein Glas Wein schadet schon nicht”, bis es vielleicht „Ein Glas Wein pro Woche” oder gar „Ein Glas Wein pro Tag” wird? Waren die letzten zehn Jahre seit der Einführung des Rauchverbots wirklich so hart? War es wirklich schöner, zu Hause zu bleiben, anstatt gelegentlich für eine Zigarette vor die Tür zu gehen?

Muss das wirklich sein? Geht es wirklich nicht mehr ohne?

Du, ja mit dir rede ich! Du und fast alle anderen da draußen!

Was ist da los? Ist die Realität zu schwer? Oder kannst du dich selbst so wenig ertragen? Ist es so viel leichter, schlechtes Benehmen auf den Alkohol zu schieben? Hast du so viel Angst vor dir selbst, dass du dir keine Blöße ohne Rauschen geben kannst? Denn, Hand aufs Herz, wir reden hier nicht mehr von gelegentlichem Genuss. Wir reden hier davon, dass du dein Leben dem Rauch unterwirfst. Ist es das wert?

Dieser Artikel war Teil des No Robots Magazine #6 Rausch.

Larissa//No Robots Magazine

Larissa ist die Chefin des No Robots Magazines. Sie ist 31 Jahre alt und lebt mit Mann und Kind in München.

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