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Gelesen: Der wunde Punkt von Mark Haddon

Ich habe vor einer Weile behauptet (> klick), dass ich gar nicht viel lese (für eine Literaturwissenschaftlerin). Aktuell kann ich das nicht gerade behaupten. Erst habe ich Kehlmanns „F“ ratzfatz durchgezogen (> klick), dann hat mir James Francos „Palo Alto“ nach wenigen Seiten so wenig gefallen, dass ich es weggelegt habe, also habe ich mir Mark Haddons „Der wunde Punkte“ vorgenommen. Und um den geht es jetzt.

Die Halls sind eine ziemlich normale dysfunktionale normale Familie. Die Kinder von George und Jean sind schon groß, also können die beiden in Ruhe ihren Ruhestand genießen. Ihre Harmonie bekommt allerdings einen leichten Dämpfer, als die hitzköpfige und bereits geschiedene Tochter Katie verkündet, sie wolle ihren Freund Ray heiraten – der als „etwas einfach“ gilt. Als wäre es nicht schon unangenehm genug, dass Sohn Jamie schwul ist! Doch wen interessiert das schon … Georges Welt ist bereits vollkommen aus den Fugen geraten: Er hat auf seiner Hüfte einen „wunden Punkt“ entdeckt. Der Arzt diagnostiziert ein Ekzem, doch George ist sich sicher: Er hat Hautkrebs und muss sterben …

Gelesen: Der wunde Punkt von Mark Haddon
Jeder Mensch hat einen wunden Punkt. Bei George wird er materiell. Schon bald hat er das Gefühl, den Verstand zu verlieren, während er nach außen beste Ordnung vortäuscht. Denn Ordnung ist wichtig im Leben der älteren Leute. Bei Jean muss immer alles „richtig“ sein. Manche Dinge gehören sich einfach nicht. Im Lauf der Dinge hat alles seinen rechten Platz. Ihren rechten Platz haben Katie und Jamie dagegen noch nicht gefunden. Was genau bedeutet das überhaupt? Woran erkennt man, ob man jemanden liebt? Und was ist wichtiger: Leidenschaft oder Fürsorge?
Mark Haddon hat mit „Supergute Tage“ bereits einen der besten Romane geschrieben, die ich je gelesen habe. Stand damals ein autistischer Junge im Zentrum, widmet sich der Autor in „Der wunde Punkt“* dem psychischen Leiden der Zwangsstörung. Neben der komplexen Familienkonstellation um Rentner-Logik und Bindungsphobie dreht sich der Roman immer wieder um Georges zunehmenden Wahn. Er weiß, dass er keinen Krebs hat. Aber er muss sterben, er hat Krebs. Außer … wenn er nur diese eine Situation lösen kann … ja, dann wird alles gut. Er ist nicht verrückt. Nur überfordert. Für den Augenblick. So stolpert George von Panikattacke zu Panikattacke, während seine Frau, der Arzt und auch die restliche Welt hilflos zugucken. Das ist nur eine Phase, oder? Er beruhigt sich doch wieder, oder? Das ist nur der Stress … oder? Dabei ist „Der wunde Punkt“ oft irrsinnig komisch, obwohl es eigentlich kein bisschen lustig ist. Mark Haddon schafft es auch hier, wie in „Supergute Tage“, den Bogen zwischen Situationskomik und dem Befinden einer beeinträchtigen Person immer im richtigen Maß zu spannen.
Und am Ende wird alles gut. Oder?

Hat einer von euch „Der wunde Punkt“ gelesen? Wir hat es auch gefallen?

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Larissa//No Robots Magazine

Larissa ist die Chefin des No Robots Magazines. Sie ist 31 Jahre alt und lebt mit Mann und Kind in München.

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4 Kommentare

  1. Ich hab vor ein paar Jahren „The curious incident…“ von ihm gelesen und mochte das auch total gerne. Eigentlich hab ich mir damals auch vorgenommen, mir seine anderen Bücher genauer anzusehen, aber scheinbar hab ich den Autor mit den Jahren aus den Augen verloren. Umso besser, dass ich ihn dank dir jetzt wieder auf dem Schirm habe 😉 Das Buch klingt nämlich wirklich toll und wandert direkt auf meine to-read-Liste – Danke dafür!

    Liebe Grüße

  2. Es steht auf meiner Wunschliste mit Büchern, die ich noch lesen möchte… Wobei ich mich gerade frage, ob ich „Supergute Tage“ eigentlich schon gelesen habe oder das auch noch auf der To-Read-Liste steht! 😉

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