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Gelesen: „Skippy dies“ von Paul Murray

Im letzten Jahr meines Studiums hat in meiner Heimatstadt ein Theater aufgemacht. Eines Tages gab es eine Aufführung für Studenten: Frank Wedekinds „Frühlings Erwachen“ in einer modernen Inszenierung. Ich hatte „Frühlings Erwachen“ als Schullektüre gelesen und mochte das Stück rund um sexuelle Nicht-Aufklärung, Tabus und Leistungsdruck zur Zeiten der Jahrhundertwende sehr. Wenn man allerdings alles aus dem Stück streicht, was für heutige Jugendliche keinen Sinn mehr macht, bleiben nur noch rappende Teenager und nackte Dicke übrig, die betont provokant ihren Penis baumeln lassen. Die Studenten jaulten vor Freude. Mir wurden zwei Dinge an diesem Abend klar: Studenten sind Vollidioten. Und „Frühlings Erwachen“ ist zu sehr auf seine Zeit begrenzt, als dass man es modern umsetzen könnte. Im zweiten Punkt hatte ich aber vielleicht nicht ganz recht.

Skippy Dies von Paul Murray

„Skippy dies“* – Skippy ist ein unscheinbarer vierzehnjähriger Schüler eines renommierten irischen Internats. Und er stirbt praktisch schon im ersten Satz des Buches beim Donut-Essen. Aber warum eigentlich? Es folgt eine Geschichte über eine Handvoll Jungs irgendwo mitten im Erwachsenwerden, zwischen kindlicher Neugier und sexueller Irrung und Verwirrung, unter dem Druck von Freundschaft, Mobbing, erster Verliebtheit und den Erwartungen völlig unfähiger Erwachsener. Man könnte durchaus sagen, dass es Paul Murray ebenso geklingt, die Welt der Pubertät in der Jahrtausendwende aufzugreifen, wie Wedekind es hundert Jahre vor ihm für seine Zeit getan hat.
„Skippy dies“ – mir wurde der Roman vielfach empfohlen, aber ich habe mich lange gesträubt, einen Roman über einen sterbenden Teenager zu lesen. Ich hab’s nicht so mit deprimierender Lektüre. Deprimierend ist „Skippy dies“ allerdings weniger, sondern vielmehr bizarr über unterhaltsam bis frustrierend angesichts der Unfairness des Lebens, wo alles doch so viel einfacher sein könnte. Ich habe allerdings eine Zeit gebraucht, bis ich mit dem Buch warm geworden bin: Gleich zu Beginn wird eine große Menge Figuren eingeführt, erstmal ohne größere Verbindung außer der Seabrook-Schule, von der man relativ lange nicht weiß, wer sie sind und was sie eigentlich wollen. Dazu kommt ein teils recht verworrener Erzählstil zwischen Realität, Traum und Computer-Spiel. Wäre mir das Buch nicht so eindringlich empfohlen worden, hätte ich es vielleicht zu Beginn wieder aus der Hand gelegt. Habe ich aber zum Glück nicht. Irgendwann steckt man mitten in den vielen kleinen Geschichten und muss es nun unbedingt wissen: Warum stirbt Skippy eigentlich?

Buchfakten

Autor: Paul Murray
Verlag: Hamish Hamilton
Seitenzahl: 672
Ursprungsland: Irland
Erscheinungsjahr: 2010

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Donut-Grafik: Freepik

Larissa//No Robots Magazine

Larissa ist die Chefin des No Robots Magazines. Sie ist 31 Jahre alt und lebt mit Mann und Kind in München.

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2 Kommentare

  1. Oh, „Skippy stirbt“ habe ich auch noch auf meinem Stapel, irgendwann mal günstig bei Ebay geschossen! 😉
    Ich habe übrigens „Gone Girl“ jetzt zu Ende gehört und lag natürlich total falsch. 😉 Aber das war ja zu erwarten. Das Ende fand ich ok, nicht überragend, aber absehbar (entweder so oder er tut’s doch noch, mehr Möglichkeiten gab es nicht fand ich). Naja, ich bin kein riesiger Thriller/Krimi-Fan, konnte es mir gut anhören, aber das war’s auch schon.

    Liebe Grüße
    Nele

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