Projekt schöner wohnen: Wie eine Wohnung ein Zuhause wird
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Gelesen: „Wie eine Wohnung ein Zuhause wird“ von Stefanie Luxat

Wie sagte Tanya Neufeldt so schön: Als junge Mutter ist man völlig übermüdet und zu Tode gelangweilt. Kann ich halbwegs bestätigen. Man hat zwar keine Sekunde für sich, dafür verbringt man viel Zeit damit, die Wand anzustarren, während man stillt oder das Kind durchs Zimmer schaukelt. Hm, die Wand. Sollte man die nicht mal verschönern?

Nach über zehn Jahren habe ich nun endlich mal eine Wohnung, die nicht nur ein vorübergehender Schlafplatz ist, sondern ein langfristiges Zuhause sein soll. Es ist aber ziemlich schwer, sich von dem Ich-bin-bald-wieder-weg-Gefühl zu trennen. Viel zu schnelllebig ist man heute auf dem Wohnungsmarkt. Heute hier, morgen dort und so. Und wer weiß, was die Zukunft bringt? Und Eigenheim kann man sich sowieso nicht leisten (in München schon gar nicht). Das verleitet natürlich schnell dazu, die Kisten gar nicht richtig auszupacken. Nicht zu investieren. Aber man will ja nicht nur eine Wohnung. Man will schließlich ein Zuhause. Aber wie geht das eigentlich? Genau darum geht es in „Wie aus einer Wohnung ein Zuhause wird“ von Stefanie Luxat, die viele von euch bestimmt von ihrem Blog Ohhh… Mhhh… kennen.
Interieur-Kapitel in Magazinen sehen ja häufig so aus, dass irgendeine wunderschöne (meist skandinavische) Wohnung vorgestellt wird. Oft sehen diese Wohnungen ziemlich gleich aus. Und man denkt sich: Joah, hübsch, aber mit mir hat das nichts zu tun.
Das möchste Steffi in ihrem Buch vermeiden. Es soll keine Anleitung sein, sondern Inspiration. Kein Rezept zum Nachmachen, sondern Hilfe zur Selbsthilfe.
Wie eine Wohnung ein Zuhause wird Wohnzimmer
Zu diesem Zweck besuchte Steffi Freunde und Bekannte mit tollen Wohnungen und gab auch eine Einsicht in ihr eigenes Reich. So betritt man sechzehn Wohnungen von verspielt bis modern, von Männerreich bis Familie, von feminin bis Paar-Kompromiss – schön fotografiert von Brita Sönnichsen. Nur eins haben sie alle gemeinsam: Alle diese Wohnungen sind überdurchschnittlich cool. Dazu gibt es persönliche Tipps der Bewohner und Adressen, wo sie am liebsten einkaufen. Dazwischen stecken Interviews mit Experten, wie man seinen eigenen Stil findet und wie man lernt, mutig zu sein, ohne gleich in die Wohnkatastrophe zu schlittern.
Dabei entglitt auch mir das ein oder andere „Ohhh! Mhhh!“. Gleich wurde der Klebezettel-Block rausgeholt und alle Wohnungen markiert, die mir besonders gefallen haben. Zur genauen Untersuchung, was mich dabei so anspricht (Expertentipp!). Und schon analysiere ich unsere Wohnung: Was läuft wo eigentlich falsch? Und was sollte ich betonen? Wo sind die Schwachstellen? Und schwupps ist meine Einkaufsliste für den nächsten Besuch beim Möbelschweden ins Unermessliche gewachsen.
Liebe Steffi, man kann wohl sagen, dein Buch funktioniert.
Arbeitsplatz Wie eine Wohnung ein Zuhause wird
Ja, und wo ist der Wermutstropfen? Ja, den gibt es auch. Steffi hat sich zwar alle Mühe gegeben, das echte Leben und keine Katalog-Wohnungen zu zeigen, aber so richtig kann ich mich damit trotzdem nicht identifizieren. Erstmal sind alle diese Wohnungen selbstverständlich perfekt ordentlich, es liegen keine Kabel rum – und gibt’s eigentlich nirgendwo hässliche Fernseher (siehe dazu auch diesen Artikel)? Steffi erklärt allerdings im Editorial, dass man zu Hause genug Realität hat und man für die Fotos daher extra ein bisschen rumgeräumt hat. Leuchtet ein. Wer möchte auch schon Kabelsalat auf solchen Fotos sehen? Auf schönen Fotos sieht man schließlich selten die Welt, wie sie wirklich ist. Sieht auf Fotos auch einfach dumm aus.
Küche Wie eine Wohnung ein Zuhause wird
Blöd ist nur, dass diese Leute es alle scheinbar leicht haben, wunderschöne Wohnungen zu besitzen. Denn sie haben nicht nur das richtige Gespür (logisch), sondern scheinen auch alle herrliche Altbauwohnungen mit hohen Decken zu besitzen/zu mieten (immerhin) und sich als Paar oder Familie total einig zu sein. Da möchte man schnell sagen: So ist das doch keine Kunst! Meine Welt sieht anders aus: Stinknormale 70er-Jahre-Stadtwohnung mit einem Mann, der einen komplett anderen Geschmack hat als ich. Bei diesen Schwierigkeiten hilft das Buch leider nicht. Auch ist es hier offensichtlich, dass diese Menschen gerne Geld in ihre Wohnung stecken. Und das Geld muss man erstmal haben. Die Einrichtung kommt „auch mal von Ikea“, besteht aber zu großen Teilen aus Designer-Stücken – während mein Lebensraum aus Möbeln der Kategorien „den Eltern abgezockt“ über „noch aus der Studentenbude“ bis „wir brauchten ganz schnell was und wollten nicht so viel Geld ausgeben“ besteht. Klar, ein tolles Zuhause entsteht nicht von heute auf morgen – aber Designermöbel werden wir sicher nie besitzen. Da bleibt am Ende wohl doch nur Ikea-08/15.
Kinderzimmer Wie eine Wohnung ein Zuhause wird
Aber genug gemeckert: „Wie eine Wohnung ein Zuhause wird“ ist sehr hübsch anzusehen, Steffi schreibt äußerst sympathisch, und ich weiß jetzt ganz genau, wie meine Wohnung aussehen soll – zumindest theoretisch.

Buchfakten

Autor: Stefanie Luxat/Brita Sönnichsen (Fotos)
Verlag: Callwey
Seitenzahl: 192
Ursprungsland: Deutschland
Erscheinungsjahr: 2014

Larissa//No Robots Magazine

Larissa ist die Chefin des No Robots Magazines. Sie ist 31 Jahre alt und lebt mit Mann und Kind in München.

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4 Kommentare

  1. Find ich ja schon mal komisch, wenn einem vermittelt wird, dass man super viel Geld in die Hand nehmen müsse, um sich schön einzurichten… Ich habe wunderschöne Einzelstücke immer auf Ebay Kleinanzeigen und auf dem Flohmarkt gefunden. Und mit schlichten Ikea-Sachen kombiniert, funktioniert das einwandfrei! Und für die, die keinen Bock haben ganz so viel Geld auszugeben, auf designy Zeug stehen, aber denen egal ist, ob es sich um „Originale“ handelt, gibt’s immernoch Blue Suntree.

  2. Als wir im Januar beschlossen haben, zusammenzuziehen und meine WG in eine Pärchen-Wohung zu verwandeln, habe ich mir das Buch auch gegönnt und auch noch das „So leb ich“ Buch. Und beim blättern ist mir das gleiche durch den Kopf gegangen wie dir. Aber die Sätze, die sie in der Einleitung schreibt, haben mich ziemlich direkt angesprochen: Wir sind gekommen um zu bleiben – und auch wenn man nicht weiß ob man irgendwann noch ins Eigenheim oder die perfekte Wohnung zieht – man sollte sich auch im Moment wohlfühlen und es einfach im Jetzt angehen. Anstatt mich täglich über die hässlichen Steckdosen in unserer Mietwohnung zu ärgern habe ich einfach neue gekauft auf eigene Kasse und freue mich jetzt immer beim vorbeilaufen – da hat sie mich richtig inspiriert. Auf schöne und bezahlbarere Ideen zum einrichten bin ich dann eher bei So leb ich gestoßen. Ein paar Flohmarkt-Errungenschaften und Funde von Omas Dachboden mit Ikea und teureren Schätzchen zu kombinieren. Die haben ja auch eine Online Community, man muss sich also das Buch gar nicht kaufen 😉 viel Spaß weiterhin beim blättern und einrichten.

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