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Himmel und Hölle von Pinterest

Alles so schön bunt hier! So schön! So perfekt! So … ich halt’s nicht mehr aus! Himmel und Hölle von Pinterest.

Bald ist es soweit! Nach gerade mal 1,5 Jahren Suche beziehen wird demnächst endlich unser neues Domizil. Und damit dieses Mal auch alles richtig schön und wunderbar wird, habe ich frühzeitig angefangen, mich vorzubreiten – vor gerade mal 42 Wochen habe ich die erste Inspiration auf mein Pinterest-Board „Someday in my future HOME“ gepinnt.
Und wer sich einmal mit Pinterest beschäftigt, der weiß: Das macht unglaublich schnell süchtig. Was es dort alles für Schätze zu finden gibt! Wie oft sagte ich zu dem Mann: „Oh, ich habe so etwas Schönes gesehen! Das möchte ich auch!“ Worauf üblicherweise die Antwort kam: „Wollen wir nicht erstmal gucken, wie unsere zukünftige Wohnung aussehen wird, bevor du sie schon einrichtest?“ Womit er vermutlich recht hat. Aber träumen darf man ja, oder?
Nun habe ich also eine grobe Ahnung von den Räumlichkeiten (die ich bisher immerhin schon ganze zweimal gesehen habe) und kann mich wieder mit vollem Eifer in die Inspiration stürzen. Doch desto tiefer ich mich durch Board und Board wühle, desto mehr übernimmt:

1. Die Frustration

Himmel und Hölle von PinterestWährend Frau gerne in Rosa und Blümchen leben würde, zieht Mann die blanke Beton-Hölle vor. Einigung ist zwar möglich („Mach halt, was du willst.“), aber der Zweck des Zusammenlebens ist schließlich nicht, dass eine Hälfte sich resigniert im Bad einschließt, weil sie den ganzen Mädchenkram nicht ertragen kann.
Dabei sehen viele von den wunderhübschen Mädchenwohnungen in meinem Pinterest-Feed so aus, als gehörten sie jungen Familien. Alleinerziehende super-kreativ Mütter? Zwei Mamas? Stummgeschaltete Väter? Man weiß es nicht. Die meisten Männer, denen ich so begegne, bekommen bei so viel Krims und Krams jedenfalls leichte Fluchtattacken.

2. Der Wirklichkeitsschock

Nun bin ich im Stadium, in dem ich eine Ahnung habe von „der Schrank kommt hier hin und der dort und diesen könnte man eigentlich durch was Schöneres ersetzen“. Ja, was Schöneres. Inspiration gibt’s auf Pinterest ja genug. Das Wohnzimmer da sieht doch schön aus. Und das da auch. Könnten wir nicht …? Nein, können wir nicht. Weil wir nur in einer beengten Stadtwohnung wohnen und kein lagerhallengroßes Wohnzimmer besitzen. Weil es in unserer beengten Stadtwohnung keine Abstellkammer gibt und man deswegen auch unansehnlichen Kram wie Bügeleisen irgendwo unterbringen muss. Wohingegen die stolzen Besitzer des unfassbar großen Pinterest-Wohnzimmers oft nicht nur Platz für einen ganzen Dschungel und eine stylishe Riesensitzecke haben, der einzige Schrank ist auch meistens ein hübsches Retro-Regal voll mit schönsten Büchern und tollstem Nippes. Real? Nicht in meinem Leben. Aber okay, da könnte man vielleicht noch irgendwo tricksen. Statt Schublade ginge vielleicht auch eine schöne Kiste und dann könnte man doch statt dem Wohnzimmerschrank das Regal … Und der Fernseher, der …
Ja, Moment! Erstaunlicherweise besitzt auch keiner der Pinterest-Bewohner jemals einen Fernseher. Ich bin kein TV-Junkie, aber doch ein großer Cineast und einen Film gucke ich nicht gerne mit dem Laptop auf dem Schoß. Also, ja, in meinem Leben ist ein Fernseher Pflicht. Passt der zwischen die Bücher und den Nippes in das schöne Retro-Regal? Da muss ich noch mit dem Statiker im Haus diskutieren.

Was lernen wir daraus? Pinterest ist der Himmel für alle, die sich an bunten Bildchen erfreuen und gerne ein bisschen träumen – und die Hölle für alle, die sich der Illusion hingeben, all das könnte echt werden. Möglicherweise gibt es diese Räume wirklich. Aber dann wohnen diese Menschen nicht in München, haben vermutlich ziemlich gut bezahlte Jobs, von denen sie sich riesige Altbau-Wohnungen leisten können und verbringen ihre üppige Freizeit im Schlendern über den Flohmarkt und nicht vor dem Fernseher, denn der verdirbt wahrscheinlich die Kreativität.
Mein Leben ist das nicht.
Aber wer weiß? Vielleicht? Eines Tages …?
Wenn ich mich nur lang genug von Pinterest habe inspirieren lassen …

Larissa//No Robots Magazine

Larissa ist die Chefin des No Robots Magazines. Sie ist 32 Jahre alt und lebt mit Mann und Kind in München.

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