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Ich sehe Musik und du?

Nach welchen Kriterien entscheidet ihr, ob euch ein Lied gefällt? Erkennt ihr die Eigenheiten einer Melodie? Ein Text, der euch nahe geht? Oder einfach nur „läuft im Radio, kann man drauf tanzen, passt schon“?

Ich habe kein besonders gutes Gehör. Wirklich, meine Ohren sind schlecht. Ich kann keine drei Töne auseinanderhalten. Die Komplexität aufwendiger Kompositionen entgeht mir.
Ich bin auch niemand, der Lyrics allzu aufmerksam lauscht. Ich schnappe Worte, Zeilen auf und entschwinde in meine eigenen Gedanken.
Trotzdem liebe ich Musik. Und Radiogeplärre kommt mir nicht auf die Ohren.
Ich bin ein Mensch der Optik. Ich sehe viel. Auch Musik – obwohl ich kein Synästhesist bin. Ich sehe die Gefühle, und eine ganz neue Welt entsteht. Und vor allem sehe ich Menschen. Musik braucht ein Gesicht. Das hat nichts mit Sex-Appeal oder so zu tun. Eher mit persönlicher Verbindung.
Ich sehe Musik und du?
Kennt ihr den wunderbaren Frank Turner? Jahrelang sagte der Mann zu Hause: „Der Frank, der sagt immer die Wahrheit.“ Aber ich habe mal wieder nicht so genau zugehört. Wer ist das überhaupt, dieser Frank? Dann wurde ich als +1 auf ein Konzert mitgenommen. Oh. DAS ist Frank! Dieser weise Poet ist gerade mal zwei Jahre älter als ich! Und so nett! Und wenn er lächelt, lächeln alle mit. Vielleicht sollte ich mir seine Texte mal genauer anhören. Oh. (Und dass er gut aussieht wollen wir auch nicht unter den Tisch fallen lassen.)

Gut, so ist das mit der Sympathie. Aber ganz so einfach ist das dann doch nicht. Um ganz ehrlich zu sein: Ich glaube, ich könnte ein Lied lieben oder hassen – je nachdem, wer am Mikro steht. Wer singt eigentlich das nächste Lied? So ein richtig netter, glatter, Radio-Schnösel-Typ? Uaaaahhh!

Oh, nein, das ist ja Josh Homme. Der hünenhafte, ultra-coole und vielleicht ein wenig angsteinflößende Sänger der Queens of the Stone Age!

(Oh und wer hängt denn da im Video noch so rum? Oh ja, das sind ja der wunderbare Dave Grohl (Foo Fighters/Nirvana) und Mark Lanegan!)

Oder mal andersrum: Geir Zahl, Gitarrist und Teilzeit-Sänger meiner Lieblingsband Kaizers Orchestra? Nicht gerade der Typ Mann, der einem bei Sonnenuntergang Liebesgedichte ins Ohr flüstert. (Kaizers Orchestra tragen mit ihrer ganz eigenen Optik übrigens auch hervorrangend dazu bei, eine gewisse Stimmung zu schaffen. Vermutlich ein sehr entscheidender Punkt, warum sie meine Lieblingsband sind.)

Und doch hat er zwei ganz fantastische, wunderschöne, leicht grummelige Singer/Songwriter-Alben veröffentlicht. Nein, Geir Zahl ist nicht der beste Sänger. Nein, er ist vermutlich nicht Everbody’s Darling. Gut so. Sonst würde ich seine Musik auch nur halb so sehr lieben. (Kauft seine Alben, damit er mehr davon macht!)

Und dann gibt es wiederum Bands, die müssen sich gar nicht zeigen. War jemand auf der letzten Tour von Portugal. the man? Kann mir jemand sagen, wo der Schlagzeuger war? Ich glaube, sie haben ihn hinter der Bühne versteckt. Nein, diese Band macht kein großes Aufsehen um das Personal. Bilder erzeugt sie auch so genug. (Dieses Video ist ein bisschen eklig – aber was für ein fantastisches Lied! Wenn ihr euch leicht ekelt, dann hört einfach nur zu.)

Mir gehören nicht die Rechte an der Musik oder den Videos. Ich habe sie nicht hochgeladen. Ich gehe davon aus, dass sie rechtmäßig hochgeladen wurden. Wenn nicht, dann sollen YouTube und Vimeo sich darum kümmern.

Larissa//No Robots Magazine

Larissa ist die Chefin des No Robots Magazines. Sie ist 32 Jahre alt und lebt mit Mann und Kind in München.

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1 Kommentar

  1. Ob mir ein Lied gefällt oder nicht, ist unabhängig von Musiker,Band und Genre. Es muss zackig sein. Meine Gedanken, mein Verhalten und mein Wesen muss wiederspiegelt werden. Der Beat, der Sound muss zu mir passen. Und sich anfühlen wie eine zweite Haut.

    Habe schon öfters darüber nachgedacht, ob der persönliche Musikgeschmack etwas über die eigenen Charaktereigenschaften verrät. Im Bezug auf andere bin ich mir unschlüssig. Begutachte ich meine Playlist entdecke ich viele Ähnlichkeit. Ich werde weiter daran forschen. 😉

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