Michael Keaton ist Riggan Thomson ist Birdman
Kommentare 1

Im Kino: Birdman

Birdman (Oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit) gilt neben Grand Budapest Hotel als großer Favorit der Oscar-Verleihung am Sonntag. Ob verdient oder nicht, dazu könnt ihr euch aktuell im Kino eine Meinung bilden.

„Gucken wir uns Birdman an?“
„Wer spielt da mit?“
„Michael Keaton.“
„Wer ist das?“
„Der war vor zwanzig Jahren mal Batman.“
Michael Keaton ist Riggan Thomson. Und Riggan Thomson war vor zwanzig Jahren mal Birdman, der schwarz-gefiederte Held einer Comic-Verfilmung, mit einem Schnabel maskiert, der nur die Mundpartie sichtbar lässt.
Michael Keaton als BirdmanAuch heute boomt bekanntlich die Comic-Filmindustrie. Doch die Helden unserer Zeit sind andere. Riggan möchte nicht mehr Birdman sein, seine glamourösen Tage sind lang vorbei und das Vermögen neigt sich dem Ende zu. Er leidet unter der großen Angst, in der Bedeutungslosigkeit zu versinken, hört batmanartige Stimmen und scheint noch dazu von Halluzinationen geplagt. Den Kontakt zur modernen Welt, verkörpert durch seine Tochter Sam (Emma Stone, ihres Zeichens Freundin von Spider-Man), hat er längst verloren. Um seinem Leben wieder Sinn zu verleihen, versucht sich der einstige Hollywood-Liebling am Broadway, als Autor, Regisseur und Darsteller in der Adaption der Kurzgeschichte „What We Talk About When We Talk About Love“ von Raymond Carver. Wenige Tage vor der Premiere stößt unverhofft der Theater-Star Mike Shiner (Edward Norton, der mal „der unglaubliche Hulk“ war, bevor er sich mit den Produzenten zerstritt und durch Mark Ruffalo ersetzt wurde) zum Ensemble (mit Naomi Watts und Andrea Riseborough), der das Stück vor vernichtenden Kritiken retten könnte. Könnte, wenn er sich nicht ständig mit seinen Kollegen zerstreiten würde.
Birdman ist ein Film, bei dem viel hätte schief gehen können. Was, wenn Michael Keaton Nein gesagt hätte? Hätte Birdman überhaupt mit einem anderen Hauptdarsteller Sinn gemacht? Was, wenn die restlichen Darsteller nicht über das Schauspieltalent verfügen, das der Film ihnen zuspricht? Was, wenn im Plot der letzte Funke nicht entflammt und er in halb-komödiantischer Belanglosigkeit verweilt?
Ich habe vor Kurzem erklärt, dass Grand-Budapest-Hotel-Regisseur Wes Anderson einer der wenigen Regisseure ist, die ihr Projekt bis ins kleinste Detail in den Händen halten. Alejandro González Iñárritu (Amores Perros, 21 Grams, Biutiful)  ist ebenfalls ein solcher Regisseur. Nicht nur als Regisseur agierend, sondern außerdem Drehbuchautor und Produzent, lässt sein Film dem Zuschauer von Anfang bis Ende keine Sekunde, um zur Ruhe zu kommen – ähnlich wie „What We Talk About When We Talk About Love“ Riggan den Schlaf raubt. Die Kamera erschafft den Eindruck, man würde Riggan und seinen Kollegen in einem Zug durch das Theater folgen – scheinbar ohne Schnitt, wie im echten Leben. Keaton verleiht dem Film durch seine eigene Vergangenheit nicht nur Bedeutung und das gewisse Etwas, er beweist auch, dass gealterte Comic-Helden durchaus über Talent verfügen können. Auch seine Kollegen sind fantastisch – besonders Edward Norton hat mich sehr beeindruckt -, aber auch für Emma Stone sehe ich durchaus Chancen auf den Oscar.
Und wer ist nun mein großer Oscar-Favorit – Birdman oder Grand Budapest Hotel? Ungmöglich zu entscheiden, denn das wäre wie, wenn man eine perfekte Torte mit einem guten Gespräch vergleichen würde: Grand Budapest Hotel besticht mit einem liebevoll gestalteten Setting, dafür ohne nennenswert tiefgründige Handlung. Während sich Birdman optisch im vergleichsweise konventionellen Rahmen hält, dagegen aber eine Geschichte besitzt, die einen nicht so schnell loslässt und die Stoff für Diskussionen und Interpretationen bietet.
Wer am Ende überlegen ist oder ob beide von einem anderen ausgestochen wird, das werden wir am Sonntag erfahren.

Welcher Film ist euer Favorit?

Filmfakten:

Darsteller: Michael Keaton,  Edward Norton, Zach Galifianakis,Andrea Riseborough, Amy Ryan, Emma Stone, Naomi Watts
Regie: Alejandro G. Iñárritu
Produktion: Alejandro G. Iñárritu, John Lesher, Arnon Milchan, James W. Skotchdopole
Drehbuch: Alejandro G. Iñárritu, Nicolás Giacobone, Alexander Dinelaris, Jr., Armando Bo
Kamera: Emmanuel Lubezki
Lauftzeit: 119 Minuten
FSK: ab 12 Jahren

Larissa//No Robots Magazine

Larissa ist die Chefin des No Robots Magazines. Sie ist 32 Jahre alt und lebt mit Mann und Kind in München.

Letzte Artikel von Larissa//No Robots Magazine (Alle anzeigen)

1 Kommentar

Schreibe eine Antwort