Jeder Körper ist schön – außer der dünne

Da ist es wieder: „Kim Kardashian ist ein großes Vorbild. Seht euch diese Kurven an! So etwas mögen Männer! Kein Mann mag eine dünne Frau!“, schreit mir die Bildergalerie entgegen. Und ist sich vermutlich gar nicht im Klaren, was sie damit anrichtet.

Um das Gewicht der Frau ist schon seit einiger Zeit ein großer medialer Kampf entbrannt. Gewisse Hausfrauenblätter präsentieren ihren Leserinnen Woche um Woche die besten Diät-Tipps. Während andere Magazine die gesamte Medien-Welt für ihren Schlankheitswahn an den Pranger stellt und Frauen ans Herz legt, mehr Mut zu Kurven zu zeigen.
Die Schönheit der Frau könnte man ewig disktutieren. Wer hat denn nun recht mit seinem Schönheitsideal? Die Modeschauen mit ihrer Verehrung des Size Zero? Oder Peter Paul Rubens? Oder vielleicht doch irgendwo in der Mitte?
In der Schönheit gibt es kein Ideal. Es gibt nur Menschen. Und es gibt Vorlieben. Und die sind zum Glück bei jedem verschieden.
Dass die Medienhetze um das Gewicht der Frau aufhören muss, sollte mittlerweile jedem klar sein. Diskriminierung ist scheiße. Aber man sollte auch mal mit zwei Lügen aufräumen. Die Lüge um die schlanke Frau.
Falls es den Eindruck erwecken sollte: Es ist nicht meine Absicht, irgendwen anzugreifen! (Außer diejenigen, die andere angreifen…)

Jeder Körper ist schön – außer der dünne

1. Magersucht ist ein gesellschaftliches Problem

Magersucht ist ein Problem. Natürlich. Magersucht ist eine Krankheit. Eine schlimme Krankheit, die man ernst nehmen sollte. Aber jetzt seien wir mal ehrlich: Ein gesunder Mensch wird nicht krank, nur weil er sich dämliche Bilder in Magazinen ansieht. Ein Mensch mit einem gesunden Körper, gesunden Gehirn, gesundem sozialen Umfeld steckt das weg. Denkt sich vielleicht: Scheiße, ich möchte auch so aussehen. Aber reicht das, um sich zu Tode zu hungern? Nein, ich denke nicht. Dazu gehört mehr.  Und um dieses „mehr“ muss man sich sorgen. Was es auch immer im individuellen Fall ist. Oft hören Menschen auch gar nicht aus einem Schönheitswahn heraus auf zu essen, sondern aus gänzlich anderen Gründen.
Und dazu muss man auch betonen: Nicht jede untergewichtige Frau ist magersüchtig. Manche Frauen sind einfach dürr. Manchmal ist das eben so. Dagegen kann eine Frau mit Magersucht und Essstörung vielleicht gar nicht unterernährt aussehen.
Also, ja, Magersucht ist ein Problem. Aber kein gesellschaftliches Problem. Laut Schätzungen des BZgA waren 1998 etwa 0,3 Prozent der der 14–24-jährigen Frauen  an Magersucht erkrankt. Das ist traurig. Aber stellen wir mal eine andere Zahl dieser gegenüber: Nach Zahlen der Universitätsmedizin Leipzig ist jeder zweite Deutsche übergewichtig, 23 Prozent sind sogar adipös. Traurige Zahlen: 6 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind fettleibig.
Kann es also der richtige Weg sein, Size Zero mit „dick ist toll“ zu bekämpfen? Muss es immer das Extrem sein?

Jeder Körper ist schön – außer der dünne

2. Dünne Frauen sind glücklicher

Und kann es der richtige Weg sein, Size Zero und möglicherweise auch sein eigenes schlechtes Sebstwertgefühl mit „kein Mensch mag dünne Frauen“ zu bekämpfen?
Ich bin 1,81m groß. Ich wiege wenig. Früher wog ich noch weniger. Niemals mit Absicht. Ich bin eben so. So lange ich gesund bin, ist das okay.
Als Kind galt ich als „dürres Hemd“. Aber als Kind interessiert einen das nicht. Mit zehn wurde ich das erste Mal gefragt, ob ich magersüchtig sei. Danach kamen sie immer wieder, die dummen Sprüche: „Warum isst du denn nichts?“ „Du bist ja magersüchtig, da gucken ja schon die Knochen raus!“ Ich aß und aß und nahm kein Gramm zu. Bei manchen Menschen ist das so. Ich kenne andere, denen es genau so geht.
Niemals hatte ich irgendeinen Vorteil daraus, dass ich dünn war. Oder groß. Denn Männer mögen keine dünnen Frauen. Schon vergessen? Ich habe das nicht vergessen. Ich konnte das nicht vergessen. Immer wieder protzte ein Magazin mit dem schönen Titel „Jede Frau ist schön“, um sich gleich nur an eine Zielgruppe zu richten: „Sei stolz auf deine Kurven – dünne Frauen mögen wir nicht“. Und du sitzt da und denkst: Ich habe aber nun mal keine Kurven. „Schäm dich, dass du anders aussiehst!“, brüllt das Magazin. SCHÄM DICH!
Ist das der richtige Weg, um Menschen ein glückliches Körpergefühl zu vermitteln? Bestimmt nicht.

Jeder Mensch ist schön. Wenn man es selbst sieht, dann sehen es auch die anderen. Manche Menschen sind krank, und das ist traurig. Man sollte sie nicht angreifen, sondern ihnen helfen. Die meisten Menschen aber sind gesund. Sie sollten das schätzen und gut mit ihrem Körper umgehen. Ihn vernünftig ernähren. Ihn vernünftig bewegen. Ihm helfen, weiterhin gesund zu bleiben. Das ist schön. Egal, was der BMI sagt. Andere für ihr Aussehen zu beleidigen macht dagegen niemanden schöner.

 

Larissa//No Robots Magazine

Larissa ist die Chefin des No Robots Magazines. Sie ist 32 Jahre alt und lebt mit Mann und Kind in München.

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