What's App gehört heute zu unserem Alltag
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„Katrin hat dich zu der Gruppe ‚Geschenkideen unter 50 Euro für Steffi‘ hinzugefügt“

Nein, ganz sicher nicht!

Letzten Samstag war es mal wieder so weit: Die Mitfahrgelegenheit meines ältesten Sohnes zu seinem allwöchentlichen, sonntäglichen Fußballspiel löste sich in Luft auf, weil der Sohn der Mitfahrgelegenheit krank geworden war.

Was folgte, war natürlich die hektische Suche nach einem Platz im Auto Richtung Auswärtsspiel. Ich tauschte mit der Mutter des erkrankten Kindes SMS aus. Sie schrieb in der Fußball-Gruppe auf WhatsApp, dass noch ein Platz benötigt wird. Ich schrieb einer Mutter via Threema. Die schrieb zurück, dass sie das bereits in der WhatsApp-Gruppe gesehen habe, aber keinen Platz mehr frei hätte. Ich schrieb einer anderen Mutter eine SMS. Irgendwann rief mich eine weitere Mutter an, um mir mitzuteilen, dass mein Sohn bei ihr mitfahren könnte. Gleichzeitig schrieb die Mutter, mit der ich über Threema kommunizierte, dass es einen freien Platz gäbe und schickte mir die Nummer der Mutter, die mich kurz zuvor angerufen hatte.

Ganz schön kompliziert? Ja. Wäre es einfacher gewesen, ich hätte das Mitfahrproblem einfach in der Gruppe „Fußball F-Jugend“ selbst gepostet und alle Antworten und Nicht-Antworten ohne Zwischenstationen annehmen und kommentieren können? Vielleicht. Ich bezweifle das, aber vielleicht. Wirklich beurteilen kann ich das nicht, denn: Ich bin in keiner WhatsApp-Gruppe. Ich bin nicht einmal bei WhatsApp.

Damals, als wir plötzlich alle anfingen, Smartphones zu besitzen, hatte ich kurzzeitig WhatsApp installiert, vielleicht waren es insgesamt drei Wochen. Dann führte ich ein Interview mit einem Datenschützer, der regelmäßig in Schulen geht, um Kinder über ihre Rechte und Pflichten im Internet zu informieren, und am selben Abend löschte ich WhatsApp von meinem Smartphone. Ich könnte hier jetzt aufschreiben, was WhatsApp mit den Daten seiner User macht (und damals hatte Facebook noch nicht die Finger im Spiel), dass wir über Server sprechen, die nicht mal im Ansatz an europäisches oder gar deutsches Recht gebunden sind, aber ganz ehrlich: Im Grunde ist das bekannt, also was soll ich hier oberlehrerhaft über Dinge schreiben, die ich nicht halb so gut erklären kann wie dieser Datenschützer.

WhatsApp gehört heute zu unserem Alltag

Foto: Unsplash

Mein Mann und ich löschten also WhatsApp und installierten Threema, in erster Linie, um uns Bilder von unseren Kindern zu schicken, die dann nicht auf irgendeinem Server in Brasilien abgespeichert werden konnten. Lange Zeit waren wir beide recht allein. Meine Schwester gesellte sich zu uns, weil sie auch mal Bilder von den Kindern haben wollte, doch das war’s dann. Und während WhatsApp von Facebook aufgekauft wurde und diese legendären Gruppen entstanden, zu denen man hinzugefügt wurde oder auch nicht, chatteten mein Mann und ich gemütlich und verschlüsselt vor uns hin. Mittlerweile zählt meine Threema-Liste immerhin schon 19 Kontakte, die meisten davon WhatsApp-Nutzer, die Threema wegen Leuten wie mir installiert haben. Meistens bin ich dann die einzige, die ihnen über Threema schreibt.

Seit dem letzten Jahr bietet WhatsApp ebenfalls verschlüsselte Nachrichten an – habe ich jedenfalls gelesen. Ich habe allerdings auch gelesen, dass diese Verschlüsselung ein Witz sein soll und das finde ich beinahe noch schlimmer als die normale Social-Media-Attitüde „Ich bin kostenlos und dafür zahlst du mit deinen Daten“-Verschlüsselung vorzugaukeln ist einfach kriminell.

Doch selbst wenn WhatsApp hundertprozentige Datenverschlüsselung gewährleisten könnte – ich würde trotzdem nicht kommen. Warum? Die Twitter-Sprüche vor buntem Hintergrund. Die Emoticon-Bildchen an Silvester, Ostern, Weihnachten. Und. Die. Gruppen. Nie im Leben möchte ich zu einer WhatsApp-Gruppe hinzugefügt werden, denn das, was ich darüber auf Twitter lese und das, was mir meine Fußball-Mutti-Kollegin ganz oldschool am Schultor darüber erzählt, reichen vollkommen aus, um zu wissen, dass ich aus dem Mich-aufregen nicht mehr herauskommen würde. Und ich weiß, dass auch ich zu vielem meinen Senf dazugeben würde, um mich dann am nächsten Tag über diese elenden WhatsApp-Gruppen aufzuregen. Die Hölle sind immer die anderen.

Also sollen ruhig andere diese Gruppen gründen. Bis in die Nacht hinein diskutieren, was ein angemessenes Geschenk für die Fußballtrainerin wäre. Lustige Sprüche verschicken, die irgendwo im Internet abgeschrieben wurden. Und ihre Daten einer Krake in den weit geöffneten Schlund werfen. WhatsApp? Gerne. Aber ohne mich!

Julia

Julia, *1980, schreibt sonst fröhlich-subjektiv auf juliliest.net, dem Blogazine für Familien, die gerne lesen. Im wahren Leben Literaturwissenschaftlerin - also alles und nichts. 

1 Kommentar

  1. Stefan

    Schöner Artikel! Ich nutze auch seit Jahren Threema und bin seit etwa einem halben Jahr weg von WhatsApp.
    Hauptgrund: Man wurde oft ungefragt zu Gruppen hinzugefügt (das alleine ist nicht schlimm) in denen mir unbekannte Leute sind, die dann automatisch natürlich meine Nummer haben (und das ist schlimm).
    Ganz abgesehen von der sozialen Überwachung, wo jeder immer sieht wenn man die App gerade geöffnet hat und natürlich sofort eine Antwort erwartet wird. Gerne auch von Kollegen oder Vorgesetzten – auf meinem Privat-Handy. Ohne mich.
    Mittlerweile habe ich 84 Kontakte bei Treema, das bildet den wichtigsten Kreis an Freunden und Familie ab. WhatsApp hat ausgedient.

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