Taking yourself seriously? Dull! Have fun, be Dave Grohl
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Leute, die gut sind: Dave Grohl

Habt ihr es gehört? Dave Grohl von den Foo Fighters war in den letzten Tagen in allen Boulevard-Spalten, nachdem er sich bei einem Bühnensturz das Bein brach und trotzdem das Konzert zuende spielte. Mein Mann möchte an dieser Stelle auch noch mal besonders die restliche Band loben, die zur Überbrückung eine Stunde lang improvisierte. Zeit, sich endlich mal diesem tollen Mann zu widmen.

Die Foo Fighters sind ohne Zweifel eine der größten Rockbands unserer Zeit. Und Dave Grohl ist nicht nur Sänger ebendieser, sondern war auch schon Schlagzeuger von Nirvana – und ist damit eine der wichtigsten Figuren der Rock-Superlative der letzten zwanzig Jahre. Stadion-Rockbands interessieren mich eigentlich wenig. 30 Seconds to Mars oder wie sie alle heißen gehen in der Regel an mir vorbei, ohne dass sie einen nennenswerten Eindruck machen. Aber die Foo Fighters, die mag ich wirklich. Und vor allem ist Dave Grohl eines der wenigen großen Rock-Idole, die es sich lohnt, richtig gut zu finden.
Grohl, 1969 in Ohio geboren, war ein kleines Schlagzeuger-Wunderkind, das bereits durch verschiedene Bands getingelt ist, bevor es 1990 mit einundzwanzig zu Nirvana stieß. Die hatten mit „Bleach“ schon einen kleinen Erfolg verzeichnen können, aber mit Grohl als neuen Mann an den Drums nahmen sie die „Nevermind“ auf und – Bämm! – wir wissen ja alle (hoffentlich), dass das Album die Musikwelt 1991 ordentlich erschütterte. Aber wir wissen auch alle, wie die Geschichte weitergeht: 1994 nahm Kurt Cobain sich das Leben und ließ Fans und Kollegen geschockt zurück.

Coolest guy in the biz: Dave Grohl
Um Bassist Krist Novoselic ist es seither ruhig geworden. Dave Grohl konnte nicht ohne Musik. Mehr oder weniger  zu Therapiezwecken schrieb er Songs und nahm schließlich ganz alleine ein Album auf. Aber es sollte kein Solo-Projekt werden. Dave Grohl ist kein Einzelgänger. Er suchte sich neue Mitstreiter und gründete eine Band mit dem seltsamen Namen Foo Fighters. Damit Erfolg zu haben stand 1995 vermutlich nicht auf der Agenda.
Mittlerweile hat die Band acht Alben veröffentlicht. Fünf davon haben es in die Top Ten der deutschen Album-Charts geschafft.
Warum mag ich die Foo Fighters, obwohl ich Stadion-Rock doof finde? Ich meine, man muss schon zugeben, dass einige ihrer Songs schon ziemlich kommerziell sind. „Walk“ von der „Wasting Light“ zum Beispiel:


Foo Fighters — Walk

Aber andererseits, Songs wie „The Pretender“ rocken schon und machen ordentlich Spaß.

Und dann gibt da ja noch „Everlong“, das bestimmt kein 08/15-Stadion-Rock ist.

Und vor allem: Die Foo Fighters sind zwar bombastisch große Rockstars, aber sie haben sich selbst nie besonders ernst genommen:

Nein, wirklich, die pöbelnden Rock-Stars der alten Klasse, falls es sie noch gibt, Dave Grohl gehört nicht dazu. Der 46-Jährige gilt gemeinhin als netter Kerl und treuer Familienvater (verheiratet, drei Töchter). 2009 gab er in einer Anti-Drogen-Kampagne des BBC an, niemals Kokain, Heroin oder Speed genommen zu haben. Cannabis und LSD konsumierte er das letzte Mal mit zwanzig. Diese Rocker von heute … ganz schön öde.
Öde, ja, vermutlich. Oder einfach ein Star, der sich wirklich mal als Idol eignet. Dave Grohl ist talentiert, lustig, nett und klug. Sehr schön war zum Beispiel seine Rede beim South by Southwest 2013:

Aber zurück zur Musik. Ihr sagt jetzt vielleicht: „Gut, der Typ war Schlagzeuger bei Nirvana und singt bei den Foo Fighters. Das ist schon nicht schlecht. Aber wirklich einflussreich ist das jetzt auch nicht.“
Grohl ist heute zwar hauptsächlich als Sänger bekannt, eigentlich ist und bleibt er aber Schlagzeuger. Und als dieser hat er einen beachtlichen Lebenslauf. Er hat unter anderem für die Nine Inch Nails gespielt und für Juliet and the Licks. Für Kumpel Jack Black spielte er bei allen drei Tenacious-D-Alben das Schlagzeug ein und gibt im Video zu „Tribute“ einen Gastauftritt als Satan.

Dann ist da natürlich noch sein guter Freund Josh Homme von den Queens of the Stone Age, dem es auch immer mal wieder an Schlagzeugern mangelt. Grohl spielte zum Beispiel einige Lieder auf deren letztem Album „… Like Clockwork“ (großgroßartiges Album) und natürlich nahm er die gesamte „Songs for the Deaf“ mit auf … inklusive Hit-Single „No One Knows“.

Und wenn wir schon bei Josh Homme sind … Nicht zu vergessen die fantastischen Them Crooked Vultures, eine Superband bestehend aus Grohl, Homme und John Paul Jones von Led Zeppelin am Bass. Und die sind ebenfalls absolut fantastisch.

Aber das war nur eine kleine Auswahl an Grohls musikalischen Projekten. Wie schafft der Mann es eigentlich, nebenbei noch drei Kinder großzuziehen?
Dave Grohl ist einfach eine coole Sau. Anders kann man es nicht sagen. Und wenn das alles noch nicht reicht: Er hat sich auch noch von einem pferdegesichtigen Jungen zu einem echt heißen Typen entwickelt … und ist damit wieder einmal das beste Beispiel dafür, dass Männer im Alter schöner werden, wenn sie sich nur ein bisschen Mühe geben.
Hands down.

Larissa//No Robots Magazine

Larissa ist die Chefin des No Robots Magazines. Sie ist 32 Jahre alt und lebt mit Mann und Kind in München.

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3 Kommentare

  1. Yeah! Dave Grohl – ich kann EA nicht anders ausdrücken – rockt einfach! Ich liebe die knallharte Selbstironie und finde auch, dass nicht randalierende Rockbands nicht langweilig sind. Jenseits der 40 noch Hotelzimmer zu verwüsten und betrunken durch Clubs zu ziehen ist irgendwie eher kindisch als Rock ’n Roll, oder?

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