These guys are good. But why? Top Gear.
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Leute, die (irgendwie) gut sind: Jeremy Clarkson und Kollegen

Ich bin ja eher öko veranlagt. Umwelt- und Tierschutz sind für mich ganz zentrale Fragen des Alltags. Ich versuche, Verschwendung zu vermeiden, Strom und Heizung laufen so wenig wie möglich (ich sage nur: permanentes Stand-By ist doof!), ich nehme sogar aus Umweltgründen meistens die Treppe statt Rolltreppe oder Aufzug. Ihr könnt euch also vorstellen, dass ich kein großer Auto-Fan bin und über jegliche unnötige Fahrten die Nase rümpfe. Man sollte daher meinen, dass die BBC-Sendung Top Gear (zu sehen auf DMAX oder Netflix) mein absoluter Albtraum ist.
Hattet ihr schon mal das ADAC-Magazin in den Händen? Darin werden ja bekanntlich „ganz objektiv“ die neuesten Autos getestet und nebenbei finanziert sich das Blatt über Werbung für Rentner-Reisen und Treppenlifte. Das britische TV-Automagazin hat damit wenig zu tun. Zwar gibt es auch dort Testfahrten und News … allerdings begleitet von flapsigen Sprüchen und sinnlosem Verheizen oder Zerstören von (zum Teil ziemlich teuren) Karren. Gefällt den  Moderatoren ein Wagen nicht, wird er ganz unverblümt niedergemacht. Dazu gibt es öfter Rallyes durch ferne Länder, gespickt mit irrsinnigen Aufgaben: mit klapprigen Gebrauchtwagen durch Afrika oder wie viele Italiener passen in einen Fiat Panda? Oder wie wär’s mit einem Rennen querfeldein in elektrischen Rollstühlen gegen gehandicapte Ex-Soldaten? Top Gear wird zwar von älteren Herren gemacht, ist aber alles andere als ein Altherren-Verein.
Richard Hammond Jeremy Clarkson James MayTop Gear gibt es seit 1977, Anfang der Neunziger stieß Jeremy Clarkson dazu. 1999 stieg Clarkson aus, die Zuschauerzahlen rauschten in den Keller. 2002 wurde das Format daraufhin in neuer Form wiederbelebt, wieder mit Clarkson an der Spitze, begleitet von Richard Hammond und kurz darauf James May. Seither lief die Sendung in einundzwanzig Staffeln.
Nun, ich interessiere mich nicht für Autos (sorry, Papa!). Ich mag vielleicht noch Oldies, aber auch am liebsten im Museum, wo sie die Luft nicht verpesten. Aber ich gucke gerne Top Gear. Und ich muss ehrlich zugeben, dass ich es manchmal sogar ganz alleine gucke und nicht, weil der Mann es so will. Warum? Ja, warum nur? Ich mag die Anarchie, die die Sendung umweht, auch wenn sie gegen alle meine moralischen Prinzipien verstößt.  Ich mag den Wahnsinn und die raue Art der Moderatoren, untereinander und auch in der Welt, in der sie sich bewegen. Gefälligkeit für irgendwelche PR-Typen gibt es hier nicht. Auch wenn ich oft denke, dass bei ihren Abenteuern noch mal jemand zu Tode kommt (tatsächlich hatte Hammond 2006 während der Sendung einen lebensbedrohlichen Unfall) … diese drei leben einfach für ihr Ding.
Manche Kritiker behaupten, Top Gear sei Unterschichtenfernsehen ohne Inhalt. Aber dem muss ich widersprechen. Neben allem Chaos werden immer Informationen zu Autos oder Marken vermittelt, aber eben in einer unterhaltsamen Art. Wusstet ihr zum Beispiel, wie die Firma Saab entstand und wie sie schließlich zu Grunde ging? Hier eine kleine Vorschau auf den wirklich sehr interessanten Beitrag:

Top Gear wurde stets von einigen Skandalen begleitet. Immer wieder gingen Clarkson, aber auch May oder Hammond in ihren Sprüchen zu weit, rutschten zuweilen in den Rassismus ab. Letzten Monat ging Jeremy Clarkson dem BBC schließlich zu weit: Nach einer handgreiflichen Auseinandersetzung mit einem Produzenten wurde er suspendiert. Zwei Wochen später entschied das BBC, den auslaufenden Vertrag mit dem Star-Moderator nicht zu verlängern. Ist das das Ende von Top Gear?
Ich kann eigentlich nicht sagen, dass ich Clarkson besonders mag. Er ist arrogant und trägt ganz zu recht den Spitznamen „Orang-Utan“. Der schöngeistige James May oder Richard Hammond, der lustige Hamster, sind mir deutlich lieber. Aber ich verstehe die Moderation als ein Spiel der Extreme. Jeder spielt seine Rolle, ganz im typischen britischen Humor, der eben nicht zimperlich ist. Kontroverse Äußerungen habe ich als Satire und nicht als ernste Beleidigungen empfunden.
Dennoch ist es sicherlich völlig inakzeptabel, seine Kollegen zu schlagen. So war die Entscheidung des BBC vermutlich gerechtfertigt – trotz der massiven Proteste der Fans.* Dennoch: Schade, um die coole Sendung.

* Grundlage der Proteste ist auch der Fall Savile, gegen den Clarksons Entgleisung eine Banalität ist: Nach seinem Tod 2001 wurde bekannt, dass Jimmy Savile, DJ und BBC-Moderator, rund 600 meist minderjährige Mädchen sexuell missbraucht haben soll (Quelle). Hat das BBC davon gewusst und ihren Star-Moderator gedeckt? Nun, zumindest gab es schon seit 1961 Beschuldigungen gegen Savile. Von völliger Unkenntnis kann also keine Rede sein.

Larissa//No Robots Magazine

Larissa ist die Chefin des No Robots Magazines. Sie ist 31 Jahre alt und lebt mit Mann und Kind in München.

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