Leute, die gut sind: Wes Anderson
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Leute,die gut sind: Wes Anderson

Wes Andersons The Grand Budapest Hotel ist mit neun Oscar-Nominierungen einer der beiden diesjährigen Top-Favoriten. Vollkommen zurecht. Zeit, sich mal genau mit dem beispiellosen Regisseur zu befassen.

Zeichnung von Wes AndersonEs gibt viele viele tolle Filme. Es gibt sogar viele herausragend tolle Filme. Filme, mit einer packenden Story. Mit unglaublicher Kameraführung. Großartigen visuellen Effekten. Oder Schauspielern, die einen einfach nur sprachlos zurücklassen. Aber wie oft denkt ihr nach einem Film: „Wow, das war eine fucking großartige Regiearbeit?“ Wie viele Regisseure außer Steven Spielberg und James Cameron kennt ihr überhaupt? Selbst ich, die wirklich wirklich viele Filme gucke, kann nur wenige Regisseure aufzählen, die  mich nachhaltig beeindruckt haben. Edgar Wright zum Beispiel. Und Wes Anderson.
Irgendwo habe ich gelesen, Wes Anderson sei auf großen Filmveranstaltungen so etwas wie der schrullige Cousin, mit dem niemand so richtig etwas anfangen kann. Der 45-jährige Texaner hat den Charme eines ewigen Teenagers, ähnlich wie sein guter Kumpel Owen Wilson, den er bereits während des Studiums kennengelernt hat (Anderson hat übrigens Philosophie studiert). Zusammen schrieben sie Andersons ersten Film Bottle Rocket, und Wilson hat seither in jedem Film seines Freundes mitgespielt, außer Moonrise Kingdom.
Und da fängt’s ja erst an: Schauspieler. Jason Schwartzman war bisher fünfmal mit von der Partie. Angelica Huston dreimal, ebenso Adrien Brody. Bill Murray scherzte sogar mal, er würde nur noch arbeiten, wenn Wes einen neuen Film dreht: Seit 1998 war er bei jeder Produktion wenigstens für einen Cameo-Auftritt dabei.
Das zeigt zum einen, dass Wes Anderson eine Clique hat, mit der er echt dicke ist. Und dass er kein noch so kleinstes Detail aus der Hand gibt. Und das macht ihn (ebenso wie Edgar Wright) so grandios. Wes Anderson hat in allen seinen wichtigen Filmen nicht nur Regie geführt, sondern auch das Drehbuch geschrieben und produziert. Ein Wunder, dass er nicht auch noch die Kamera bedient … Aber natürlich hat er auch dafür einen  Mann, der ihm jedes Mal zur Seite steht (Robert D. Yeoman).
Man kann Anderson möglicherweise vorwerfen, dass seine Geschichten nicht immer die spannendsten sind: Eine seltsame Familie voller Liebesschwierigkeiten (The Royal Tenenbaums), drei Brüder, die Zug fahren (The Darjeeling Limited) oder ein Concierge und sein Lobby Boy auf der Flucht vor einem wütendem Erben (The Grand Budapest Hotel). Müssen sie auch gar nicht. In diesen Filmen gibt es so viel zu erleben, dass es nur ablenken würde, wäre die Geschichte allzu fesselnd. Angefangen von den skurril-liebenswürdigen Charakteren, dem aufwendig schrulligen Kostümen, über Yeomans Kamera bis zu der perfekten musikalischen  Untermalung. Achtet allein mal auf die Farben. Für jeden Film hat Anderson eine strenge Farbpalette, die sich stringent durch den Film zieht (anschaulich gemacht hier).
Ich habe The Grand Budapest Hotel letztes Jahr zweimal im Kino gesehen und beim zweiten Mal hat er mich noch mehr begeistert als beim ersten Mal. Denn erst wenn die Handlung zur Nebensache wird, hat man genug Gelegenheit um all die kleinen Details zu würdigen. Erinnert ihr euch an Kovacs‘ (Jeff Goldblum) Flucht vor Killer Jopling (Willem Dafoe) (übrigens gefilmt im Zwinger in Dresden)? Achtet beim nächsten Mal nicht nur an das unfassbar gute Licht-Schatten-Spiel der Kamera, sondern auch die perfekte musikalische Untermalung.
Wes Anderson hat bisher eine gute Handvoll Filme gemacht. Manchen lassen sie vielleicht etwas verwirrt zurück, aber die meisten davon sind heute Kult. Von der Academy wurde er dennoch weitestgehend ignoriert, bekam mit Glück vielleicht mal ein oder zwei Nominierungen. Dieses Jahr sind es neun. Es wurde auch mal Zeit.

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Larissa//No Robots Magazine

Larissa ist die Chefin des No Robots Magazines. Sie ist 32 Jahre alt und lebt mit Mann und Kind in München.

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