Teenager in Liebe
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Liebe mit fünfzehn

Die Wahrheit ist doch, bis du dich verliebst, kennst du ihn nicht – den Unterschied zwischen Schmetterlingen in deinem Bauch und den Nachwirkungen eines Döners mit extra viel Zwiebeln. Du liegst im Gras und er zeigt nach oben in den Sternenhimmel. Er sagt: „Das ist der große Wagen.“ Das weißt du, aber es ist völlig egal. In diesem Moment ist es der schönste Satz der Welt. Eigentlich schaust du auch nicht richtig hin, du schaust nur auf ihn. Auf ihn und seinen Mund und denkst: „Wenn er mich nur endlich küssen würde.“ In diesem Moment bist du verloren, dort auf dieser Wiese zwischen den Sternen und seinen Lippen. Dann trifft es dich, dieses Gefühl, zum alleresten Mal und egal, wie sehr du es irgendwann versuchen wirst. Es wird nie wieder weggehen.

Niemand kann dir erklären, wie Liebe ist. Es findet alles seinen Weg – unvermittelt, unvorstellbar. Liebe ist nicht wie in den Filmen und Büchern. Er wirft keine Steine an dein Fenster im Morgengrauen und steht nicht mit diesem einen Rosenstrauß vor deiner Tür. Vermutlich wirst du ihn nie im Regen küssen. Wir denken, wir wissen, wie unser Prinz aussehen sollte, was er tun müsste, damit es Liebe ist.

Und dann ist dort auf einmal nur deine eigene Geschichte. Die, die noch nie erzählt wurde. Und dir wird klar, woran man erkennt, dass es Liebe ist. Daran, dass all die Regeln nichts gelten. Weil Liebe nur eines bedeutet: dass man sich nicht aussuchen kann, wen sie treffen soll. Es macht keinen Sinn, nach dem Mann aus den Filmen und Büchern zu suchen.

Teenager in Liebe

Foto: Unsplash/Jenelle Ball

Und ihr geht ein Stück des Weges gemeinsam, ihr wachst zusammen auf und enger aneinander. Jedes Mal, wenn du in seinen Armen weinst, dreht er deine Haarsträhnen um seine Finger. Weil er weiß, dass dich das beruhigt. Er sagt: „Alles wird gut, ich liebe dich.“

Du wusstest nicht, damals mit siebzehn, dass es das letzte Mal sein würde, dass du in seinem Armen weinst. Dass nicht alles für immer bleibt. Dass du nun allein in einen Berg aus Taschentüchern weinst, während du sein T-Shirt trägst und deine Gedanken nur darum kreisen, wie es gewesen wäre, wenn es gewesen wäre, wie in den Filmen. Jetzt wünschst du dir, dass er Steine an dein Fenster wirft. Weil der Schmerz so groß ist. Aber auch, weil es einen so unvermittelt trifft. Die Erkenntnis, dass das Leben nicht nur weiter, sondern voranschreitet. Dass man wächst, mit anderen und an ihnen, aber vor allem durch sich selbst. Nicht sofort, aber bald kennst du die Antwort, warum du dir um drei Uhr morgens inmitten der Taschentücherberge gewünscht hast, dass er Steine an dein Fenster wirft. Nicht, weil du seine Arme brauchtest. Denn du warst dabei zu lernen, dich selbst zu halten. Die Erinnerung zu lieben, weil sie deine Erinnerung war. Du hattest dir das Klicken der Steine gegen die Scheibe gewünscht, weil deine erste Liebe eben macht, dass du dich wie in einem Film fühlst.

Dieser Beitrag erschien in der Ausgabe „#4 Freaks & Geeks“ des No Robots Magazines. Lies hier kostenlos das komplette Magazin!

Corinne

Corinne, *1982, ist Autorin des makellosmag. Dort schreibt sie über das Leben und unseren Platz in der Welt - und vor allem über die Stupidität unserer Gesellschaft.

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