Schuhe an, auf zum Einzelhändler
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Lokal kaufen dank Internet

Wir alle lieben das Internet. Wozu auch noch etwas offline erledigen, was auch online funktioniert? Ich fülle lieber Online-Formulare aus, anstatt beim Pizza-Lieferservice anzurufen. Neue Freunde finde ich auf Facebook. Und selbstverständlich ist Online-Shopping eine großartige Erfindung. Nicht mehr lange und es wird völlig normal, sogar Lebensmittel online zu bestellen. Aber eigentlich ist das alles nicht der richtige Weg.

Es ist nicht alles Gold, was online ist

Sie müssen nicht zum Amazonas reisen, wenn es Bücher bei Ihnen um die Ecke gibt.

Das steht auf einem Poster im Schaufenster der kleinen Buchhandlung bei mir um die Ecke. Als ich das Poster entdeckte, hatte ich noch nie einen Fuß in den Laden gesetzt. Ich reise nämlich gerne zum Amazonas, wenn ich irgendetwas brauche. Aber wieso eigentlich? Bei der nächsten Buchbestellung habe ich es mal anders gemacht und gleich im Laden bestellt. Am nächsten Tag war die Lektüre da, und alle waren glücklich.
Sie müssen nicht zum Amazonas reisenOnline-Shopping ist super bequem. Wer liebt es nicht? Bevor ich mir ein Produkt kaufe, recherchiere ich meist sowieso ausgiebig online, ob sich die Anschaffung lohnt. Was sagen die Kundenbewertungen? Größtenteils gut? Super, dann ab in den Warenkorb.
Aber dann stößt mir das Ganze doch auch immer wieder sauer auf. So wahnsinnig praktisch ist es am Ende dann nämlich auch nicht immer. Man muss auf die Post warten, die dann vielleicht gar nicht klingelt, sondern direkt einen Zettel einwirft, sodass man den nächsten Samstagvormittag in der Schlange vorm Schalter verbringt. Selbst von unseren Versuchen, an die Packstation liefern zu lassen, kam das Paket bisher zwei- von dreimal nicht bei uns an.
Das nervt. Aber das ist ja noch lange nicht alles.
Online-Shopping ist schlecht für die Umwelt. Die Post muss mehr ausliefern, Pakete verursachen Müll … und wenn ich Kleidung bestelle und jedes Teil ist einzeln in Plastik eingepackt, dann wird mir ganz übel.
Ganz davon abgesehen, dass der Einzelhandel geschädigt wird.
Es muss auch eine andere Lösung geben.

Online finden, im Geschäft kaufen

Das ist das Konzept von locafox.de, einer Suchmaschine für lokale Produkte oder auch „das Amazon für den Einzelhandel“. Die Idee dahinter ist, Produkte online zu suchen, aber trotzdem im Einzelhandel zu kaufen. Dabei verbindet Locafox die Vorteile von Online- und Offline-Shopping: Man kann sich auf der Seite über das gesuchte Produkt informieren und es auch gleich reservieren. Abholen kann man es dann im Laden um die Ecke.

Screenshot Locafox

Screenshot: locafox.de

 

Das mag auf den ersten Blick vielleicht unbequem klingen, aber es hat auch einige Vorteile: Erstmal fallen natürlich alle oben genanten Nachteile weg … und dann bietet der lokale Händler auch immer etwas, das der Onlinehändler nicht kann: Persönliche Beratung und physisches Testen des Produkts. Wie oft habt ihr schon etwas bestellt und gleich beim Auspacken gemerkt, dass euch die Verarbeitung kein bisschen passt? Oder ihr wart beim Kauf schlichtweg überfragt, ob Produkt A oder Produkt B besser zu euch passt? Seien wir ehrlich: Dinge wie Elektrogeräte, Kleidung oder vielleicht auch Sachen wie Kinderwagen muss man in der Hand halten und ausprobieren. Wie nervig ist es, wenn man erst ewig auf ein Paket wartet, um dann alles wieder zurück in den Karton zu stopfen und wieder zur Post zu bringen?
Wem der Weg zum Händler trotzdem noch zu lang ist, der kann sich auf das Same-Day-Delivery-System freuen, das es in Zukunft geben soll: online bestellt, am gleichen Tag vom Händler geliefert.

Locafox in der Praxis

Soweit zum Konzept. Aber funktioniert Locafox auch? Man muss erstmal eingestehen, dass die Webseite noch recht weit am Anfang steht und die ganze Idee natürlich mit den lokalen Partnern steht und fällt.
Als Produktkategorien stehen uns bisher „Sport & Freizeit“ (mit Fokus auf „Sport“), „Spielzeug & Baby“, „Haus & Garten“ und „Elektronik & Computer“ zur Verfügung.
Nehmen wir nun mal an, dass ich als gut assimilierter Preuße in Bayern Wanderschuhe brauche (die ich tatsächlich niemals online kaufen würde). Nun gebe ich bei Locafox meine Postleitzahl und das gesuchte Produkt an. Leider muss ich feststellen, dass das System für München noch nicht weit ausgebaut ist. Mir werden lediglich Händler in 504 Kilometer Entfernung angezeigt – in Berlin.
Okay, gut, dann nehmen wir für den Augenblick mal an, ich würde an der Adresse der Schwester meiner Oma wohnen (ist es nicht lustig, welche Informationen sich in einem Kopf festsetzen können?). Aha! Plötzlich ist der Händler nur noch 12 Kilometer entfernt. Angeboten werden mir 16 Produkte (darunter aber nicht die guten Meindl-Bergstiefel!). Welches soll ich wählen? Kundenbewertung gibt es keine, dafür soll mich ja der Händler beraten. Das ist an sich gut, einen kleinen Meinungsspiegel vor der Beratung hätte ich aber trotzdem gerne. Manche Händler erzählen einem schließlich auch das Blaue vom Himmel. Ein Klick auf das Produkt verrät mir alle nötigen Infos: Produktinformationen, Empfehlung von ähnlichen Produkten, Preis, aber auch der genaue Standort des Händlers inklusive Karte und Öffnungszeiten. Außerdem kann ich das Produkt reservieren und schließlich innerhalb von drei Werktagen im Geschäft abholen (als alter Korinthenkacker muss ich allerdings anmerken, dass „Jetzt Reservieren“ natürlich falsch geschrieben ist, es heißt selbstverständlich „Jetzt reservieren“).
Nächster Versuch: Der Mann möchte einen Reiskocher. Was hat München zu bieten? Angezeigt wird mir nur ein Produkt: Das Buch „Aus dem Eis“ (laut Produktbeschreibung über das „Kochen mit Lieblingsprodukten aus der Tiefkühltruhe“) im 365 Kilometer entfernten Görgeshausen. Das war wohl kein Volltreffer. Und wie sieht’s von meiner Pseudo-Adresse in Berlin aus? Auch da werde ich auf das Buch in Görgeshausen verwiesen. Das funktioniert ja nur mäßig.

Fazit

Online shoppen ist großartig, aber nicht das Nonplusultra. Es ist wenig nachhaltig und lässt die persönliche Beratung vermissen. Da ist Locafox ein tolles Konzept, um dem entgegenzuwirken. Mich begeistert die Idee, muss aber zugeben, dass die Funktionalität bisher noch hakt. Bleibt zu hoffen, dass sich bald genügend Händler ebenfalls begeistern lassen, um der Seite Leben einzuhauchen.
Könnt ihr euch mit dem Konzept anfreunden oder habt ihr eine andere Strategie?

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit locafox.de.

Larissa//No Robots Magazine

Larissa ist die Chefin des No Robots Magazines. Sie ist 32 Jahre alt und lebt mit Mann und Kind in München.

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2 Kommentare

  1. Was Online-Shopping angeht bin ich leider kein Engel, aber Klamotten kaufe ich meistens eh nur 1 mal im Jahr und dann im Sale oder Second-Hand-Shop.
    Bücher bestelle ich seit ein paar Jahren in meinem Buchhandel ein paar Straßen weiter. Ich muss nur anrufen und am nächsten Tag kann ich es abholen und bezahlen.
    Und du hast soo Recht! Total oft frage ich mich, ob es online wirklich „praktischer“ ist, weil ich eh nicht da bin, um das Paket entgegen zu nehmen und dann muss ich einen Tag warten bis das zurück zur Packstation gebracht wurde, dann los zur Post, dann hab dann sowieso meinen Perso vergessen, muss später damit noch mal wieder kommen… aaaaaah…!
    😀 jetzt hab ich mich in Rage getippt 😀
    Viele Grüße,
    Christina

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