Frau mit Föhn
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Mädchenzeugs

Habt ihr schon diese neue Kampagne von Always gesehen? Bestimmt. Ihr wart sicherlich schneller als ich. Darin geht’s um den Ausdruck „like a girl“ und seine negativen Assoziationen. Im Deutschen nicht anders. Ein Appell an die Abschaffung eines dummen Begriffs.

Das Always-PR-Team fragt Teenager, wie man Dinge, „wie ein Mädchen macht“ – zum Beispiel rennen oder boxen. Wie ihr euch denken könnt, sind die Vorführungen wenig schmeichelhaft. Nur die ganz kleinen Mädchen haben noch einen unbedarften Blick auf den Begriff. Schließlich deckt das Video den Seximus in der Phrase „like a girl“ auf und offenbart uns in leicht theatralischer Werbemanier: Es ist nichts Schlechtes, ein Mädchen zu sein! Ohne Zweifel eine schöne Botschaft.

Ich mache mir keine großen Gedanken darüber, was es für mich bedeutet, eine Frau zu sein. Natürlich hat es für uns alle eine Bedeutung, in welchem Körper wir geboren werden. Und vermutlich spielt es eine Rolle, ob der männlich oder weiblich ist. Er ist unterschiedlich gebaut, schüttet unterschiedliche Hormone aus und ja, schlussendlich ist es der weibliche Körper, der ein Kind austragen muss, wenn sich ein Paar dazu entschließt, eine Familie zu gründen. Aber das bedeutet nicht, dass ein Geschlecht in irgendeiner Form besser oder schlechter ist als das andere. Das sollte mittlerweile hoffentlich allen klar sein.
Mir ist es reichlich egal, dass ich jetzt nunmal als Frau geboren wurde. Zwei X-Chromosomen. Schön. Ich kann Röcke tragen, Make-up benutzen und überemotional reagieren, wenn ich mich danach fühle. Möglicherweise ist das typisch Frau. Wen interessiert’s? Ich war trotzdem ziemlich gut in Mathe, verstehe Technik schnell, kann IKEA-Möbel zusammenbauen oder praktisch denken. Hat doch mit dem Geschlecht nichts zu tun.
Ich würde mich also im allgemeinen als ziemlich normale, moderne, aufgeklärte, gleichberechtigte Frau bezeichnen.
Trotzdem: Den Begriff „Mädchen“ benutze ich in folgenden Situationen:
Mädchenfilm = doofe, hirnlose Romcom, die ich nicht mal betrunken ertragen könnte
Mädchenmusik = langweiliges Gedudel, das mir vollkommen kalt lässt
Er/Sie benimmt sich wie ein Mädchen = Er/sie ist ein furchbares Weichei und sollte sich ein bisschen zusammennehmen

Mädchen/Frau mit Föhn
Vermutlich sollte ich damit aufhören, weil es sexistisch ist.
Oder der Begriff „Mädchen“ gehört als Geschlechterbezeichnung abgeschafft, weil er einfach dämlich ist. Ich meine … „das Mädchen“ ist ja nicht mal eine Geschlechterbezeichnung. Seit wann bin ich ein „das“? Es ist eine dämliche Verniedlichung von „Magd“. Und wir sind uns doch einig, dass eine junge Frau nicht aufs Niedlichsein beschränkt werden will. Genau darum geht’s ja auch in der „Like a girl“-Kampagne. Und Mägde sind wir auch keine mehr.
Wir verbinden nicht mehr unbedingt positive Gefühle mit dem Begriff „Mädchen“, seine Assoziation hat sich gewandelt. Das ist gar nichts Ungewöhnliches. Wusstet ihr, dass der Begriff „wîp“, also „Weib“, ursprünglich einfach nur die normale Bezeichnung für eine Frau war? Wohingegen die „fru“ eine Frau höheren Stands, also eine Dame war. Erst im Laufe der Zeit wollten die „Weiber“ sich nicht mehr von den „Frauen“ abgrenzen und beanspruchten den Begriff für sich. Das neutrale „wîp“ wurde etwas Negatives. Ähnlich verhält es sich gerade mit dem „Mädchen“. Ein neuer Begriff muss her!
Ich habe nur leider keine Ahnung, wie der lauten soll. Weder „Girl“ noch „Mädel“ scheint mir eine angemessene Alternative. „Junge Frau“ klingt auch ziemlich dämlich, ganz zu schweigen von „Jungfrau“. Auch „Fräulein“ ist wieder eine sinnlose Verniedlichung.
Habt ihr einen Vorschlag?

Foto: Pixabay

Larissa//No Robots Magazine

Larissa ist die Chefin des No Robots Magazines. Sie ist 31 Jahre alt und lebt mit Mann und Kind in München.

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2 Kommentare

  1. Die Kampagne geht ganz schön rum momentan. Ich finde da steckt sehr viel Wahrheit drin und es ist erschreckend wie wir uns manchmal wahrnehmen… irgendwo ist es doof, dass es immer Werbung sein muss, die uns auf so was aufmerksam macht (die Nivea Werbungen sind ja auch oft ganz interessant in der Richtung), aber letztlich regt sie mal an über so etwas nachzudenken.

    Vielen Dank!
    Und? Hast du schon rausgefunden ob deine Kamera Doppelbelichtungen kann?

    • Larissa

      Ich habe auch schon vorher über das Thema nachgedacht, aber die Kampagne hat mich dann noch mal daran erinnert. 🙂 Aber eine Antwort habe ich immer noch nicht gefunden.

      Leider nein. Ich hatte in den letzten Wochen so wenig Zeit, da musste meine arme Kamera ein bisschen warten.

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