Make a change: Finanzplanung für Frauen

Mamas Moneten

Unbezahlte Werbung, weil Markennennung

Als ich ein Kind war, hatte ich eine ganz tolle Spardose. So eine, die man am Weltspartag von der Sparkasse geschenkt bekommen hat. Sie war ein großer grüner Drache mit einem schön ausgearbeitetem Schuppenkleid. Ich sah sie allerdings eher selten, denn sie stand oben auf dem alten Schrank in meinem Gäste-Kinderzimmer bei meiner Oma. Dort hatte sie einen gut gefüllten Bauch. Denn Oma warf zuverlässig einmal die Woche zwei Mark hinein.
Einmal wollte ich an des Drachen Bauch und mir eine Mark nehmen. Ich wollte mir von meinem Taschengeld eine Zeitschrift kaufen.
Oma sagte Nein.
Ich lernte dabei eine Lektion für’s Leben: Mit Geld geht man am besten um, indem man einfach keins ausgibt.

Über Geld habe ich mir nie viele Gedanken gemacht. Als Arbeiterkind bin nicht unbedingt in Reichtum groß geworden, aber ich hatte immer alles, was ich brauchte. Was zum einen an Omas rigorosem Sparplan für die geliebte Enkelin lag – zum anderen aber auch daran, dass ich einfach nichts brauchte. Wenn ich als Teenager zu Weihnachten oder Geburtstag Geld geschenkt bekam, musste ich mir aufschreiben, was ich ausgegeben habe, um sicherzugehen, dass ich es überhaupt ausgebe. Irgendwann erschrak selbst meine Oma über meine asketische Lebensweise und ermahnte mich, mir doch auch ab und zu mal etwas zu gönnen.

So ging das viele Jahre. Ich studierte, ich fing an zu arbeiten. Mein Gehalt war bescheiden. Das war nicht okay, aber ich kam damit klar. Ein Mann kam in mein Leben, der ebenso Arbeiterkind wie ich war und gelernt hatte, sparsam zu leben. Nur dass er als Ingenieur nun deutlich besser verdiente als ich. Wir hielten unsere Finanzen streng getrennt. Gemeinsame Ausgaben teilten wir gerecht – meist gab er ein wenig mehr, aber ich versuchte auszugleichen, wo es mir gerecht erschien. Ich wollte einen neuen Fernseher, ich kaufte einen. Er wollte eine Playstation, er kaufte eine. Jeder sorgte für sich selbst.

Dann bekamen wir ein Kind.

Es gab nie eine große Diskussion darum, wer Elternzeit nimmt oder wer danach in Teilzeit geht. Er bot an, mehr als die zwei Vätermonate zu nehmen. Doch aufgrund unserer Gehaltssituation (ich war zudem damals arbeitslos) war es mehr als logisch, dass ich ein Jahr zu Hause bleibe. Außerdem wollte ich es so. Ich wollte die Auszeit und die Zeit mit dem Kind. (Ganz davon abgesehen, dass ich neun der zwölf Monate ein körperliches Wrack war, das gar nicht hätte arbeiten können.)
Es gab auch keine große Diskussion darum, dass wir heiraten sollten. Ich sagte: „Ich halte es für sinnvoll.“ Er sagte: „Wie du willst.“ Also schlossen wir den Bund der Ehe und sind seither eine gütliche Gemeinschaft.

Warum Frauen sich um Geld und Finanzen kümmern sollten

In unserem finanziellen Alltag haben Kind und Ehe nicht viel geändert. Während die meisten Paare nach dem „Wir werfen alles in einen Topf und wenn der leer ist, ist er leer“-Prinzip leben, trennen wir unsere Finanzen weiterhin säuberlich auf. Wir haben kein gemeinsames Konto, jeder ist für sich selbst verantwortlich. Ich bezahle das, was ich brauche. Er bezahlt das, was er braucht. Gemeinsame Ausgaben werden so gerecht wie möglich aufgeteilt. Ja, es mag für die meisten bizarr anmuten, die uns Samstags beim gemeinsamen Einkaufen antreffen. Ich an der einen Kasse, wie ich Brötchen und Äpfel kaufe. Er an der anderen Kasse mit Eiern und Mango. Große gemeinsame Ausgaben (in erster Linie Miete und Kinderbetreuungskosten) werden prozentual gemäß unserer Einkommen aufgeteilt. Andere Dinge machen wir Pi-nach-Daumen. Er übernimmt größere Lebenserhaltungskosten, ich kleinere Summen. Ja, selbst das Kind hat auf diese Weise sein Einkommen, sprich sein Kindergeld. Alle Anschaffungen nur fürs Kind werden notiert (bzw. eine gewisse Summe rechne ich jeden Monat allgemein für Lebensmittel dazu). Was vom Kindergeld am Ende übrig bleibt, geht auf’s Sparbuch. Das funktioniert erstaunlich gut und meistens bleibt etwas übrig. Große Kinder-Anschaffungen teilen wir durch drei und jeder gibt seinen Anteil.
Ich arbeite immer noch in einer Branche, in der man kein Vermögen macht. Natürlich macht sich das gerade in Teilzeit bemerkbar. Probleme im Alltag bereitet mir das nicht. Ich führe sehr genau Buch über meine Ausgaben. Dank einer Haushalts-App habe ich alles genau im Blick. Ich habe mir mein Geld in Budget-Töpfe eingeteilt: Wie viel bleibt mir nach Abzug der Miete? Wie viel geht davon notwendigerweise für lebenswichtige Dinge wie Nahrung oder Haushaltsutensilien drauf? Von dem, was noch übrig bleibt, wird eine Summe als Puffer oder bestenfalls als Ersparnis abgezogen. Was noch bleibt, ist mein „Luxus-Budget“. Und Luxus ist alles, was nicht lebensnotwendig ist. Ein Cappuccino beim Café-Besuch ist genauso Luxus wie ein neues Kleid. Wenn das Budget aufgebraucht ist, gibt es eben keinen Cappuccino mehr. Pech für mich.

Selbstredend sind wir nicht in die Steuerklassen 3/5 gewechselt. Theoretisch würde sich das für uns vermutlich lohnen. Aber ganz ehrlich? Warum sollte ich noch weniger verdienen, damit er mehr bekommt? Was ist daran fair? Dennoch haben wir bisher gemeinsam unsere Steuererklärung gemacht. Bisher hat sich das gelohnt und wir haben eine Rückzahlung erhalten. Beziehungsweise: Er hat eine Rückzahlung erhalten. Denn ausgezahlt wurde sie an ihn, denn er hat mehr Steuern gezahlt. Ausgegeben haben wir sie jedoch gemeinsam: Für die alljährliche Deutschlandtour zwecks Großelternbesuch und wenn noch was übrig bleibt für unseren Familienurlaub.

Mehr Geld für Mütter: Haushaltsführung für Frauen

Nein, unser System ist nicht absolut fair. Auch wenn jeder 20 Prozent seines Gehalts gibt, so sind 80 Prozent von 100 Euro natürlich deutlich weniger als 80 Prozent von 1000 Euro. Manchmal führt das zu Missstimmung und Reibereien. Aber in der Regel streiten wir uns nicht über Geld. Gerade auch deswegen, weil wir unsere Finanzen so streng getrennt halten. Ich muss ihn nicht um Taschengeld bitten oder mich rechtfertigen, wenn ich mir neue Kleidung gönne. Gibt er aus meinem Blickwinkel unsinnig Geld für unnötiges Spielzeug aus, dann zucke ich mit den Schultern, aber es geht mich nichts an. Ich weiß, dass er pünktlich seine Miete zahlen wird. Der Rest ist seine Sache. Ehrlich gesagt weiß ich nicht mal so genau, was mein Mann überhaupt verdient.
Nein, ein gemeinsames Konto und gemeinsame Finanzen kommen für mich nicht in Frage. Ich bin nicht romantisch verlangt und glaube nicht an die Liebe als Zukunftsfundament. Zu viele Frauen haben sich auf ihren Partner verlassen, bevor dieser auf und davon ist. Nicht, dass ich das meinem Mann zutrauen würde. Aber das haben ebendiese Frauen schließlich auch nicht. Nein, und selbst wenn unsere Beziehung stabil bleibt (was ich doch hoffen will). Wer kann mir garantieren, dass mein Mann immer seine Aufgabe als Familienernährer erfüllen kann? Wer kann uns garantieren, dass er nicht plötzlich aus welchem Grund auch immer arbeitsunfähig wird und sein Gehalt wegbricht? Ich habe mehr als einen erlebt, der mit Mitte dreißig/Anfang vierzig plötzlich in der Frührente stand. Eine traditionelle Rollenverteilung, bei der die Frau über mehrere Jahre oder sogar für immer auf ihr Einkommen verzichtet, ist für mich absolut unverständlich.

Nein, ich habe zu oft gesehen, dass Frauen sich irgendwann in der Situation wiederfinden, dass sie von ihrem Leben etwas anderes erwarten als der Ehemann. Aber eine Trennung steht außer Frage, da sie finanziell auf ebendiesen angewiesen sind. (Oder sich gar-nicht-mehr-so-junge Erwachsene auf die Finanzspritzen der doch-eigentlich-schon-ziemlich-alten Eltern verlassen.) Das sind die gleichen Frauen, die sich wundern, wovon meine bald hundertjährige Oma eigentlich lebt … Und es nicht verstehen wollen, dass es tatsächlich ihre eigene (bescheidene) Rente ist – und nicht die ihres Mannes.

Ich könnte mich natürlich noch besser um meine Finanzen kümmern. Ich könnte besser für die Zukunft vorsorgen, mir mehr Gedanken um meine Rente machen. Daran arbeite ich noch. Bislang gehe ich weiterhin nach der alten Weisheit meiner Oma: Geld gibt man am besten einfach nicht aus.

Dieser Artikel ist Teil der Blogparade #MamasUndMoneten von Sophie und Laura.

Fotos: Unsplash

Larissa//No Robots Magazine

Larissa ist die Chefin des No Robots Magazines. Sie ist 32 Jahre alt und lebt mit Mann und Kind in München.

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2 Kommentare

  1. Hi Larissa!

    Danke für deinen Beitrag zu unserer Blogparade! Für mich ist es wahnsinnig spannend, diese Einblicke zu bekommen. Und der Einblick in euer Modell ist ja irgendwie direkt ein Einblick in ein ganz anderes Familienmodell, das mir zugegebenermaßen eher fremd ist. Ich persönlich könnte nicht so strikt trennen, die Geschichte mit den Einkäufen kommt mir direkt kurios vor. 😉

    Ich kann schon verstehen, dass ihr eure Eigenständigkeit erhalten wollt, für mein Verständnis fehlt da aber irgendwie das gegenseitige Verantwortung füreinander übernehmen. Mein Verständnis von Familie ist vermutlich einfach mehr das einer Einheit, auch einer finanziellen. Mein Mann und ich planen unser Leben gemeinsam und damit verplanen wir auch unser Geld gemeinsam.

    In diesem Zusammenhang kommen mir da auch ein paar Fragen zu eurem Modell in den Kopf: Wenn dein Mann deutlich besser verdient als du, was macht er mit dem überschüssigen Geld? Investiert er das nur für sich oder für euch als Familie? Und interessiert es dich wirklich gar nicht, was er mit dem Geld macht? Ich muss sagen, dass es mir wichtig wäre, das zu wissen und dass ich auch Wert darauf legen würde, dass mein Mann sein Geld z.B. nicht egoistisch verpulvert oder nur für sich allein anlegt, sondern dass er eben immer die ganze Familie im Blick hat. Ganz ehrlich gesagt würde ich aber schon nicht wollen, dass er das alleine entscheidet, sondern mit ihm gemeinsam planen wollen.

    Bei Twitter schrieb eine Nutzerin zu deinem Post, dass es im Scheidungsfall schlecht sein kann, das Einkommen des (Ex-)Mannes nicht zu kennen. Im Sinne von „Vorsorge ist besser“ ist es mir z.B. auch wichtig, alle wichtigen Zahlen zu kennen.

    Ich danke dir auf jeden Fall sehr für diesen Einblick. In vielen Dingen stimme ich dir auch zu. Für mich käme es z.B. auch nicht infrage, gar nicht zu arbeiten und damit auch gar kein eigenes Geld zu verdienen. Eigenes Geld zu verdienen ist aber wohl leider nur der erste Schritt zur Unabhängigkeit. An Altersvorsorge etc. arbeite ich ja genau wie du auch noch. Aber das kriegen wir schon hin!

    1. Das sehe ich schon so wie du. Wir würden grundsätzlich das angelegte Geld auch in die Familie investieren. Deswegen geben wir ja auch die Steuerrückzahlungen für unsere Urlaube aus. Viel mehr haben wir in der Regel gar nicht, wo wir „in die Familie investieren“ müssten. Ein Auto brauchen und wollen wir nicht und Wohneigentum ist in München absolut undenkbar. Wenn aber zum Beispiel ein Haushaltsgerät ersetzt werden muss (so wie kürzlich der Staubsauger), dann übernimmt er das meist.
      In Sachen „ein Auge drauf halten“: Das hängt ja auch sehr von dem Menschen ab. Es soll ja Männer geben, die sich mal einfach so ohne Absprache einen Sportwagen kaufen. So viel Vertrauen habe ich in meinen Mann, dass ich das für undenkbar halte. Da wir beide sehr sparsam sind, bewegen sich die unsinnigen, egoistischen Ausgaben normalerweise im zweistelligen Bereich und das auch sehr selten. Und genau über solche Summen möchte ich gar nicht diskutieren. Wenn er meint, er bräuchte ein Musikspielzeug für 100 Euro, dann soll er sich das kaufen. Wenn ich neue Sofakissen für 100 Euro will, dann möchte ich sie mir holen, ohne, dass wir uns voreinander rechtfertigen müssen. Ich bin einfach ein Mensch, der Skrupel hätte, Geld auszugeben, das nicht eindeutig „meins“ ist (ich gebe ja mein eigenes schon kaum aus). Das ist natürlich nicht rational, wenn ich in den Topf eingezahlt habe. Aber ein schlechtes Gefühl hätte ich eben doch immer.
      Ich denke, darüber hinaus wissen wir beide grob, was der andere an Vermögen hat. Ab und an sprechen wir dann doch darüber. 😉

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