Titelbild: Rezension zu Cobain: Montage of Heck
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Neu im Kino: Cobain – Montage of Heck

Heute vor 21 Jahren nahm Kurt Cobain sich das Leben. Aber auch mehr als zwei Jahrzehnte nach seinem Tod scheint der Nirvana-Frontmann in keinster Weise vergessen. Denn an diesem Donnerstag, dem 9. April, erscheint eine neue Dokumentation über ihn im Kino: Cobain – Montage of Heck.

Kurt Cobain Montage of Heck

Krist Novoseslic in Cobain: Montage of Heck

Nirvana-Bassist Krist Novoselic im Interview mit Brett Morgen.

Was macht einen Mann zur Legende? Eine Handvoll erfolgreiche Alben? Ein Superhit, der heute zum „Kneipenhits Classic“ verkommen ist? Die Stimme einer Generation zu sein? Oder reicht es schon, zum berühmten Club 27 zu gehören? Was soll Zuschauer über zwanzig Jahre später noch dazu motivieren, eine Dokumentation über ebendiesen Mann im Kino zu schauen?
Cobain – Montage of Heck von Brett Morgen (und unter anderem von Cobains Tochter Frances Bean Cobain produziert) kümmert sich wenig um Nirvana als Band und noch weniger um die Legendenbildung des Protagonisten. Dafür wird tief in die Erinnerungskiste gepackt: Cobains Eltern und Schwester kommen zu Wort, seine erste Freundin, Band-Kollege Krist Novoselic (Dave Grohl wurde zu spät interviewet) und natürlich Ehefrau Courtney Love. Sie erzählen von Kurts Kindheit und Jugend, von seiner Liebe zur Kunst, seinen Erfahrungen im Musikgeschäft und seiner Drogensucht – alles unter der großen Frage: Was hat den Jungen nur so ruiniert?
Zu viel Privatschmonzette? Glücklicherweise ist in Morgens Doku der Name Programm: Montage of Heck, Montage der Hölle nach einem Mix-Tape Cobains benannt, oder vielmehr: Montage des Chaos. Die 135 Minuten setzen sich zusammen aus den besagten Interviews, Konzertmitschnitten, privaten Videos, Skizzen, Notizen und Zeichtentrick-Illustration. Der Rock’n’Roll bleibt also gewahrt.

Regisseur Brett Morgen

Regisseur Brett Morgen

Bleibt allerdings die Frage, für wen sich Brett Morgen und sein Team die ganze Mühe gemacht haben. Ist Cobain heute immer noch so angesagt, dass sich die Veröffentlichung lohnt?
Als meine Zeit als Redakteurin mit Teenager-Zielgruppe habe ich mich oft gefragt: Wo ist der Rock geblieben? Außer Kraftklub fällt mir spontan keine junge Band ein, die Menschen unter zwanzig anspricht. Ist die Wut verraucht? Haben junge Menschen heute andere Probleme als Anfang der Neunziger? Können sie sich womöglich gar nicht mehr mit dem Gefühl der Generation X und des Grunge identifizieren?
Und was ist mit uns? Ich bin knapp zu jung für die Generation der Nirvana-Fans, ich war gerade mal neun Jahre alt, als Cobain starb. Klar, damals als Teenager, da war er noch ein großer Held. Die Sensibilität, die Wut, auch als behütetes Mädchen vom Dorf fühlte sich das vertraut an. Zwanzig Jahre später? Sagen wir es mit den Worten von Frank Turner: „It’s obvious my angry adolescent days are done, and I’m happy and I’m settled in the person I’ve become“. Cobain war vierundzwanzig, als er mit „Smells Like Teen Spirit“ zum Jugendidol wurde. Das bin ich schon lange nicht mehr und die anderen Fans von damals erst recht nicht. Längst kann ich mich mehr mit dem fröhlichen Dave Grohl identifizieren, besitze Alben der Foo Fighters, aber nicht von Nirvana. Ich bin meinen Gefühlen von damals entwachsen.
Trotzdem: Eine Dokumentation über ein ehemaliges Idol ist grundsätzlich spannend und sehenswert. Würde ich Geld ausgeben, um mich dafür 135 Minuten ins Kino zu setzen? Eher nicht. Cobain – Montage of Heck richtet sich wohl also doch eher an hartgesottene Alt-Fans von früher.

Film-Fakten

Darsteller: Kurt Cobain, Krist Novoselic, Courtney Love
Regie: Brett Morgen
Produktion: Brett Morgen, Danielle Renfrew Behrens, Frances Bean Cobain (ausführende Produzentin)
Lauftzeit: 135 Minuten
FSK: ab 12 Jahren

Fotos: End of Movie, LLC

Larissa//No Robots Magazine

Larissa ist die Chefin des No Robots Magazines. Sie ist 32 Jahre alt und lebt mit Mann und Kind in München.

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2 Kommentare

  1. Oh, klingt auf jeden Fall wie eine recht spannende Doku.
    Heute beim Autofahren haben wir zufällig die Foo Fighters gehört und ich habe mir noch gedacht: Irgendwie find ich Dave Grohl schon cooler als Kurt Cobain… Aber auch wenn wir aus den wütend-depressiven Jahren mittlerweile raus sind, kann man nicht bestreiten, dass Cobain eine faszinierende Persönlichkeit war, die sehr viel zur musikalischen Entwicklung der Rockmusik beigetragen hat. Und deshalb denke ich, dass trotzdem viele Leute sich die Doku anschauen werden, auch wenn es keine eingefleischten Fans sind.
    Ich persönlich warte bis sie auf Netflix oder Amazon läuft 😉

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