Kommentare 0

Neu im Kino: X-Men – Zukunft ist Vergangenheit

Die X-Men sind Comics mit dem Potenzial für ein langes Filmleben: eine Vielzahl interessanter Charaktere plus ein gesellschaftskritischer Hintergrund. Heute startet der neue, nunmehr siebte X-Men im Kino. Der bietet allerdings nicht wirklich viel Neues.

Neu im Kino: X-Men - Zukunft ist Vergangenheit - MagnetoSechs X-Men-Filme gab es bereits – in drei verschiedenen Ebenen: die drei Klassiker um die Fehde von Charles/Professor X (Patrick Stewart) und Eric/Magneto (Ian McKellen),  die Vorgeschichte um Logan/Wolverine (Hugh Jackman) und die Vorgeschichte um Xavier und Eric, nun mit James McAvoy und Michael Fassbender in den Hauptrollen. Für Nummer 7 mussten sich Marvel und Regisseur Bryan Singer also etwas Besonderes einfallen lassen … und packten einfach mal alle drei Ebenen in einen Film.
Die Zukunft ist Vergangenheit. Aber erstmal ist da die Zukunft. Und die sieht wahrlich düster aus, denn eine gemeingefährliche Erfindung steht kurz davor, die X-Men und ihre Sympathisanten auszulöschen. Nur eine kleine Gruppe um Professor X und Magneto (gespielt von den „Alten“: Patrick Stewart und Ian McKellen) hat sich verbarrikadiert. Doch es gibt eine Lösung, um den Krieg zu beenden, bevor er überhaupt angefangen hat: Kitty Pryde (Ellen Page) muss einen von ihnen geistig in die Vergangenheit schicken, um dort zusammen mit den jungen Charles und Eric Gestaltenwandlerin Raven/Mystique (Jennifer Lawrence) von einem Attentat abzuhalten. Körperlich in Frage kommt dafür nur Wolverine.

Im Jahr 1973 ist aber keiner von den dreien wirklich zu irgendetwas zu überzeugen. Charles lebt zurückgezogen in seinem Anwesen, trinkt und opfert seine Kräfte für die Fähigkeit, laufen zu können. Der Einzige, der noch an seiner Seite ist, ist Hank/Beast (Nicholas Hoult). Eric sitzt im Hochsicherheitstrakt und hasst die Menschen wie eh und je. Während Mystique auf ihrem persönlichen Rachefeldzug gegen einen Wissenschaftler namens Trask (Peter Dinklage) ist. Logan schafft es zwar, sie alle zusammenzubringen, doch von den altersweisen Männern der Zukunft ist noch wenig zu sehen …
Oberflächlich gesehen hat X-Men – Zukunft ist Vergangenheit einiges zu bieten. Sowohl optisch als auch personell weiß Marvel einen Film umzusetzen. Die 3-D-Grafik ist top. Die Auswahl der Schauspieler belohnt nicht nur die alten Fans – mit Michael Fassbender, Jennifer Lawrence, James McAvoy, Nicholas Hoult und Peter Dinklage sind zudem noch fünf aktuell äußerst beliebte Akteure engagiert worden.
Wo der Film allerdings  optisch punktet, wurde auf der anderen Seite am Drehbuch gespart. Neu im Kino: X-Men - Zukunft ist Vergangenheit - MystiquePatrick Stewart und Ian McKellen bekommen so wenig Raum, dass ihr Auftritt allenfalls ein Pleasement für die Fans als eine wirkliche Innovation ist. Auch im Plot der Vergangenheit ist den Machern nichts wirklich Neues mehr eingefallen: Was ein komplizierter Zeit-Twist hätte werden können, rutscht ziemlich schnell wieder in das alte „Charles und Eric sind sich uneinig“-Muster, das bereits in vier Filmen mehr aus ausgiebig verarbeitet wurde. Das Drehbuch macht in der Kontinuität so zwar vermutlich den meisten Sinn – ist aber auch reichlich uninteressant. Sowohl Magneto als Figur als auch Fassbender als Schauspieler hätten deutlich mehr zu bieten gehabt.
Die einzige Verbindung zwischen beiden Zeitebenen ist Logan. Dieser ist durchaus ein faszinierender und beliebter Charakter – allerdings ist Hugh Jackman auch der einzige Darsteller, der in allen sieben bisherigen X-Men-Filmen wenigstens einen kurzen Auftritt hatte. Sprich: Von Wolverine haben wir auch schon mehr als genug gesehen. Stattdessen hatte X-Men: Erste Entscheidung eigentlich genügend unbekanntere Mutanten eingeführt, von denen aber in Zukunft ist Vergangenheit nicht mehr viel übrig ist.
Schlussendlich verfolgt Marvel seinen Masterplan, mit dem es auch in den nächsten Jahren den Filmmarkt weiter bombardieren will. Scheinbar haben sie dabei allerdings nicht den Mut, auch mal das Schema F zu verlassen. Das wird wohl noch eine Weile gut gehen, aber irgendwann hat selbst der treueste Fan genug davon.

Filmfakten:

Darsteller: James McAvoy, Michael Fassbender, Jennifer Lawrence, Hugh Jackman, Nicholas Hoult, Ian McKellen, Patrick Stewart
Regie: Bryan Singer
Produktion: Simon Kinberg, Hutch Parker, Lauren Shuler Donner, Bryan Singer
Drehbuch/Story: Simon Kinberg, Matthew Vaughn, Jane Goldman
Laufzeit: 131 Minuten
FSK: ab 12 Jahren

Larissa//No Robots Magazine

Larissa ist die Chefin des No Robots Magazines. Sie ist 31 Jahre alt und lebt mit Mann und Kind in München.

Letzte Artikel von Larissa//No Robots Magazine (Alle anzeigen)

Schreibe eine Antwort