(Nicht) ohne Alternative: die Anti-Baby-Pille

Pillenroutine

Irgendwann vor einiger Zeit bin ich beim Zappen mal an einer dieser Dating-Shows hängengeblieben. Eine junge Frau auf der Suche nach dem Traummann zeigte ihre Wohnung, als der Moderator auf den Pillen-Blister am Kühlschrank hinwies und sich danach erkundigte. Die Frau, leicht verwirrt, antworte: „Ja, die nehme ich … weil man das als Frau eben so macht, oder nicht?“

Ja, das macht man als Frau eben. Aber ist das auch gut so? Die Techniker Krankenkasse sagte kürzlich: Nein, das sollte nicht so sein. Die Pille würde zu unbedarft genommen. Hat sie damit recht?
Die Antibabypille ist heutzutage das am meisten verwendete Mittel zur Verhütung und nur extreme Ökos, Konservative und Ultrareligiöse sind nach allgemeinem Glauben gegen die Pille. Ich bin weder extrem öko, noch konservativ, noch religiös, aber ich sage: Ja, die TK hat recht. Die Pille wird zu unbedarft genommen.
Ich war fünfzehn als mir zum ersten Mal die Pille verschrieben wurde. Ich kann mich nicht mehr erinnern, warum, aber als Verhütungsmittel habe ich sie damals definitiv nicht gebraucht. Aufklärung über mögliche Nebenwirkungen vom Arzt: keine. Nach zwei Monaten habe ich sie wieder abgesetzt.
Etwas später habe ich dann, wie die meisten jungen Frauen, wieder angefangen sie zu nehmen. Wieder keine Aufklärung über mögliche Nebenwirkungen vom Arzt. Wie bei den meisten jungen Frauen gehörte die Pille für mich zur völlig normalen täglichen Routine – auch zu Zeiten, als ich gar keinen Partner hatte. Einige Jahre später konsultierte ich nach einer langen Krankheitsodysee eine äußerst alternative Alternativmedizinerin. Sie riet mir, die Pille abzusetzen. Ich stand gerade vor dem Beginn einer Fernbeziehung und entschied: Why not? Eine Pause kann nicht schaden. Das war vor sechs Jahren. Ich habe nicht mehr damit angefangen und es nie bereut.
Sicherlich war die Erfindung der Pille ein Meilenstein in der sexuellen Befreiung, vor allem der Frau. Die Vorteile sind nicht von der Hand zu weisen: Sie ist einfach in der Handhabung und sicher wie kein anderes Verhütungsmittel. Daher gilt sie in langen, vertrauensvollen Partnerschaften als die einzige Alternative.

Antibabypille
Der größte Nachteil ist natürlich ebenso offensichtlich: Die Pille bietet keinen Schutz gegen sexuell übertragbare Krankheiten und ist damit als reines Verhütungsmittel für promiskuitive Menschen absolut ungeeignet. Es gibt aber auch andere Nebenwirkungen, die man ansprechen sollte: viele Frauen klagen über Migräne, verminderte Libido oder Stimmungsschwankungen. Außerdem wird die Pille verdächtigt, das Risiko für Trombosen, manche Krebsarten, Herzinfarkte und Schlaganfälle zu erhöhen – wenn natürlich nur in seltenen Fällen, allerdings mit steigendem Risiko bei Frauen über fünfunddreißig, Frauen mit Bluthochdruck und Raucherinnen. Zudem ist die Pille verhältnismäßig teuer, und wirkt sich negativ auf unser Ökosystem aus. Es gibt zwar keinen Hinweis, dass die Pille die Fruchtbarkeit einschränkt, aber bei vielen Frauen dauert es nach dem Absetzen eine Weile, bis sich wieder ein regelmäßiger Zyklus einfindet (in meinem Fall: drei Jahre). Und das macht es natürlich nicht unbedingt einfacher, schwanger zu werden.
Die Pille hat sicherlich zu recht ihren Platz in unserer Gesellschaft. Aber auch wenn Frauenärzte gerne mit „Was? Sie nehmen nicht die Pille?!? Da muss ich Sie sofort über Schwangerschaften aufklären!“ reagieren – es gibt durchaus sichere Alternativen zur Pille. Zum Beispiel die Spirale oder natürliche Methoden, die zwar umständlich sind, aber ähnlich sicher wie die Pille sein können. Oder das gute alte Kondom. Okay, zugeben, der Pearl Index ist selbst bei korrekter Anwendung mit 2 relativ hoch – aber andererseits: Frauen sind maximal sechs Tage im Monat fruchtbar. Selbst in dieser Zeit liegt die Wahrscheinlichkeit einer Befruchtung bei Sex ohne Verhütung bei ungefähr 20 bis 30 Prozent.
Sprich: Die Pille kann super sein, aber sie ist nicht für jeden das Richtige. Jede Verhütungsmethode hat ihre Vor- und Nachteile. Verhütung ist kein Lifestyle-Produkt, sondern eine individuelle Entscheidung, die mit Bedacht gewählt werden sollte. Und nicht, „weil man das eben so macht“.

Foto: Pixabay

Larissa//No Robots Magazine

Larissa ist die Chefin des No Robots Magazines. Sie ist 32 Jahre alt und lebt mit Mann und Kind in München.

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