Rausch am Ball
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Rausch am Ball

Rausch am Ball

Foto: Unsplash/Markus Spiske

309 Jahre, nachdem die kosakischen Siedler Afanassi und Stepan Koschenewnikow die nach ihnen benannte Stadt Koschewnikowo gegründet haben, kam eben dort ein kleiner Junge zur Welt. Seine deutschstämmigen Eltern gaben ihm den Namen Konstantin, den er bis heute trägt.

Schon sechs Jahre später machte sich die Familie auf den langen Weg nach Deutschland, um am Südrand der Lüneburger Heide ein neues Leben zu beginnen. Der kleine Konstantin, von seinen neuen Freunden der Einfachheit halber Kocka genannt, trat dem örtlichen Sportverein bei, wo er mit viel Leidenschaft und vorzugsweise mit dem linken Fuß wiederholt gegen Fußbälle trat. Nach sechs Jahren beim TuS Lachendorf wurde ihm der Verein des kleinen Dorfes (6100 Einwohner) zu klein, er wechselte zum SV Nienhagen im Nachbardorf (6700 Einwohner), dem Zentrum der Niedersächsischen Erdölförderung.

Sein Talent, seine Schnelligkeit und sein starker linker Fuß blieben den Talentscouts von Hannover 96 und dem damaligen Geschäftsführer Jörg Schmadtke nicht verborgen. Ab 2004 durchlief Kocka alle Jugendabteilungen der Roten und konnte sich sogar für Einsätze in den deutschen U-Nationalmannschaften empfehlen, angefangen bei der U16, wo er fünf Spiele absolvierte, bis hin zur U21, wo ihm neben acht Einsätzen auch sein erstes und einziges Tor für Deutschland gelangte.

Seinen ersten Auftritt in der Bundesliga hatte er am 30. März 2008, wo er als kurzfristige Vertretung von Michael „Tanne“ Tarnat einspringen musste und immerhin mit H96 ein 0:0 gegen den VfB Stuttgart erkämpfen konnte, bei denen zu dem Zeitpunkt Spieler wie Sami Kedhira oder Mario Gomez mitspielten. Die Punktprämie von 3000 Euro soll er der Legende nach bei seinen Eltern abgeliefert haben, damit die sich mal was Schönes gönnen konnten.

Von den damaligen Trainern Dieter Hecking und anschließend Andreas Bergmann wurde er von nun an immer häufiger eingesetzt, bis er unter dem für die Förderung junger Talente bekannten Mirko „Gonzo“ Slomka zum Stammspieler und Leistungsträger der Hannoveraner avancierte. Beim ersten Spiel unter eben jenem Trainer gelang dem Linksfuß Konstantin auch gleich sein erstes Bundesligator, ein wunderschöner Schuss mit dem rechten Fuß, vorbei am Frankfurter Torwartopa Oka Nikolov.

Im Sommer 2013 trennten sich die Wege von Konstantin und Mirko, ebenso von Konstantin und Hannover 96, später im Jahr auch von Hannover und Mirko, aber das ist eine andere Geschichte. Der nun nicht mehr ganz so kleine Konstantin wechselte zu seinem allerersten Bundesligagegner, dem VfB Stuttgart, wo er unter dem schönen Bruno (Labbadia), dem aktuellen Co-Trainer der deutschen Nationalelf (Thomas Schneider), dem Knurrer von Kerkrade (Huub Stevens, zweimal) und Armin Veh spielen durfte. Oder auch nicht spielen durfte. In Stuttgart blieb er nur für zwei Jahre, anschließend in Darmstadt sogar nur ein Jahr. Hier durfte er jedoch wieder in den meisten Bundesligaspielen mit dem linken Fuß gegen den Ball treten, wobei ihm in einunddreißig Spielen zweimal der Ball dabei ins Tor sprang. Darmstadt schaffte überraschend den Klassenerhalt, und der nicht mehr ganz so junge Kocka wechselte zum Ende der Saison nach Köln. Den Vertrag hat er beim Kölner Geschäftsführer Jörg Schmadtke unterschrieben, der dem aufmerksamen Leser schon aus Konstantins Anfangsjahren bei Hannover 96 bekannt ist. Kocka ist also seit dem 1. Juli 2016 für den 1. FC Köln tätig und konnte, nachdem er die ersten drei Spiele wegen Rückenproblemen verpasst hat (nicht mehr ganz so jung, siehe oben), in den meisten Spielen mitwirken, mal als Linksverteidiger (4er-Kette, altmodisch), mal im linken Mittelfeld (Dreierkette hinten, kein Platz mehr für Linksverteidiger, weitere Auskünfte erteilt Peter Stöger oder ein beliebiger TV-Experte mit Ausnahme von Lothar Matthäus).

Im Gegensatz zu seinem Namensvetter Friedel wurde Konstantin Rausch nie von einem Hund in den Hintern gebissen.

Dieser Artikel war Teil des No Robots Magazine #6 Rausch.

Pottsoße

Pottsoße ist unser Fußball-Experte. Während der WM beglückt er uns mit Sonetten.

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