Frau isst Gebäck
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Schöne neue Frauen-Welt

Die Frauen-Welt ist nicht mehr im Wandel. In unseren Köpfen sind wir schon längt da angekommen, wo wir hin wollen: Jeder soll doch machen, was er möchte. Und wir möchten viel mehr, als uns noch vor einigen Jahrzehnten zugestanden wurde: Kinder oder vielleicht auch nicht, Karriere als Cupcake-Bäckerin oder als Vorstand eines großen Technik-Konzerns oder vielleicht auch gar nicht, Hobbys, egal ob Kissen besticken oder Motorcross fahren, kurze Haare oder lange Haare, Rock oder Blaumann.
Da mag es noch einige Makel geben. Aber im Großen und Ganzen leben wir doch in einer schönen neuen Frauen-Welt.
Für diese Welt steht auch das sympathische Online-Magazin Edition F. „EDITION F ist das digitale Zuhause für starke Frauen. Frauen, die ihre Karriere im Blick haben, denen Selbstverwirklichung wichtig ist und die Lust auf Neues haben“, beschreiben sie sich selbst. „Wir machen Lust aufs Leben, die Arbeit und den eigenen Weg zu finden. Wir inspirieren.“ Super Sache – schaut es euch an. Kürzlich veröffentlichten sie eine Liste mit Empfehlungen: „33 Bloggerinnen, die ihr kennen solltet“. Aber bei näherem Hinsehen haben diese Frauen alle mehr gemeinsam als nur ihren Erfolg: So ziemlich jede bloggt im Bereich Fashion und/oder Kinder.

Frau isst Gebäck

Sweet: Frauen mögen es süß, weich, weiblich?

Der schöne Schein ist total okay

Dreiunddreißig erfolgreiche Fashion- und Mama-Bloggerinnen. So what? Selbstverständlich haben die alle ihre Daseinsberechtigung. Auch wenn es uns so vorkommt, als seien die neuen Medien schon ewig ein fester Bestandteil unseres Lebens, so hat der Online-Journalismus gerade erst angefangen, die Zeitungs- und Magazin-Landschaft zu verändern. Dabei sind es immer mehr die Blogs, die die altbekannten Medien ersetzen. Wer früher Geld für ein Mode-Magazin ausgegeben hat, der liest heute die entsprechenden Blogs. Und im Gegensatz zum klassischen Journalismus kann heute jeder eine Stelle als Fashion-Redakteur bekommen – er muss nur einen Blog starten und wenn er Glück hat, wird er damit erfolgreich. Das können selbst Elfjährige. Und dabei haben Blogs noch einen weiteren Vorteil: Die Autoren sind ihre eigenen Chefs, können schreiben, worüber sie wollen und bleiben in diesem Rahmen immer subjektiv und damit authentisch.
Natürlich wird den großen Bloggern immer wieder vorgeworfen, dass sie Sell Out betreiben, in dem sie zunehmend Werbung schalten oder Werbung in Blogartikeln verstecken. Das kann nerven. Aber es ist auch nicht viel anders, als wenn man in einem Magazin seitenweise Anzeigen überblättert. Wer von seiner Arbeit leben will, der muss damit auch irgendwie Geld verdienen. Und wer will den Bloggern verbieten, von ihren Seiten zu leben? Wenn es doch funktioniert?
Langer Rede kurzer Sinn: Dreiunddreißig Frauen, bzw. weibliche Teams, haben es geschafft mit dem, was sie interessiert und wofür ihr Herz schlägt, erfolgreich zu sein. Das ist großartig!

The KKK took our hearts away

Aber zurück zu den alten Zeiten – die, die wir überwunden haben. Damals hieß es für Frauen nur KKK: Kind, Küche, Kirche. Das ist glücklicherweise vorbei – denkt ihr?
Aber jetzt mal ernsthaft: Was ist nur mit uns Frauen los? Wir wollen uns nicht mehr von Chromosomen oder alten KKK-Mustern einschränken lassen. Doch irgendwie scheint das letzte K einfach nur in zwei Bs eingetauscht worden zu sein: Beauty und Basteln. Nein, dreiunddreißig Bloggerinnen sind nicht repräsentativ für die Frauenwelt. Natürlich gibt es auch genug, die mit keinem dieser KKBB etwas am Hut haben. Dennoch: Ich kenne in der Bloggerwelt kaum eine (wenn überhaupt eine), die sich konsequent diesen Inhalten verweigert. Noch kenne ich männliche Blogger, bzw. stoße ich nur auf Blogs in männlicher Hand, wenn ich technische Dinge google. Habe ich einen Mädelsabend, dann dreht sich das Gespräch bald um Hochzeit, Kinderwunsch, Do It Yourself und so wieder. Und das obwohl – zumindest in meinem Umfeld – eigentlich alle Frauen durchaus an Technik, Naturwissenschaft oder schlichtweg „Männerkram“ interessiert sind.
Eine kurze, nicht repräsentative Statistik meinerseits ergab, dass aktuell mehr als doppelt so viele Artikel der Spiegel-Online-Startseite von männlichen Autoren stammen, sprich: Artikel aus den Segmenten Politik, Wirtschaft, etc. Frauenrechtler fordern eine Frauenquote in den Führungspositionen, wo das weibliche Geschlecht bekanntermaßen unterrepräsentiert ist. Meine subjektive Einschätzung ist bisher allerdings auch, dass ein großer Teil der Frauen auch gar nicht in diese Positionen möchte.
Was ist nur mit uns los? Manchmal bekommt man das Gefühl, dass wir „Bagger!“ schreien und dann doch lieber den Puppenwagen nehmen. Haben Konservative und Sexisten am Ende vielleicht doch recht – ist das weibliche Wesen im Allgemeinen eher für die schönen und häuslichen Dinge gemacht? Oder haben wir uns zu lange einlullen lassen? Und wenn ja: Ist das alles überhaupt schlimm?

Foto: Pixabay

Larissa//No Robots Magazine

Larissa ist die Chefin des No Robots Magazines. Sie ist 32 Jahre alt und lebt mit Mann und Kind in München.

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6 Kommentare

  1. Warum Frauen nicht in diese Positionen wollen, liegt einfach an der Arbeitswelt. Sie lässt kaum Platz für Privates und bietet auch wenig wirkliche Gratifikation. Am Ende ist jeder austauschbar. Und was ist die Idee dahinter? Dass es gut ist, weil erfolgreiche Frauen andere Frauen nachziehen. Auch da bin ich mir nicht mehr so sicher. Übrigens: schöner Text 🙂

  2. Eine meiner Freundinnen findet bloggen total scheiße, weil es ihrer Meinung nach so die *alten Frauenwerte* bejubelt. Aber Blogs sind nun mal auch so was wie digitale öffentliche Tagebücher und ob man dass jetzt blöd findet oder nicht: So sehen die Leben, die da beschrieben werden, nun mal aus. (on the sunny side….)Es gibt ja durchaus kritische Stimmen, die auch versuchen, in den Frauenthemen Klischees aufzubrechen. Es gibt aber auch eigentlich zu jedem verrückten Thema Blogs. Bin grad bei den Gärtnern und Selbstversorgern unterwegs. Da kommen dann die Männer auch wieder zum Vorschein. Vielleicht bewegt man sich auch mit seinem eigenen Blog immer in seinem Spektrum. Schaut man sich zum Beispiel Vlogger zum Thema Fittinessi an, siehts wieder anders aus. Und Männer basteln auch…..nur andere Dinge. Die Frage ist also auch: Wen spreche ich mit meinem Blog an und in welchen Kreisen bewege ich mich? Die Welt ist groß….Grundsätzlich behandelst du da aber einen meiner Hauptgedanken in Blogkrisen. Keine Frage. Immer wieder einen kritischen Blick wert. Auch für mich und auf mich.

    • Ich finde, in Blogs werden erstmal gar keine Werte bejubelt oder verkauft. Das einzige, was ein Blogger erstmal verkauft, ist sich selbst. Jemand hat Spaß an etwas und Lust, darüber zu berichten. Entweder er macht es gut und wird gelesen oder eben nicht. Er muss ja nichts leisten. Im Gegensatz zum klassischen (Print-)Journalismus hat ein Blogger das Recht, zu scheitern. Im klassischen Journalismus muss man verkaufen, weil es seine Aufgabe ist, weil man Geld einnehmen muss. Dafür muss man bestimmte Richtlinien erfüllen (z.B. objektive Berichterstattung) und muss dem Käufer hochwertig-qualifiziertes Personal bieten. Ein Blogger muss erstmal gar nichts bieten. Wenn er seine Sache nicht gut macht, dann wird er eben nicht gelesen. Vielleicht hört er dann auf, vielleicht auch nicht. Ist ja auch völlig egal.

  3. Danke für den Text, der zum Nachdenken anregt – denn die letzten Fragen kann ich irgendwie für mich auch nicht beantworten 😀 Ist es überhaupt schlimm? Und dann wird ja oft auch in den Medien das Generation y – Ding besprochen, dass aktuell Männer auch nicht so Lust auf Karriere haben. Auch wenn das Gefälle hier bestimmt noch größer ist. In meinem Umfeld sehe ich schon, dass viele sich für die klassische Aufteilung in ihren Bezieungen entscheiden – wenn auch nicht mehr so strikt wie früher. Ja, auch Männer nehmen Elternzeit und die meisten Frauen wollen zwichen ihren Kindern und wenn sie aus dem gröbsten raus sind wieder arbeiten – also doch nicht so 50er Jahre mässig – aber du hast Recht, keine meiner Freundinnen träumt davon, einen Dax-Konzern zu leiten… und die wenigsten Männer nehmen mehr als zwei Monate Elternzeit. Und um nochmal auf die Blogger-Thematik zurück zu kommen: Ich für meinen Teil lese eigentlich gerne Blogs, die sich nicht nur einem Thema widmen – und schreibe ja auch über verschiedene Themen – aber wenn man ehrlich ist, sind es in Summe halt dann doch oft „Frauen -Themen“… auch wenn ich es schade finde, dass zB. Nachhaltigkeit wohl auch eher ein Frauenthema ist – zumindest bei den Blogs, die ich lese… Vielleicht sollte man noch die ReisebloggerInnen erwähnen die mit einem Thema für alle Geschlechter auch sehr erfolgreich sein können…

  4. Darüber habe ich mir auch schon viele Gedanken gemacht und habe vor einiger Zeit schon auch einen interessanten Artikel genau über das Thema gelesen, dass Frauen eben oft einfach keinen Bock auf Karriere haben. Ich glaube das liegt zu einem großen Teil daran, dass Frauen sich immernoch mehr beweisen müssen als Männer und viele einfach keine Lust haben doppelt so viel zu leisten um das Gleiche zu erreichen. Und dann natürlich noch das Thema Kinder: kann man ja nicht den Mann mal eben austragen lassen, das ist halt biologisch bedingt. Und wenn man sein Kind stillen möchte, dann ist das auch schwer ohne die Mutter. Ist leider eben auch ein Karrierekiller. Einem jungen Papa wird man die Führungsposition eher geben, weil man davon ausgeht, dass eher die Mama daheim bleibt wenn das Kleine krank ist oder die Kita streikt.

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