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Moment mal! Weniger zahlen dank stumm geschalteter Kinder?

Die Netzschau der Süddeutschen Zeitung hat heute ein interessantes Bild geteilt: Eine kandadische Familie bekam in einem Restaurant in Calgary einen Rabatt von 5 Dollar, weil sich ihre Kinder gut benommen haben. Hurra! Oder … Moment mal! Ein völlig unqualifizierter Kommentar einer Nicht-Mutter über Kinder in der heutigen Gesellschaft.

Die Welt ist heutzutage furchtbar anstrengend. Jeden Morgen quetschen wir uns in volle U-Bahnen oder teilen uns die Straßen mit schlecht erzogenen Menschen. Danach Arbeit, Arbeit, Arbeit, oft mit unbezahlten Überstunden. Anschließend wieder U-Bahn oder Autobahn und wenn man sich zum Feierabend ein gemütliches Essen im Restaurant gönnt, dann wird man auch noch von plärrenden Kindern belästigt. Klar, das alles schlägt furchtbar auf die Nerven. Kann man denn nicht einfach mal irgendwo in Ruhe gelassen werden?!? Die kommentierenden Leser der Süddeutschen Zeitung applaudieren: Danke, liebes Restaurant in Calgary! So muss es sein! Kinder sollten nur Zutritt zu einem Lokal bekommen, wenn die Eltern sie unter Kontrolle halten können. Heißt: Sitz! Mund halten!
Kinder sind ein ziemlich sensibles Thema im heutigen Deutschland. Unsere Gesellschaft wird immer älter. Wir brauchen dringend mehr Nachwuchs, damit jemand unsere Renten zahlen kann. Auf der anderen Seite bedeutet das auch, dass es immer mehr ältere Leute gibt, die sich ihre Ruhe wünschen und sich von Kinderlärm gestört fühlen. Früher war zwar alles besser, da haben Kinder noch draußen gespielt, wohingegen sie heute nur noch vor der Glotze sitzen … aber dabei machen sie wenigstens keinen Krach. Womit wir aber auch schon bei Punkt 3 des Kinderdramas kommen: Wenn jemand heute wirklich noch ein Kind (aber auch wirklich nur eins!) auf die Welt bringt, dann soll dieses kleine Wesen, der Hoffnungsträger der zukünftigen Welt, auch ohne jeglichen Schaden durchs Leben geführt werden.
Doch ein Glück! Die nörgelnden Alten und die überfürsorglichen Eltern haben die gleiche Lösung für ihre Probleme gefunden: Sperrt die lieben Kleinen ein! Am besten, bis sie 18 sind! Oder bis zum Ende des Studiums! Eltern können so unbesorgt sein, dass ihr Kind auf etwas stoßen könnte, das ihm nicht behagt (fremde Menschen! Lautstärke! Aufregung! neue Erlebnisse!). Und die Gesellschaft wird nicht von spielenden, lachenden, tollpatschigen oder weinenden Kindern belästigt.
Und noch ein Gutes hat diese Regelung: Jetzt haben Mütter endlich wieder die Möglichkeit, ihr Dasein voll und ganz auf das Kind auszurichten! Mangel an Kita-Plätzen? Frauenquote? Darum müssen wir uns keine Sorgen mehr machen.
Hach, die Welt könnte so schön ruhig sein. Und günstig auch, wenn Väter dann doch das Muttertier und den Nachwuchs im Stand-By-Modus mal mit zum Essen nehmen müssen – immerhin gibt es dafür ja jetzt Rabatt.

Die Frage ist dann nur … können diese Zombies später unsere Rente bezahlen?

 

Larissa//No Robots Magazine

Larissa ist die Chefin des No Robots Magazines. Sie ist 31 Jahre alt und lebt mit Mann und Kind in München.

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