Fangirl
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Die vier Phasen des Fangirl-Fiebers

Lange Zeit war in Expertenkreisen ungeklärt, ob es sich beim sogenannten Fangirling um eine angeborene Eigenschaft handelt oder doch um ein Phänomen, mit dem man sich im Laufe seines Lebens anstecken kann. Nun steht fest: Fangirling ist ansteckend – und niemand ist vor einer Infektion sicher.
Fangirling verläuft in mehreren Phasen und kann unbehandelt ein Leben lang andauern. Auslöser sind in der Regel berühmte Persönlichkeiten wie Schauspieler oder Musiker, aber auch Film- oder Buchreihen können Fangirling verursachen. Ebenso vielfältig sind die Infektionswege: ein Film, ein Song oder ein kurzer Post auf Facebook, ein Interviewschnipsel bei YouTube – und schon greift das Fangirling-Virus um sich. Unter Umständen kann man sich auch bei Mitmenschen anstecken, die besonders häufig von einem Fandom schwärmen oder sensible Inhalte teilen.

Phase 1: Die Anfangsphase

Bereits ein oder zwei Tage nach einer Infektion treten die ersten Fangirling-Symptome auf. Das Objekt der Begierde geht dem Infizierten nicht mehr aus dem Kopf; Tagträume, unvermitteltes Seufzen und zusammenhangloses Grinsen kündigen das Fangirling an. Wer jetzt schnell handelt, kann die in den kommenden Tagen auftretenden Fangirling-Symptome abmildern, indem er sich ablenkt und zum Beispiel eine Menge Überstunden an der Arbeit macht oder für die nächste Matheklausur lernt.

Fangirl

Foto: Unsplash/Lena Bell

Phase 2: Die Akutphase

Die Symptome treten nun in deutlich stärkerer Form auf. Die Tagträume nehmen zu und lenken von der alltäglichen Arbeit ab. Das Fangirl (oder der Fanboy) schaut Serien und Filme mit dem begehrten Star, hört Alben und Livekonzerte an oder liest jedes Buch und jede Fanfiction (noch einmal) durch. In sozialen Medien wird nicht nur nach jedem Schnipsel Information gesucht, es wird auch mit allen anderen geteilt. Nicht selten hüpfen Fangirls in der Akutphase quiekend auf und ab, wenn sie ihr Fandom irgendwo entdecken. Sie erstellen in fiebrigem Wahn eigene Fanart wie Videos und GIFs, die sie auf einem eigens erstellten tumblr-Blog teilen.
Achtung! Fangirls in der Akutphase sind hochgradig ansteckend. Sie teilen ihr Fandom überall, egal ob in ihrem privaten Umfeld oder über das Internet. Ein Computerbildschirm schützt nicht vor der Übertragung des Keims! Während sich viele Nicht-Infizierte häufig mitleidig abwenden, gibt es auch einige, die den Kontakt suchen und sich somit ebenfalls anstecken. Bei ihnen verläuft die Anfangsphase oft deutlich kürzer.

Phase 3: Spätphase

Der Hype lässt nach, der tumblr-Blog wird nicht mehr so regelmäßig befüllt, die Zeit auf YouTube geht zurück. Dafür kann nun ein Stadium inniger, tief empfundener Liebe und Dankbarkeit auftreten, gegenüber dem Fandom, das einem so wundervolle Tage, Wochen oder Monate im Fieber beschert hat. Wer nun weiter am Ball bleibt, kann sich selbst zurück in die Akutphase bringen, in jedem Fall wird aber der Virus im Körper bleiben und das Fangirl oder der Fanboy wird sich nie wieder vollständig vom Fandom lösen können.

Phase 4: Fandom überstanden?

Endlich ist es soweit – vor allem das soziale Umfeld atmet auf: Das Fangirling ist überstanden. Die Symptome sind im besten Fall abgeklungen und zeigen sich höchstens noch in einem leisen Seufzen, wenn das Fandom im Kino, im Radio oder im Buchladen auftaucht. Nun gilt es, nichts zu überstürzen: Auch, wenn das Hochgefühl und das euphorische Fieber nachlässt, sollte man sich weiterhin schonen, um das nächste Fandom richtig genießen zu können … und um das Umfeld nicht direkt wieder zu überfordern.
Wer sich wieder gesund und munter fühlt, darf gerne nach neuen Fandoms Ausschau halten. Denn es gibt so viel da draußen, für das es sich zu schwärmen lohnt.

Dieser Beitrag erschien in der Ausgabe „#4 Freaks & Geeks“ des No Robots Magazines. Lies hier kostenlos das komplette Magazin!

Katie

Katie, *1989, schreibt auf frau-margarete.de über Filme, Serien, Popkultur und Geschichten aus dem Alltag.

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