Schicke Männer zeigen Socken
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Uniformierung der Liebe

Sei du selbst und du findest deinen Seelenverwandten? Über die Uniformierung der Liebe.

Gestern schrieb Tania Witte im Zeit Magazin, dass sie lange Probleme hatte, die Liebe zu finden, weil sie einfach nicht „lesbisch genug“ aussah und deshalb von der „Szene“ nicht erkannt wurde.
„Irgendwie traurig“, dachte ich mir. Warum müssen Menschen in eine „Szene“ oder „Gruppe“ gehören, nur weil sie sich zufällig zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlen? Warum laufen homosexuelle Frauen Gefahr, keine Partnerin zu finden, wenn sie sich nicht mit „lesbischen Insignien“ ausstatten, wie Tania Witte schreibt? Sicherlich weil es für die sogenannten „Randgruppen“ somit leichter ist, sich als „ihresgleichen“ zu erkennen.
Die meisten Menschen fühlen sich zu irgendwem hingezogen, haben ein bestimmtes Beuteschema und sind auf der Suche nach der Liebe. Warum müssen bestimmte Menschen sich uniformieren und zu einer Szene zusammenrotten, um einen Partner finden zu können?
Oder geht es uns allen so?

Mädchen mit Chucks

Foto: Pexels.com

Als ich 18 war, musste ich unbedingt diese ausgelatschten Turnschuhe haben, die alle coolen Indie-Jungs hatten. Ich trug flache Nietengürtel und holte mir beim Pogen auf der Tanzfläche blaue Flecken. Fand ich mich damit chic? Vielleicht. Hat mir das Spaß gemacht? Möglicherweise. Ganz sicher aber wollte ich ein Zeichen setzen: „He, schaut! Ich bin eine von euch!“ Ich habe mich zum Zweck der Partnerwahl für die Szene uniformiert.
Wir „verkleiden“ uns, um von „unserer Szene“ wahrgenommen zu werden. Sei es nun die Indie-Szene, Sportler, Nerds oder was auch immer. Wir uniformieren uns nach unseren Interessen, ob das eine bestimmte Musik ist oder Star Trek. Nun ist es nicht wirklich ein Hobby, homosexuell zu sein. Ein lesbisches Mädchen kann genauso zur Indie-Szene gehören wollen wie ich. Doch egal wie man es dreht „sei du selbst und du findest die Liebe“ bleibt eine hohle Phrase.
Ich bin jetzt seit fast acht Jahren mit „meinem Mann“ zusammen. Nietengürtel finde ich mittlerweile uncool, für Chucks und Pogo fühle ich mich zu alt. Nach acht Jahren kennt man sich ganz gut. Die Uniform ist der Jogginghose gewichen, und er weiß längst, dass ich Filme viel interessanter finde als Musik. Zeit, nun voll und ganz man selbst zu sein – frei von jedem Szene-Denken?
Während ich noch über den Artikel nachdenke, kommt mir eine große Frau entgegen. Automatisch gehe ich gerade, strecke den Rücken. Wir gehören schließlich der gleichen Gruppe an. Auch wenn wir überhaupt nichts dafür können.

Larissa//No Robots Magazine

Larissa ist die Chefin des No Robots Magazines. Sie ist 32 Jahre alt und lebt mit Mann und Kind in München.

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