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Was kann das Flow Magazin?

Der Zeitschriftenmarkt ist ein hart umkämpftes Pflaster, auf dem die meisten Exemplare mit dem Aussterben ringen. Was lohnt sich noch zu kaufen und was nicht? Wir haben für euch getestet: Das Flow Magazin.

„Guck mal, wie schön bunt ich bin! Komm schon! Komm, komm! Kauf mich!“, flüsterte das große Magazin mit der hübschen Illustration als Titelblatt statt dauerlächelnder Hollywood-Stars. „Komm, komm! Nimm mich mit!“
Inspiration, Ideen, Einblicke, Anstöße verspricht mir das Flow Magazin. Eine Zeitschrift für Papierliebhaber. Was es nicht alles gibt. Der Preis ist stolz: 6,95 Euro. Und für Papier interessiere ich mich eigentlich auch nicht besonders. Trotzdem … Der Drang ist zu groß: Es landet in der Einkaufstasche.

Was kann das Flow Magazin?

Worum geht’s?

Beim ersten Durchblättern stelle ich schnell fest: Papier spielt gar keine so große Rolle. Stattdessen finde ich eher eine etwas andere Frauenzeitschrift vor – für die individuelle DaWanda-Shopperin, die Kreative, die eine Zeitschrift nicht kauft, weil sie sich für die „besten Sex-Tipps des Sommers“ interessiert. Das Thema der aktuellen Ausgabe ist „Wagen und Ausruhen“. Passend für eine Endzwanzigerin mit dem Willen, Neues anzupacken.
So kommt Flow auch recht psychologisch daher: Ich finde das Titelthema „Mehr Leben wagen“, einen Artikel über Familienbanden oder über Ruhe und Entspannung im indonesischen Alltag. Das ist alles sehr nett zu lesen und sehr schön illustriert. Punkt an Flow: Der Inhalt stimmt.

Was kann das Flow Magazin?
Dennoch: Das allein rechtfertigt nicht den eher überdurchschnittlichen Preis.
Dafür werfen wir einen Blick auf die Details: Andere Zeitschriften finanzieren sich kaum aus den Verkaufspreisen sondern hauptsächlich über Werbung. Die vielen Anzeigen in Magazinen sind an sich schon eher nervig – noch nerviger wird es allerdings, wenn es dann ans Product Placement geht: Hier wird einem eine neue Tasche für das dreifache Monatsgehalt angepriesen, dort muss man einen Mantel für einen astronomischen Preis unbedingt haben. Flow ist da zum Glück anders! Auf 140 Seiten findet man kaum Werbung und auch die „Lieblinge der Redaktion“ wirken wie genau diese: vertrauenswürdig ausgesuchte Tipps. Empfohlen wird zum Beispiel ein Restaurant in Berlin mit Omas Küche, tolle Bücher oder interessante Webseiten. So passiert mir etwas, das mir bei anderen Magazine selten passiert: Ich bin tatsächlich interessiert!
Auch die Seiten „Webshoppen“ preist keine Luxusware an, sondern nette Kleinigkeiten von Shops wie schoener-waers.de oder geschenkefuerfreunde.de.
Dieser Verzicht auf große Werbeseiten ist nicht nur angenehm, er rechtfertigt auch den erhöhten Preis.

Was kann das Flow Magazin?

Das i-Tüpfelchen

Ich fühle mich ein bisschen wieder wie ein Teenager, der sich auf die Bravo-Extras stürzt: Auch mit Flow bekommt man zwei tolle Geschenke – allerdings deutlich hochwertiger als die ollen Bravo-Sticker. In dieser Ausgabe finde ich ein „Tagebuch für 30 Tage“ – ein Schreibseminar für „achtsame Selbstreflexion“. Also durchaus wieder Frauenpsychologie, aber auch sehr spannend. Das Zweite ist ein hübscher Briefumschlag mit Scherenschnitt-Illustration von Geertje Aalders. Ich weiß noch nicht, was ich damit genau machen werde, aber es findet sich bestimmt eine Freundin, die sich darüber freuen wird …

Was kann das Flow Magazin?

Qualität

Auch die Qualität des Flow Magazins ist top: Ich habe bisher keine Rechtschreibfehler gefunden, was man nicht von jedem Magazin behaupten kann. Auch das Papier ist dick und hochwertig. Allerdings verstehe ich nicht so ganz, warum das Magazin gleich mit drei verschiedenen Papiersorten aufwarten muss: Das erste Drittel besteht aus dickem Mattpapier, die Mitte ist in Hochglanz und der Schluss eine Mischung aus beidem. Das finde ich eher unnötig und treibt sicherlich die Druckkosten in die Höhe.

Werden wir uns wiedersehen?

Dank Flow kann ich jetzt meditieren und lerne, mehr auf mich zu achten – mehr gefällt das Magazin. Ob ich es mir öfter kaufen werde, kann ich dennoch nicht sagen, dafür ist es zu teuer. Obwohl … das nächste Flow (erscheint am 15. Juli) handelt von Trödeln und Tagträumen und hat ein Malbuch als Extra. Und wenn es mich dann wieder mit so einem hübschen Cover anlockt …

flow im Internet:

flow-magazin.de
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Larissa//No Robots Magazine

Larissa ist die Chefin des No Robots Magazines. Sie ist 32 Jahre alt und lebt mit Mann und Kind in München.

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