Was würde Greta tun?

Seit einiger Zeit hat sich ein Spruch in unserem Haus eingeschlichen: Was würde Greta tun?

Ein Symbol für jeden von uns

In erster Linie ist dieser Spruch ein Witz. Ein Seitenhieb. Nicht gegen die Schülerinnen und Schüler da draußen, die sich von Greta Thunberg inspirieren ließen und jeden Freitag oder auch nicht jeden auf die Straße gehen. Nein, nicht gegen die. Wenn man jung ist, dann braucht man Ikonen, jemanden, den man bewundern kann. Früher waren es die Spice Girls oder Britney Spears oder vielleicht das coole Mädchen aus der Oberstufe, wenn man mehr down-to-earth war. Heute ist es für viele eine gleichaltrige Klima-Aktivistin. Ich kann darin nichts Verkehrtes sehen.

Ein Schild bei einer FridayForFuture-Demo

Nein, der Witz geht auf Kosten derer, die die Ikonisierung von Sechzehnjährigen nach erwachsenen Maßstäben messen. Die ein Teenager-Mädchen, das freitags mit einem Schild auf der Straße sitzt, als den neuen Jesus der Jugend darstellen – und diese „Vergötterung“ damit gleichzeitig scharf kritisieren. Schließlich kann es ja nicht sein, dass ein kleines Mädchen (!) den alten Männern (!) diktieren will, wie die Welt auszusehen hat. Und noch weniger kann es sein, dass eine ganze Generation fauler, Schule schwänzender Gören ihr hinterherläuft.
Nein, der Witz geht nicht auf Kosten von Greta oder den faulen, Schule schwänzenden Gören. Alte Männer, the joke is on you. Der Hieb geht gegen euch, wenn ihr nichts besseres zu tun habt, als euch auf ein sechzehnjähriges Mädchen einzuschießen, anstatt eure Sprüche dafür aufzusparen, zu diskutieren, was man wirklich tun sollte. Der Hieb geht gegen all die Leute, die die Verehrung der Greta Thunberg kritisieren und sie gleichzeitig als Gallionsfigur der entarteten Jugend benutzen.

Wer macht hier noch Witze?

Und dann, am Ende, ist es doch gar kein Witz. Nein, ich bin erwachsen. Ich brauche keine Ikonen mehr, vor allem keine, die nur halb so alt sind wie ich. Aber ich brauche doch immer mal wieder einen Weckruf, der mich aus meinem Alltagstrott schrecken lässt. Eine kleine Erinnerung daran, dass das, was ich schon immer so mache, vielleicht nicht schon immer richtig war. Oder nicht mehr richtig ist. Eine kleine Erinnerung, dass man Gewohnheiten und Alltagsentscheidungen zuweilen überdenken muss. Und so zog das beflügelte Wort bei uns ein: Was würde Greta tun? Würde sie Produkt A oder Produkt B kaufen? Wohin und wie würde sie in den Urlaub fahren? Wie würde sie sich jetzt verhalten? Und oft stehen wir da und denken kurz nach und rufen: „Oh, ja, stimmt, du hast recht. Das ist wirklich nicht sehr nachhaltig. Das mache ich besser anders!“

Nein, ich brauche keinen modernen Jesus. Aber trotzdem frage ich mich immer wieder: Was würde Greta tun?

Make the planet Greta again

Larissa//No Robots Magazine

Larissa ist die Chefin des No Robots Magazines. Sie ist 34 Jahre alt und lebt mit Mann und zwei Kindern in München.

Letzte Artikel von Larissa//No Robots Magazine (Alle anzeigen)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere