Bücher, die von Musikern geschrieben wurden
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Wenn Musiker zu Autoren werden …

Es gibt viele Arten, kreatives Talent zu besitzen. Manche Menschen können aus ein paar Tönen wundervolle Musik gestalten. Das heißt aber nicht immer unbedingt, dass sie auch zum Poeten geboren sind und mehr zusammenreimen können als „She loves you“ und „Yeah yeah yeah“. Nichts gegen die Beatles. Ich liebe die Beatles. Dann gibt es aber auch Menschen, die sind Meister in Ton und Wort: Musiker, die tolle Bücher schreiben. Und ein paar davon stelle ich euch heute vor.

Wo die wilden Maden graben von Nagel

„Wo die wilden Maden graben“ von Nagel (Muff Potter)

Ich stehe eigentlich mehr auf bizarre Indie- und Garage-Rock-Bands, Punk Rock ist nicht ganz so meine Welt, eher die meines Mannes. Aber man muss auch kein Fan der ehemaligen deutschen Punk-Band Muff Potter sein, um sich von „Wo die wilden Maden graben“* von Nagel aka Thorsten Nagelschmidt unterhalten zu lassen. In dem relativ dünnen (238 Seiten) semi-autobiografischen Roman berichtet ein namenloser Musiker vom Leben auf Tour, von der Punk-Jugend der Kleinstadt und der Surrealität des Alltags Off-Tour. Damit gibt er einen ungeschminkten Blick auf das unglamouröse Leben einer halbwegs, aber doch nicht zu sehr erfolgreichen Band. Was zuweilen allerdings auch ein bisschen abschreckend ist (sind etwa alle meine Lieblingsbands auch so drauf?!).

Festival Man von Geoff Berner

„Festival Man“ von Geoff Berner

Geoff Berner ist ein kanadischer Jude, der Klezmer mit bitterbösen Texten spielt. In seinen Lyrics geht es um die Barbarei der Ehe, tote Kinder und den Suff. Kein Wunder also, dass sein Roman „Festival Man“* nicht gerade ein „Blümchen auf immergrüner Wiese“-Roman ist. Im Zentrum steht Campbell Ouiniette, Manager möglichst obskurer Musiker zweifelhaften Charakters. Campbell hatte ein mieses Wochenende, zurückgeblieben ist nur eine Tagebuchnotiz irgendwo im Nirgendwo. Dazwischen steht eine Geschichte voller Drogen und Hass auf die Musikindustrie, wo jeder sein Fett weg kriegt – sogar der Autor selbst.

Things the grandchildren should know von Mark Oliver Everett

„Things The Grandchildren Should Know“ von Mark Oliver Everett (Eeels)

Deutlich versöhnlicher ist hingegen Mark Oliver Everett, bekannt als „E“ der amerikanischen Band Eels. E ist bekannt als Eigenbrötler, als jemand, der gerne einfach nur mit seinen Hunden auf der Veranda sitzt, Zigarre raucht und an seiner Musik bastelt. Ein Mensch, der mit einigen Dramen in seinem Leben konfrontiert wurde, die er zuweilen auch in seiner Musik verarbeitet. In seiner Auto-Biografie „Things the Grandchildren Should Know“* ließ Everett 2009 sein Leben Revue passieren: Von seinen harten Kämpfen, die Musik machen zu dürfen, die er machen möchte … aber auch wie er nach und nach seine Familie verlor. War man bis dato kein Eels-Fan, so ist man es nach diesem Buch. Denn obwohl Everett nicht immer das leichteste Leben hatte, so bleibt er doch immer optimistisch. Und das macht seine Memoiren zu einer wunderbaren Lektüre, wenn man mal wieder denkt, dass das Schicksal ziemlich fies zu einem ist.

The death of Bunny Munro von Nick  Cave

„The Death of Bunny Munro“ von Nick Cave (Nick Cave and the Bad Seeds)

Eigentlich dachte man, die wilden Zeiten von Nick Cave seien vorbei. Schließlich erinnern seine aktuelleren Werke nicht mehr unbedingt an die Zeiten im Berliner Untergrund des Ex-Junkies. Doch der Sohn eines Englisch-Lehrers und einer Bibliothekarin bleibt auch mit fast sechzig ein Anarcho-Poet. In seiner Musik widmet er sich dem Abgrund der menschlichen Psyche, manchmal melancholisch, manchmal schreibt er aber auch ganze Alben über Mord und Todschlag („Murder Ballads“, 1996, enthält seinen größten kommerziellen Hit „Where The Wild Roses Grow“). Dementsprechend liest sich auch sein zweiter Roman „The Death of Bunny Munro“*, in dem der Tod eines Vertreters seziert wird. Bizarr, verstörend, obszön – Nick Cave. Definitiv nichts für sanfte Gemüter.

Der kleine Bruder von Sven Regener

Die „Herr Lehmann“-Trilogie von Sven Regener (Element of Crime)

„In die Straßenbahn des Todes, die heulend sich zum Stadtrand quält, werd ich mich klaustrophobisch zwängen, weil auch die kleine Geste zählt“ („Straßenbahn des Todes“) – wenn es jemand schafft, einen Songtext in ein poetisches Meisterwerk zu verwandeln, dann auf jeden Fall Sven Regener. Kein Wunder also, dass sein Debüt-Roman „Herr Lehmann“* nicht nur ein Bestseller geworden, sondern auch mit Christian Ulmen in der Hauptrolle verfilmt worden ist. Aus mir nicht weiter bekannten Gründen besitzen wir allerdings nur die Fortsetzungen „Neue Vahr Süd“* und „Der kleine Bruder“*, sodass ich beschämt zugeben  muss: Ich habe seine Bücher bisher noch nicht gelesen. Lassen wir also an dieser Stelle meinen Mann zu Wort kommen: Super! Spart euch den Film, lest das Buch. Wer will, in der zum Lebenslauf des Protagonisten passenden Reihenfolge vom Zivildienst („Neue Vahr Süd“) über den Umzug nach Berlin („Der kleine Bruder“) bis zum 30. Geburtstag („Herr Lehmann“). Das entspricht zwar nicht dem ursprünglichen Ablauf der Veröffentlichungen, hat aber den Vorteil, dass man nicht mit dem im Vergleich zu seinen Brüdern schwächeren „Der kleine Bruder“ endet.

Kennt ihr auch gute Bücher, die von Musikern geschrieben wurden? Ganz oben auf meiner Liste steht auf jeden Fall noch „The Road Beneath My Feet“ von Frank Turner, das gerade erschienen ist.

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Larissa//No Robots Magazine

Larissa ist die Chefin des No Robots Magazines. Sie ist 32 Jahre alt und lebt mit Mann und Kind in München.

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2 Kommentare

  1. Die ersten beiden Herr Lehmann-Bücher sind für mich mit das Beste, was ich an deutschsprachiger Literatur jemals gelesen habe. Ich fand Neue Vahr Süd fast noch besser als Herr Lehmann. Den kleinen Bruder hab ich noch nicht gelesen, vielleicht sollt ich’s auch nicht, is immer schade, wenn was Großes am zu viel rausholen wollen eingeht.

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