Stranger inside: Tipps zur Schwangerschaft
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Wissenswertes über die Frühschwangerschaft für Ahnungslose

Es gibt sicher Frauen, die in einer großen Familie aufwachsen. Die einen Freundeskreis haben, in dem es vor Kindern nur so wimmelt. Es gibt aber auch eine Menge Frauen, die praktisch keinen Kontakt zu Kindern haben, bis ihnen irgendwann die Hormone sagen: „So, jetzt ein Baby, bitte!“ Und dann steht man oft ziemlich ahnungslos da, wenn es plötzlich soweit ist. Ein Laien-Guide für Laien-Schwangere. Natürlich sind all diese Tipps rein subjektiv. Wichtig ist vor allem euer eigenes Bauchgefühl und die Empfehlungen eures Arztes und eurer Hebamme!

Es ist ja nicht so, dass ich seit meiner eigenen Kindheit mit niemandem mehr gesprochen hätte, der jünger als achtzehn ist. Ich habe Nichten und Neffen und auch in unserem Freundeskreis mehrt sich der Nachwuchs. Aber die sind alle ziemlich weit weg, und unter meinen engen Freundinnen bin ich die erste, die sich an das Abenteuer „Baby“ herangewagt hat. Klar habe ich mich schon eine Weile mit dem Thema beschäftigt und das ein oder andere gelesen … aber als der Test dann – oh-welch-Überraschung – positiv war, dachte ich schon: „Und … äh … nun? Was habe ich mir bloß dabei gedacht?!“ Deswegen gibt es heute von mir einige Tipps, mit Dingen, die ich in den letzten Monaten gelernt habe oder bei denen ich froh war, dass sie mir jemand vor der Schwangerschaft verraten hat.

    • Kinderwunsch? Dann mal ran an die Vitamine! Es ist mittlerweile eigentlich den meisten bekannt, dass Folsäure unglaublich wichtig ist … gerade in den ersten Wochen. Daher wird geraten, schon ab Kinderwunsch anzufangen, Zusatzpräperate einzunehmen, damit sich der Folsäurespiegel aufbauen kann. Bis man nämlich tatsächlich sicher ist, dass man schwanger ist, sind schon einige Wochen vergangen, in denen das Baby die Folsäure gut gebraucht hätte. Ich empfehle (und von meinem Arzt als gut befunden) die „A–Z Mama“-Vitame von DM. Die kosten auch nicht so viel, dass es weh tut, sie vielleicht eine Weile „umsonst“ einzunehmen.
    • Der Test zeigt zwei Streifen? Glückwunsch! Und nun? Es mag ja Mütter geben, die sofort vor Glück zerspringen und nur noch rosa Herzchen sehen. Andere Frauen (ich zum Beispiel) denken eher: „Okaaaaaaay. Okay. Okayokayokay. Und jetzt?“ Also: Erstmal tief durchatmen und dann einen Termin beim Frauenarzt machen, damit der die Schwangerschaft bestätigen kann. Dass ihr spätestens jetzt keinen Alkohol mehr trinken und nicht mehr rauchen solltet, ist wohl allen klar. Es wird außerdem davon abgeraten, Rohmilchkäse zu essen (ich wusste nicht mal, was das genau ist, bis mein Arzt mich darauf hingewiesen hat). Und was ihr noch so alles beachten sollt, dass werden euch Arzt und Hebamme erzählen. Und der Rest der Welt. Ich empfehle, auf die Meinung vom Rest der Welt zu pfeifen.
    • Yeah, schwanger! Ich möchte es … keinem erzählen. Es ist heute recht häufig, dass Schwangere im ersten Trimester ihre Schwangerschaft im Umfeld noch verschweigen, da die Fehlgeburtgefahr in den ersten zwölf Wochen noch recht hoch ist. Der Nachteil: Ihr habt niemanden, mit dem ihr reden könnt, außer eurem Partner, der wahrscheinlich genauso aufgeschmissen ist wie ihr. Vielleicht sollte man dieses System einmal überdenken und stattdessen offener mit dem Tabu-Thema „Fehlgeburt“ umgehen. Der Vorteil ist allerdings, dass ihr noch von sinnvollen und weniger sinnvollen Ratschlägen von allen Seiten verschont bleibt.
    • Huch, alles ganz neu und so anders! Jetzt kann man sich ja erstmal ein paar Wochen zurücklehnen, das erste Trimester hinter sich bringen und dann mit dem Gedanken anfreunden? Denkste! Kaum ist der Test positiv, kommt auch schon die Übelkeit und die Müdigkeit. Und schon denkt ihr euch: Warum tue ich mir das noch mal an? Bei mir war es auch so, dass gerade in den Anfangswochen der Bauch so empfindlich war, dass ich schon in der fünten Woche die Hose nicht mehr zumachen wollte (Lösung: lange Oberteile und einfach Knopf offen lassen). Und die Brüste spannten auch schon  nach ein paar Wochen so sehr, dass der BH nicht mehr passt (Lösung: BH-Verschluss-Erweiterung). Das Gute: Das geht vorbei und später kann man sich kaum noch daran erinnern. Hurra auf das selektive Gedächtnis!
    • Auf der anderen Seite: Irgendwie doch alles wie immer. Ständige Übelkeit? Habe ich seit Jahren. Bauchschmerzen? Dito. Ständige Müdigkeit? Dito. Also eigentlich hat sich dann doch nicht so viel geändert. Wie … da ist ein Mensch in meinem Bauch?!? Ernsthaft? Glaub ich erst, wenn ich’s sehe. Oh, da ist er ja! Unfassbar! Hm, aber glauben will ich es trotzdem nicht. Sprich: Macht euch nichts draus, wenn es ein paar (oder auch einige) Wochen dauert, bis ihr wirklich verstanden habt, dass da etwas in eurem Bauch wächst. Ich meine, ernsthaft, wie soll man das denn auch verstehen?? Mein Sohn ist jetzt vier Wochen alt. Ich verstehe es immer noch nicht.)

Stranger inside: Tipps zur Schwangerschaft

  • SSW-was? Ein paar Zahlen: Die Schwangerschaft beginnt „offiziell“ ab dem ersten Tag der letzten Periode, auch wenn ihr da natürlich noch gar nicht schwanger wart (vergesst also nicht, eure Menstruation immer gut zu notieren!). Ab da an rechnet man in SSW, also Schwangerschaftswochen, eher nicht in Monaten, weil das zu ungenau ist. Dann lest ihr häuftig so schöne Zahlen wie SSWx+y. Das zeigt an, wie viele volle Wochen plus einzelne Tage seit der letzten Periode vergangen sind. Das erste Trimester endet also nach der vollendeten 12. Woche, mit SSW 12+0, wenn ihr dann in der 13. Woche seid (die allererste Woche ist dementsprechen SSW 0).
  • Kaum schwanger, Mutterpass noch nicht ganz in der Hand und schon: Stress, Stress, Stress! Leider ist es in Deutschland nämlich so, dass es gerade ziemlich schlecht um die Hebammen steht. Das bedeutet: Wenn ihr zu trantütig seid, habt ihr vielleicht niemanden, der sich nach der Geburt um euch und euer Baby kümmert. Und Hebammen holen auch euer Baby auf die Welt. Dumm, wenn ihr nicht im Krankenhaus angemeldet seid! Und manche Krankenhäuser wollen das – ungelogen! – bis zur 9. Schwangerschaftswoche! Also: zackzack! Kümmert euch lieber gleich drum, als dass es nachher zu spät ist.
  • A propos Hebammen: Bis ich schwanger war, war mir das ganze Thema ziemlich suspekt. Jetzt sage ich: Hebammen sind super! Bei meiner (leicht panischen) Suche nach einer Nachsorge-Hebamme bin ich auf eine Praxis gestoßen, die Nachsorge nur im Paket mit Vorsorge anbietet. Sprich: Die Hebammen und der Frauenarzt untersuchen euch im Wechsel. Und schon bei meinem ersten Termin war ich dafür unglaublich dankbar. Ich weiß nicht, wie es auch geht, aber ich rede mit einer Frau einfach anders als mit einem Arzt, der mir immer etwas Respekt einflößt. Außerdem habe ich bei meinen Hebammen gleich eine Ernährungsberatung und Akupunktur als normale Kassenleistung bekommen. Unbezahlbar! (Und in Sachen Ernährungsberatung: Ich fand’s ziemlich hilfreich und bin froh, dass mir das geboten wurde. Ich würde auch empfehlen, so ein Angebot gleich zu Beginn der Schwangerschaft anzunehmen und nicht, wenn ihr schon fast durch seid.)
  • Lektüre, Lektüre, Lektüre: Als Person, die sich gerne umfassen informiert, wollte ich mir natürlich auch gleich den passenden Ratgeber besorgen. Dabei habe ich ziemlich schnell festgestellt, dass mir keiner wirklich zusagte. Viele sind totale Mami-Herzchen-Bücher, die einem ständig sagen, wie man sich gerade fühlt. Ja, danke, das weiß ich selbst. Außerdem haben die beliebtesten Ratgeber bei Amazon alle eine Bewertung mit „voller Fehler“ bekommen, was mich sehr abgeschreckt hat. Daher habe ich schließlich verzichtet und mich stattdessen auf den Rat von Frauenarzt und Hebammen verlassen. Die werden mir schon alles sagen, was wichtig ist. Gute, hilfreiche und sogar kostenlose Broschüren bekommt ihr aber auch über eure Krankenkasse oder bei der BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung). Außerdem: Desto mehr ihr lest, desto verwirrter werdet ihr sein, da sich alle Experten sowieso in vielen Fällen widersprechen. Aber einige Grundlagen, zum Beispiel zur Risikoreduzierung des plötzlichen Kindstodes, sind sicher gut zu wissen.
  • Und falls ihr doch ein bisschen mehr wissen wollt, gibt es ja genügend Lektüre im Internet. Ich lese gerne den Blog Von guten Eltern, von einer Hebamme geschrieben, die daher auch wirklich weiß, wovon sie spricht. Außerdem mag ich den Schwangerschaftskalender von jolie.de und den von familie.de, damit man jede Woche erfährt, was der Wurm gerade so macht. (Die allerdings ziemlich oft verwechseln, dass die 15. SSW nicht SSW 15 ist und deswegen nicht immer korrekt sind.)
  • Aber die allerbesten Ratgeber sind andere Mütter, auch wenn ihr vielleicht nicht in allen Erziehungsfragen einer Meinung seid. Aber: Erfahrung rules. Zum Beispiel sind die Einkaufslisten, die man in Ratgebern oder im Netz findet, in der Regel ziemlicher Bullshit. Fragt Freundinnen, Schwestern, Schwägerinnen, die Kinder haben, wie die es gemacht haben. Und wenn ihr keinen kennt, dann könnt ihr euch gerne mich fragen. Ich habe zwar auch keine Ahnung, aber in den letzten Monaten schon eine Menge gelernt.
  • Und dann gibt’s da ja noch das Thema „zusätzliche Untersuchungen“, die nicht von der Kasse übernommen werden. Ich möchte keinen Ratschlag geben, was nun sinnvoll ist und was nicht, das muss jede Frau nach eigenem Ermessen und anhand ihres persönlichen Risikofaktors selbst entscheiden. Ich war dennoch sehr froh, dass mir mehrere Mütter vor der Schwangerschaft gesagt haben, dass sie nicht alle Tests gemacht haben oder sich gewünscht hätten, sie hätten es nicht gemacht, weil es sie nur verrückt gemacht hat. Sprich: Es ist kein Muss jeden Test zu machen und ihr solltet euch zu nichts verpflichtet fühlen, wenn euch selbst nicht wohl dabei ist. Am besten sprecht ihr euer Risiko mit eurem Arzt und eurer Hebamme durch. Darüber hinaus habt ihr als Kassenpatienten das Recht, euch von eurem Frauenarzt zu einem Pränatalarzt überweisen zu lassen, der einen gründlicheren Ultraschall machen kann als der Gynäkologe. (Mein Frauenarzt sagte mir, dass viele seiner Kollegen ihren Patienten nichts davon verraten, um nicht als „Deppen“ dazustehen. Ich finde es aber auch verständlich, dass ein Frauenarzt weniger auf die Feindiagnostik spezialisiert ist als ein Pränatalarzt.) Diese Untersuchung ist zwar weniger genau als die Nackenfaltenmessung (die auch schon wenig aussagekräftig ist, soweit ich informiert bin) oder die extrem teure Blutuntersuchung, aber dennoch kann der Arzt schon besser erkennen, ob eventuelle gesundheitliche Schäden vorliegen.
  • Aber das Allerwichtigste ist: Lasst euch nicht von den „Experten“ verrückt machen. Weder jetzt, noch später, wenn das Kind da ist.

Alle Fragen geklärt? Dann viel Erfolg beim Babymachen! 🙂

 

Larissa//No Robots Magazine

Larissa ist die Chefin des No Robots Magazines. Sie ist 32 Jahre alt und lebt mit Mann und Kind in München.

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